Direkt zum Hauptbereich

Botschaft aus einem rumänischen Provinzkrankenhaus

“Ich heiße Oprea Dan, bin Chirurg am Notfallkrankenhauses des Kreises Prahova in Ploiesti. Das Krankenhaus ist unter den Einheimischen als das “Krankenhaus des Todes” oder “Krankenhaus des Desasters” u.ä. bekannt. Ein Kollege sagte mir, dass ich besser nicht erzählen sollte, wo ich arbeite. Und trotzdem liebe ich dieses mein gedemütigtes Krankenhaus, das von allen verlassen ist! Hier habe ich meine medizinische Laufbahn angefangen!
Einem Kreis wie unserem kann es nicht gelingen ein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Krankenhaus zu haben. Es gibt kein Geld. Die Anlage zur Sterilisierung mit Ethylen-Oxid ist seit einem Jahr kaputt und wird nicht repariert, obwohl ein neuer Gaskompressor nicht mehr wie 2.000 Euro kosten würde. Wir benutzen chirurgische Instrumente für den einmaligen Gebrauch zehnmal oder noch mehr, Verbandmaterial mit sterilisierter Watte haben wir nur gelegentlich. 
Man spricht von Hochleistungsgeräten, aber die Wahrheit vom Standpunkt der Technik aus ist, dass diese Apparate an chronischen Krankheiten leiden, so dass chirurgische Eingriffe ein wahres Risiko werden!
Es gibt keine Dichtungen, überall entweicht das Kohlendioxid, so daß bei einer Gallenblasenoperation hunderte von Liter verbraucht werden anstatt wie üblich 20 bis 30 Liter. Die Instrumente sind in schlechtem Zustand, die Scheren sind kaum zu gebrauchen und oft mit chirurgischer Watte verschmutzt. Für die Endoskopie gibt es keine Instrumente zu Biopsie, zur Entfernung von Gallensteinen.
Wenn ich einen Kranken behandeln will, gelingt es mir nicht eine einheitliche Behandlung für wenigstens 6 bis 7 Tage durchzuführen. Fast täglich werden die Antibiotika in der Krankenhaus-Apotheke gewechselt. Wenn ich eine Antikoagulant verschreibe im täglichen Wechsel mit einem anderen, dann weiß ich, dass das eine schlechte Sache ist. Kompromisse auf Kompromisse, Küchenschaben im Sprechzimmer, aber Umschläge auf dem Gang….
Ist Raed Arafat der Retter der rumänischen Medizin? Das frage ich mich, ein alter dummer Chirurg, wenn nach einem schweren Unfall der Rettungswagen den Verletzten ins Notfallkrankenhaus bringt, aber kann er denn auch medizinisch gerettet werden? Wer wird dann den Verunglückten behandeln und retten? Im Krankenhaus! Also diese Reform führt nur bis zum Eingang des Krankenhauses und wird dieses wesentliche Element nicht systematisch vernachlässigt? Die Erfinder des Notfallsystems SMURD sollten, wenn sie können, den Kreis schließen, dann würden sie zum Retter der rumänischen Medizin!
Es sollte allen klar sein, dass der Arzt im Bezug auf den Patienten nicht auf der anderen Seite der Barrikade steht. Er ist genauso wie dieser erniedrigt, beleidigt, angeklagt, schlecht bezahlt und er befindet sich mit Sicherheit in diesem Zustand auf der Seite seines Patienten.
Jede Art von Politiker gibt sich im Krankenhaus die Klinke in die Hand, wirbelt Staub auf, verlangt Reformen, fordert Aufopferungsgeist, Hingabe. Wenn es aber ums Geld geht, dann haben wir das Schweigen im Walde.”

Der Arzt Dan Oprea hat diesen Bericht im vergangenen November an die rumänischen Medien gegeben und damit einen Sturm im Gesundheitsministerium in Bukarest ausgelöst. Der Krankenhaus-Manager hat daraufhin seinen Rücktritt eingereicht, der Gesundheitsminister hat eine Untersuchung angeordnet. Kurz darauf mussten auch zwei Mitglieder des Kreisverwaltungsrates zurücktreten. Die Journalisten von “Romania de la Zer0” schreiben über ihn: “Mit 54 Jahren hat Dan Oprea ein Erweckungserlebnis gehabt: Er hat seine Kleider vom Leib gerissen und hat sich wie eine Art Don Quijote gefühlt, mit einem Helm aus Papier auf dem Kopf und einem eingebildeten Eisenhandschuh an der Hand, allein in den Sälen des Krankenhauses, wie wenn er dem Aufruf zum letzten Kampf Folge leisten würde.”

Informationsquelle
"Am trait dupa regulile acestui sistem. E o jungla" – Romania de la zer0

Beliebte Beiträge

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…