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Nehmen EU-Ausländer den Rumänen ihr Agrarland weg?

Rumänien hat bis zu seinem Beitritt eisern an der Regel aus kommunistischen Zeiten festgehalten, dass Ausländer im Land keinen Grund und Boden erwerben durften. Diese Einstellung war aber spätestens mit dem EU-Beitritt nicht mehr haltbar. Beschränkungen dieser Art widersprechen dem freien Handelsverkehr in der Union. Rumänien bekam aber Übergangsfristen zugestanden, so wie auch einige EU-Länder Übergangsfristen bezüglich der Niederlassungsfreiheit der Rumänen in ihren Ländern durchsetzen konnten.

Beide Beschränkungen sind ab 1. Januar diesen Jahres weggefallen. Während das Geschrei der Populisten wegen Invasion rumänischer Horden auf den britischen Inseln und auch in Deutschland anhebt, fangen die Rumänen jetzt über den Ausverkauf ihres Landes an zu jammern. Ganz besonders besorgniserregend finden sie, dass nun ihre Nachbarn, die Ungarn, anfangen Rumänien zu erledigen, indem sie es aufkaufen. So geht das Gerücht um, dass es ein ungarisches Projekt gibt, Siebenbürgen Stück für Stück aufzukaufen. Dazu muss man wissen, dass in Siebenbürgen auch die ungarische Minderheit, die Szekler, wohnen und zwischen ihnen und den Rumänen ein abgrundtiefes Misstrauen herrscht.

Wie das immer so ist bei aufgebauschten Ängsten: In der Regel sieht die Realität ganz anders aus. Die Immobilienagenturen stellen auf jeden Fall keinen besonderen Andrang nach Landkauf in Rumänien fest. Zur Zeit sollen etwa 10% des rumänischen Agrarlandes in den Händen von ausländischen Unternehmen sein. Ein starkes Ansteigen dieses Anteils wird nicht erwartet. Einer der Gründe, warum das noch nicht so richtig klappt mit dem Landkauf durch Ausländer, ist, dass die Eigentumsverhältnisse oft unklar sind - in den rumänischen Grundbuchämtern soll ein Chaos herrschen - und die überbordende Bürokratie Interessenten abschreckt. Ein weiteres Problem ist, dass rumänisches Agrarland recht teuer ist und es weitgehend noch kein System der Bewässerung gibt. Doina Romaşan, ein Vertreter der Immobilienagentur Direct Land Investment erklärt, dass die Preise jedes Jahr um 10% gestiegen sind und dies auch in Zukunft tun werden. Der Preis für zum Beispiel 300 Hektar Agrarland beträgt zur Zeit 4.500 Euro pro Hektar.

Und wie sieht es mit den einfallenden Ungarn aus? Der vorgenannte Immobilienagent konnte auch bisher kein Übermaß an Interesse von dieser Seite feststellen. In der Regel hätten sich bisher 5 bis 6 Ungarn pro Jahr bei ihm wegen Interesse an Landkauf gemeldet. Sie seien auch meistens nur an kleineren Flächen bis 400 Hektar interessiert. Die Interessenten für große Landflächen ab 1.000 Hektar kämen aus Deutschland. Hier sei aber das Interesse auf Grund der hohen Preise schon wieder zurück gegangen.

Damit die Träume ausländischer Investoren nicht zu sehr ins Kraut schießen, haben sich die rumänischen Politiker ein paar Schikanen beim Erwerb von Agrarland ausgedacht. So kann der Kaufvertrag wieder annulliert werden, wenn der Kaufpreise unter dem Marktwert liegt. Zudem wollte man dem rumänischen Staat ein Vorkaufsrecht einräumen. Dieser Regelung hat aber bisher der rumänische Staatspräsident auf Rücksicht auf die Europäische Union nicht zugestimmt. In einer neuen Variante soll jetzt die Rolle der Agentur für Staatsgüter insoweit gestärkt werden, dass man ihre alle Verkäufe über 30 Hektar melden muss. Unter 30 Hektar muss dies lokalen Behörden gemeldet werden.

Informationsquelle
La ce preţ pe hectar cumpără ungurii pământul din Ardeal - Romania Libera

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