Direkt zum Hauptbereich

In Drancy sitzt den Menschen die Angst im Nacken

Am 23. Dezember entgleiste auf dem Rangierbahnhof von Drancy, ein Ort etwa 10 km nordöstlich von Paris, ein mit Nuklearabfällen bestückter Güterwagen. Der Verschiebebahnhof liegt in einem dicht besiedelten Gebiet. Durch den Bahnhof werden jährlich mehr als 10.000 Waggons mit gefährlichen chemischen und nuklearen Stoffen geführt. Der verunglückte Wagen war mit 6 Tonnen Nuklearmaterial beladen, das zur Wiederaufarbeitungsanlage nach La Hague transportiert werden sollte.


Dass Waggons mit Gefahrengüter in Drancy verunglücken scheint an der Tagesordnung. Das Bürgermeisteramt berichtet, dass es durchschnittlich einen Zwischenfall alle 3 Monate gibt. Im Jahr 2011 standen nach einer Untersuchung der Regionaldirektion für Umwelt und Energie (DRIEE) für 3 Stunden auf dem Bahnhof 11.500 Waggons mit chemischen Stoffen wie hoch entzündlichem Kohlenwasserstoff, Chlor, Ammoniak oder andere Explosiv- und Giftstoffe sowie Nuklearmaterial, davon waren 2.080 Waggons als "äußerst gefählich" deklariert.

Die Anwohner sind aus diesem Grund in höchstem Maße beunruhigt. Nachdem am 23. Dezember der Güterwagen entgleiste und die Warnsirene ertönte, entstand bei der Bevölkerung eine Panik, das Notfalltelefon der Stadtverwaltung war durch die Masse der Telefonanrufe völlig überlastet. Seit dem schweren Bahnunglück im kanadischen Ort Lac-Mégantic im letzten Sommer, wo ein Güterzug mit chemischen Stoffen explodierte und 47 Personen starben, sind sich die Menschen im dicht besiedelten Gebiet von Drancy bewusst, was ihnen blühen könnte. Bürgerbewegungen und die Stadtverantwortlichen drängen auf Verlegung des Güterbahnhofs, der Bürgermeister fragt die Bahn: "Muss man erst auf einen schweren Unfall warten, um endlich Maßnahmen zu ergreifen?".


Beim Unfall vom 23. Dezember wurde sofort abgewiegelt, von der Bahn und von der Nuklearfirma Areva, von der das Material stammte und die Öffentlichkeit beruhigt, dass keine Nuklearstoffe entwichen waren. Vertuschen, abwiegeln gehört ja zum eisernen Bestand der Öffentlichkeitsarbeit der Nuklearindustrie, weil die Wahrheit ihnen das ganze schöne Geschäft kaputt machen könnte. Jetzt gab die französische nationale Behörde für Nuklearsicherheit (ASN) bekannt, dass am Waggon doch Spuren von Radioaktivität festgestellt wurden. So ganz weiss man nicht wie man das einzuordnen hat, denn die Ladung soll nicht beschädigt worden und weiterhin dicht gewesen sein. Unerklärbares wird deshalb von Areva und dem ASN als "Anormalie" bezeichnet. Das bedeutet, dass man keine Ahnung hat, woher die nukleare Spur kommt. Auf jeden Fall wieder das Übliche, keine Gefahr, nur geringste Mengen, die keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Und so geht das russische Roulette in Drancy weiter.

Die Menschen in und um Drancy wollen aber nicht mehr Roulette mit ihrem Leben und Gesundheit spielen. Heute kam es zu einer Demonstration. Der Protestzug zog von den Gemeinden Blanc-Mesnil und Drancy zum Güterbahnhof. Es wurden dabei Slogans wie "Wir wollen die Konvois nicht" und "Areva, hör damit auf" gerufen. Der Sprecher der Bürgerbewegung CORIGAT, Alain Ramos, erklärt dazu: "Die Bewegung nimmt Fahrt auf. Das heißt, dass wir weitermachen müssen. Nach vielen Jahren des Hinnehmens verlangen wir, die Anwohner, die Einstellung der Transporte mit Gefahrenstoffen, damit wir in Sicherheit leben können".


Informationsquelle
Drancy : une trace radioactive trouvée sur le wagon accidenté - Le Monde

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…