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Spanische Universitäten fallen vom Glauben ab

Die Krake katholische Kirche hat die spanische Gesellschaft immer noch sehr gut im Griff. Nicht allein dank des frömmelnden Diktators Franco, der dem Kirchenclan jede Art von Privilegien einräumte, gegen die auch die Demokratie bisher machtlos war. Inzwischen gibt es aber in Spanien eine Bewegung im Volk, der dieses enge Verhältnis zwischen Kirche und Staat ein Dorn im Auge ist.

Einmalig in Europa dürfte sein, dass sich in spanischen Universitäten Kapellen der katholischen Kirche befinden, in denen diese ihre Gottesdienste abhält. Vergangene Woche wurde an der Universidad Complutense von Madrid ein solcher Gottesdienst von einer Gruppe von 50 Personen gestört, die sich teilweise entkleideten und Protestparolen wie "weniger Rosenkränze, mehr chinesische Bälle" riefen. "Chinesische Bälle" sind Sexspielzeuge für Frauen. Empört berichtet das Erzbistum über die Aktion: "Respektlos sind sie in die Kapelle eingedrungen und haben mit einem Megafon Parolen rausgeschrien. Sobald sie drin waren, vesammelten sie sich um den Alter und lasen Texte und Sätze, die nach ihren Angaben, die Texte von christlichen Autoren über die Frauen waren. Zudem haben sie ein Manifest verlesen mit Behauptungen und Urteilen gegen die Kirche und ihre Lehrinstitutionen."

Er bringt aber auch einen schon lange schwelenden Streit über die Einrichtungen der katholischen Kirche in den staatlichen Universitäten wieder in die Schlagzeilen. Mehrfach gab es an den Universitäten zu diesem Thema zu Protestveranstaltungen. Deshalb hat die Aktion in Madrid bei den Konservativen in Madrid zwar für große Empörung gesorgt, aber von vielen Seiten bekommen die Studenten auch Zustimmung. Pablo Laguna, ein Student der Universität Granada, hat die laizistische Gruppe UGR Laica gegründet und ist in Kontakt mit den Universitäten Madrid, Barcelona, Zaragoza und Salamanca, weitere Protestveranstaltungen zu organisieren.  Die Gruppe hat ein Manifest für "eine öffentliche und laizistische Universität" veröffentlicht, in deren 2. Punkt steht: "Kapellen. Es darf keinen Raum für religiöse Veranstaltungen in der Universität geben." Das Manifest haben bereits 1.100 Personen unterschrieben, sowohl Studenten als auch Professoren.

An der größten Universität Spaniens, der "Complutense" in Madrid gibt es auf Grund eines Abkommens mit dem Erbistum Madrid alleine 5 solcher Kapellen. Der Rektor der Universität hatte noch bei seinem Amtsantritt erklärt, dass die Kapellen in den öffentlichen Erziehungseinrichtungen nichts zu suchen hätten. In den 8 Jahren seiner Amstzeit ist aber das Abkommen mit der Kirche nicht aufgehoben worden und dies obwohl zwei Fakultäten formell die Schliessung der Kapellen in ihrem Bereich gefordert hatten.

Der Konflikt wird sich weiter hoch schaukeln. Spanien ist dabei, ein schweres Erbe aus vergangenen Jahrhunderten und der neueren Zeit aufzuarbeiten. Die friedliche Umwandlung einer Diktatur in einen demokratischen Staat hat viele Probleme unter den Teppich gekehrt. Probleme, die man nicht angehen wollte, weil sonst die neue spanische Demokratie auf eine harte Bewährungsprobe gestellt worden wäre. Jetzt ist es aber an der Zeit, auch hier den Ballast der Vergangenheit abzuwerfen. Dazu gehört, dass die Allmacht der katholischen Kirche auf ihre eigenen Angelegenheiten zurückgeschnitten wird.

Siehe auch:
Der Vatikan, die spanische Regierung und die spanischen Bischöfe
Kinderhandel und Missbrauch im Namen Gottes


Informationsquelle:
El conflicto sobre las capillas crea tensión en las universidades · ELPAÍS.com

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