Direkt zum Hauptbereich

Avila brüstet sich eine wolffreie Zone zu sein

Während sich anderswo Regionen und Gemeinden brüsten eine “atomwaffenfreie” Zone zu sein, ist die spanische Provinz Ávila jetzt besonders Stolz darauf, eine Provinz ohne Wölfe zu sein. Sie hat sich nämlich zur “zona libre de lobos” (Zone frei von Wölfen) erklärt. Und das obwohl der “iberische Wolf” sowohl durch EU-Richtlinien und das spanische Gesetz zum Schutz der Biodiversität einem besonderen Schutz unterliegt.

Auf Grund dieser Regelungen gehört der iberische Wolf zu einer Art, die strikt geschützt werden muss und dessen Gefangennahme oder Tötung verboten ist. Auch dürfen seine Ruheräume nicht vorsätzlich gestört werden. Einige Tierzüchter sind damit nicht einverstanden, auf ihr Betreiben hat sich die Provinzverwaltung von Ávila zu dieser populistischen Erklärung verstiegen.

Landwirtschaftsorganisationen hatten bereits im vergangenen Dezember 22 Gemeindeverwaltungen aufgefordert, ihre Gemeindeflächen für wolffrei zu erklären. Begründet wurde dies damit, dass “in Ávila Wölfe und extensive Viehzucht nicht zusammenpassen”. Die Viehzüchter sind der Meinung, es gebe auch ein Lebensrecht für Kühe und Schafe, die oft schwer verletzt würden und man den Tierarzt rufen müssen, damit sie von ihren Qualen erlöst würden. Angeblich sind die Wölfe für den Tod von hunderten von Tieren verantwortlich. “Viehzucht oder Wolf” so lautet ihr Wahlspruch.

Im Blog “La Cronica Verde” schreibt Cesar-Javier Palacios dazu: “Es ist absolut lächerlich, dass die Wölfe für die Krise der Viehzucht zahlen sollen und keiner macht die Milch- und Saatgut-Spekulation dafür verantwortlich, den Import von billigen Produkten aus dritten Ländern, den Rückgang des Konsums, die Überalterung der Landbevölkerung, das Fehlen von Hirten. Es ist eine Schande, den Wolf für alles Übel verantwortlich zu machen statt von der Regierung von Castilla und León Ausgleichsmaßnahmen zu verlangen, um diesen Schatz der Natur zu erhalten, zusätzlich zu einer schnellen und günstigen Schadensersatzzahlung für Schäden, die von dieser wertvollen geschützten Spezies verursacht werden. Es ist auch traurig, dass nach so vielen Jahren der Umwelterziehung, so vielen Subventionen und so vielen Programmen zur Aufwertung des ländlichen Raumes, die Argumente für das Schießen und das Gift und die Ausrottung wieder da sind. Vielleicht gelingt es ihnen den Wolf zu erledigen, aber ihre Erträge werden sich nicht bessern. Und klar, wenn ich die Wahl habe irgendwo Fleisch zu kaufen, dann ist es ganz sicher, dass ich von diesen Wolfsmördern nicht einmal 100 Gramm kaufen werde”.

Die Spanier sind inzwischen wesentlich umweltbewusster und eine derart zynische Erklärung bringt viele auf die Palme. Ob sich da die Herrschaften in Ávila nicht noch wundern werden? Auf jeden Fall hat die Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Untersuchungsverfahren zur Gesetzeswidrigkeit dieser Erklärung eingeleitet.

Informationsquelle
Ganaderos proponen declarar Ávila “libre de lobos” y piden su aniquilamiento
Denuncian la declaración de Ávila libre de lobos – Ecologistas en Acción

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Rumänien und die Europäische Union

Rumänien ist jetzt seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Der Journalist und Politikwissenschaftler Cristian Preda hat auf der Webseite der Zeitung "Adevarul" unter dem Titel "Rumänien in der EU: Ein Jahrzehnt, drei Herausforderungen" eine Zusammenfassung des bisher Erreichten geschrieben, die ich anliegend in Auszügen wiedergebe:

Wir sind jetzt schon 10 Jahre in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Bilanz ist positiv: Das Bruttosozialprodukt hat sich verdoppelt, der Durchschnittslohn ist um 66% gestiegen, wir haben etwa 25 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Politisch stehen wir nicht so gut da. 

Ich gehe hier auf 3 Punkte ein.

Der erste Punkt ist der "Mechanismus der  Zusammenarbeit und Verifizierung" (MCV). Er wurde als Kompromiss eingerichtet, damit wir am 1. Januar 2007 der EU beitreten konnten. Bei diesem Mechanismus MCV ging es um das Funktionieren der Justiz. Im Lauf der 10 Jahre haben nur wenige geglaubt, dass die Reform dieses Bere…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …