Freitag, 4. März 2011

Mais Amor, Menos Motor! - Brasilianer gegen Autowahn

In Brasilien gibt es eine Bewegung, die sich "Bicicletada" nennt. Sie wurde nach dem Beispiel einer Bewegung, die  in den 90er Jahren in San Fancisco, USA, entstanden war, gegründet. Die Bewegung in San Francisco nannte sich "Critical Mass". Es geht darum, das Fahrradfahren popular zu machen und Druck auf die Politiker auszuüben, dass den Fahrradfahrern mehr Raum auf öffentlichen Straßen eingeräumt wird. Das Fahrradfahren wird als ein ökologisches und nachhaltiges Transportmittel propagiert. Das Schlagwort "mais amor, menos motor" bedeutet auf Deutsch "mehr Liebe, weniger Motor". Es handelt sich um eine Bürgerbewegung ohne Führer und ohne Statuten. Sie fallen aber gerade in brasilianischen Großstädten mit ideenreichen Aktionen auf.

Auf ihrer Webseite erklärt die Bewegung ihre Ziel: "Wir haben keine zentrales Ziel, diese werden immer von den Teilnehmern bei ihren Aktionen formuliert. Wir machen gemeinsame Demonstrationen. Die "Bicicletada"-Bewegung dient dazu, das Fahrrad als Transportmittel populär zu machen, gute Bedingungen für die Nutzung dieses Fortbewegungsmittel zu schaffen und für ökologischere und nachhaltiger Transpormittel vor allem in den Städten zu kämpfen. Eines unserer Themen propagieren wir unter dem Schlagwort "ein Auto weniger" ("um carro a menos"), bei dem wir für mehr Respekt bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern, die auf den großen Verkehrsstraßen der Städte fahren, werben. Ein anderes Schlagwort ist, "Wir sind der Verkehr" ("Nós somos o trânsito"). Die Idee dahinter ist, den motorisierten Fahrern klar zu machen, dass auch das Fahrrad eine Komponente des städtischen Verkehrs ist, dem Respekt gebührt.

Wie wichtig die Forderung nach Respekt für diese Verkehrsteilnehmer ist, zeigt ein Zwischenfall in Porto Alegre. In der Nacht des 25. Februar fuhr in dieser Stadt eine Autofahrer in eine Gruppe von etwa hundert Fahrradfahrern der "Bicicletada"-Bewegung. Dabei geschah dieser Unfall, bei dem es viele Verletzte gab, nicht per Zufall. Der Autofahrer ist auf die Fahrradfahrer zugefahren, bremste, gab Gas und fuhr dann in die Gruppe. Was die Fahrradfahrer und die Bewegung "Bicicletada" am meisten aufregte, war, dass Medien und die Polizei den Vorfall herunterspielen wollte. Dienstag Nacht wurde der Täter, ein Bankangestellter, 47 Jahre alt, endlich festgenommen. Inzwischen wird er in einer psychiatrischen Anstalt untersucht.

Es herrscht also Krieg auf Brasiliens Straßen. Fußgänger und Fahrradfahrer sind in diesem Spiel die schutzlosesten Verkehrsteilnehmer. Ein Mitglied der "Bicicletada"-Bewegung beschreibt den Zustand: "Der Übergang vom Bürger, der zu Fuß geht, zum motorisierten Bürger wurde in der brasilianischen Gesellschaft nie diskutiert oder in seinem ganzen Umfang verstanden. Wenn man von den Autofahrern spricht, wird nur von Privilegien und Rechten gesprochen und die Pflichten und Aufgaben vergessen. Der Autofahrer meint, eine natürliche Überlegenheit über die anderen Verkehrsteilnehmer zu haben. Damit spielt er sich gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern auf. Aus der Sicht des Autofahrer sind Fußgänger keine Verkehrsteilnehmern. Im Gegenteil, er sieht ihn als Gegner an und als Hindernis für ein zügiges Fahren an. Die Aufgabe des Fußgängers ist es, den motorisierten Verkehr nicht zu behindern. Die Autofahrer nehmen sich das Recht heraus, die Straße, die Bürgersteige und die Plätze als ihr Eigentum anzusehen."


Informationsquelle:
Centro de Mídia Independente - Brasil
Wikipedia portugiesisch - Bicicletada