Donnerstag, 2. Januar 2014

Botschaft aus einem rumänischen Provinzkrankenhaus

“Ich heiße Oprea Dan, bin Chirurg am Notfallkrankenhauses des Kreises Prahova in Ploiesti. Das Krankenhaus ist unter den Einheimischen als das “Krankenhaus des Todes” oder “Krankenhaus des Desasters” u.ä. bekannt. Ein Kollege sagte mir, dass ich besser nicht erzählen sollte, wo ich arbeite. Und trotzdem liebe ich dieses mein gedemütigtes Krankenhaus, das von allen verlassen ist! Hier habe ich meine medizinische Laufbahn angefangen!
Einem Kreis wie unserem kann es nicht gelingen ein wirtschaftlich konkurrenzfähiges Krankenhaus zu haben. Es gibt kein Geld. Die Anlage zur Sterilisierung mit Ethylen-Oxid ist seit einem Jahr kaputt und wird nicht repariert, obwohl ein neuer Gaskompressor nicht mehr wie 2.000 Euro kosten würde. Wir benutzen chirurgische Instrumente für den einmaligen Gebrauch zehnmal oder noch mehr, Verbandmaterial mit sterilisierter Watte haben wir nur gelegentlich. 
Man spricht von Hochleistungsgeräten, aber die Wahrheit vom Standpunkt der Technik aus ist, dass diese Apparate an chronischen Krankheiten leiden, so dass chirurgische Eingriffe ein wahres Risiko werden!
Es gibt keine Dichtungen, überall entweicht das Kohlendioxid, so daß bei einer Gallenblasenoperation hunderte von Liter verbraucht werden anstatt wie üblich 20 bis 30 Liter. Die Instrumente sind in schlechtem Zustand, die Scheren sind kaum zu gebrauchen und oft mit chirurgischer Watte verschmutzt. Für die Endoskopie gibt es keine Instrumente zu Biopsie, zur Entfernung von Gallensteinen.
Wenn ich einen Kranken behandeln will, gelingt es mir nicht eine einheitliche Behandlung für wenigstens 6 bis 7 Tage durchzuführen. Fast täglich werden die Antibiotika in der Krankenhaus-Apotheke gewechselt. Wenn ich eine Antikoagulant verschreibe im täglichen Wechsel mit einem anderen, dann weiß ich, dass das eine schlechte Sache ist. Kompromisse auf Kompromisse, Küchenschaben im Sprechzimmer, aber Umschläge auf dem Gang….
Ist Raed Arafat der Retter der rumänischen Medizin? Das frage ich mich, ein alter dummer Chirurg, wenn nach einem schweren Unfall der Rettungswagen den Verletzten ins Notfallkrankenhaus bringt, aber kann er denn auch medizinisch gerettet werden? Wer wird dann den Verunglückten behandeln und retten? Im Krankenhaus! Also diese Reform führt nur bis zum Eingang des Krankenhauses und wird dieses wesentliche Element nicht systematisch vernachlässigt? Die Erfinder des Notfallsystems SMURD sollten, wenn sie können, den Kreis schließen, dann würden sie zum Retter der rumänischen Medizin!
Es sollte allen klar sein, dass der Arzt im Bezug auf den Patienten nicht auf der anderen Seite der Barrikade steht. Er ist genauso wie dieser erniedrigt, beleidigt, angeklagt, schlecht bezahlt und er befindet sich mit Sicherheit in diesem Zustand auf der Seite seines Patienten.
Jede Art von Politiker gibt sich im Krankenhaus die Klinke in die Hand, wirbelt Staub auf, verlangt Reformen, fordert Aufopferungsgeist, Hingabe. Wenn es aber ums Geld geht, dann haben wir das Schweigen im Walde.”

Der Arzt Dan Oprea hat diesen Bericht im vergangenen November an die rumänischen Medien gegeben und damit einen Sturm im Gesundheitsministerium in Bukarest ausgelöst. Der Krankenhaus-Manager hat daraufhin seinen Rücktritt eingereicht, der Gesundheitsminister hat eine Untersuchung angeordnet. Kurz darauf mussten auch zwei Mitglieder des Kreisverwaltungsrates zurücktreten. Die Journalisten von “Romania de la Zer0” schreiben über ihn: “Mit 54 Jahren hat Dan Oprea ein Erweckungserlebnis gehabt: Er hat seine Kleider vom Leib gerissen und hat sich wie eine Art Don Quijote gefühlt, mit einem Helm aus Papier auf dem Kopf und einem eingebildeten Eisenhandschuh an der Hand, allein in den Sälen des Krankenhauses, wie wenn er dem Aufruf zum letzten Kampf Folge leisten würde.”

Informationsquelle
"Am trait dupa regulile acestui sistem. E o jungla" – Romania de la zer0