Montag, 29. April 2013

Der Preis des Öls: Landschaftszerstörung

Brasilien setzt auf das Erdöl, das man aus den Tiefen des Atlantiks holt und noch holen will und das den Status Brasiliens als aufkommende Wirtschaftsmacht zementieren soll. Dieser Wohlstand hat aber seinen Preis. Nördlich von Rio de Janeiro soll jetzt bei Jaconé in der Gemeinde Maricá eine wunderbare und unberührte Strandlandschaft zerstört werden. Sie soll einem riesigen Erdölhafen weichen. Das Projekt wird von der lokalen Gemeindeverwaltung unterstützt, weil man sich viele neue Arbeitsplätze dadurch erhofft. Umweltschützer und Anwohner fürchten hingegen, dass das Projekt den Tourismus vertreibt und die Lebensqualität vor Ort senkt.

Die Argumente der Gegner des Projekts in Maricá formuliert eine Vertreterin der Vereinigung und Bewohner von Maricá folgendermaßen: “Jaconé hat keinerlei Infrastruktur in Gesundheitsbereich, es gibt kein Abwassersystem und das Erziehungsangebot hat sich zwar verbessert ist aber immer noch unzureichend. Die Frage wird sein, wie die Region mit dem Bedarf umgehen wird, den ein so großes Unternehmen schafft.” Auch die Gemeindevertreterin für das Gesundheitswesen unterstützt ihre Argumentation. Sie geht davon aus, dass durch den Hafen 5.000 neue direkte Arbeitsplätze geschaffen werden und 12.000 weitere damit verbundene Arbeitsplätze. In der Gemeinde selbst gibt es nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte, es wird also einen großer Zuzug von Außen geben: “Tausende von Angestellten werden in die Stadt mit ihren Familien kommen. Wir haben dafür keine Infrastruktur. Unsere Bedenken sind mehr sozialer und wirtschaftlicher Art als solche bezüglich der Umwelt”, erklärt sie.

Welche Landschaft kann man hier zerstören? Der Strand von Jaconé ist einer schönsten der Region. Er ist auch berühmt, weil bereits Charles Darwin seine Strandfelsen (beachrocks) erwähnt. Deswegen gab es auch bereits Bemühungen einen Geopark dort einzurichten. Nach Ansicht der “Bewahrer” sollte der Tourismus deshalb Vorrang vor dem Hafen haben. Der Biologe Mario Moscatelli könnte mit dem Hafen leben, wenn alle Umweltschutzrichtlinien berücksichtigt und eine strenge Überwachung durchgeführt würde. Aber er warnt: “Leider ist historisch gesehen in Brasilien der Bau eines Hafens immer mit einer Zerstörung der Umwelt verbunden. Ölausfluss, Müll, Abwasser, alles was nicht passieren darf passiert. Die Überwachung ist so gut wie nicht vorhanden”.

Des einen Freud des andern Leid: Die Gemeinde erwartet sich viel von dem Projekt: Einen sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg der ganzen Region. 5 Milliarden R$ (ca. 1,9 Milliarden €) sind für das Projekt veranschlagt. Es soll der größte Hafen Brasiliens werden, der auch die größten Tankschiffe bedienen kann. 850 Millionen Fass Erdöl sollen pro Tag in den Tanks des Hafen gelagert werden können. Eine Werft zur Reparatur der Schiffe wird gebaut. Angesichts der Größe des Projekts wiegelt die Gemeinde Maricá Bedenken ab: “Von den Projektführern wird wie bei allen Projekten dieser Größenordnung die Erfüllung aller Maßnahmen zur Sicherheit der Umwelt verlangt”. Laut Angaben der Projektführer befindet sich das Projekt zur Zeit in der Phase der Umweltprüfung. Der Abschlussbericht soll kurz vor der Vollendung stehen.

Siehe auch:
Chevron sorgt für öliges Gewässer und macht Brasilianer nachdenklich
Lula dreht im Park der Wale den Ölhahn auf

Informationsquelle
Megaporto transformará paisagem da Região dos Lagos e pode prejudicar turismo – Jornal do Brasil