Mittwoch, 10. April 2013

Avila brüstet sich eine wolffreie Zone zu sein

Während sich anderswo Regionen und Gemeinden brüsten eine “atomwaffenfreie” Zone zu sein, ist die spanische Provinz Ávila jetzt besonders Stolz darauf, eine Provinz ohne Wölfe zu sein. Sie hat sich nämlich zur “zona libre de lobos” (Zone frei von Wölfen) erklärt. Und das obwohl der “iberische Wolf” sowohl durch EU-Richtlinien und das spanische Gesetz zum Schutz der Biodiversität einem besonderen Schutz unterliegt.

Auf Grund dieser Regelungen gehört der iberische Wolf zu einer Art, die strikt geschützt werden muss und dessen Gefangennahme oder Tötung verboten ist. Auch dürfen seine Ruheräume nicht vorsätzlich gestört werden. Einige Tierzüchter sind damit nicht einverstanden, auf ihr Betreiben hat sich die Provinzverwaltung von Ávila zu dieser populistischen Erklärung verstiegen.

Landwirtschaftsorganisationen hatten bereits im vergangenen Dezember 22 Gemeindeverwaltungen aufgefordert, ihre Gemeindeflächen für wolffrei zu erklären. Begründet wurde dies damit, dass “in Ávila Wölfe und extensive Viehzucht nicht zusammenpassen”. Die Viehzüchter sind der Meinung, es gebe auch ein Lebensrecht für Kühe und Schafe, die oft schwer verletzt würden und man den Tierarzt rufen müssen, damit sie von ihren Qualen erlöst würden. Angeblich sind die Wölfe für den Tod von hunderten von Tieren verantwortlich. “Viehzucht oder Wolf” so lautet ihr Wahlspruch.

Im Blog “La Cronica Verde” schreibt Cesar-Javier Palacios dazu: “Es ist absolut lächerlich, dass die Wölfe für die Krise der Viehzucht zahlen sollen und keiner macht die Milch- und Saatgut-Spekulation dafür verantwortlich, den Import von billigen Produkten aus dritten Ländern, den Rückgang des Konsums, die Überalterung der Landbevölkerung, das Fehlen von Hirten. Es ist eine Schande, den Wolf für alles Übel verantwortlich zu machen statt von der Regierung von Castilla und León Ausgleichsmaßnahmen zu verlangen, um diesen Schatz der Natur zu erhalten, zusätzlich zu einer schnellen und günstigen Schadensersatzzahlung für Schäden, die von dieser wertvollen geschützten Spezies verursacht werden. Es ist auch traurig, dass nach so vielen Jahren der Umwelterziehung, so vielen Subventionen und so vielen Programmen zur Aufwertung des ländlichen Raumes, die Argumente für das Schießen und das Gift und die Ausrottung wieder da sind. Vielleicht gelingt es ihnen den Wolf zu erledigen, aber ihre Erträge werden sich nicht bessern. Und klar, wenn ich die Wahl habe irgendwo Fleisch zu kaufen, dann ist es ganz sicher, dass ich von diesen Wolfsmördern nicht einmal 100 Gramm kaufen werde”.

Die Spanier sind inzwischen wesentlich umweltbewusster und eine derart zynische Erklärung bringt viele auf die Palme. Ob sich da die Herrschaften in Ávila nicht noch wundern werden? Auf jeden Fall hat die Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Untersuchungsverfahren zur Gesetzeswidrigkeit dieser Erklärung eingeleitet.

Informationsquelle
Ganaderos proponen declarar Ávila “libre de lobos” y piden su aniquilamiento
Denuncian la declaración de Ávila libre de lobos – Ecologistas en Acción