Direkt zum Hauptbereich

Kinderhandel und Missbrauch im Namen Gottes

"Mit dem Geld, das du uns gekostet hast, hätten wir auch einen Stall voll Schweine kaufen können!" Das war eine Beschimpfung, die Liberia Hernández während vieler Jahre von ihrer Mutter zu hören bekam. Irgendwann einmal hatte sie den Mut, bei ihre Mutter nachzuhacken: "Ich fragte sie, warum sie mich eigentlich adoptiert hätten, wenn sie mich nur so schlecht behandelten. Darauf erklärte sie, dass sie ihre Cousine, Schwester Maria, gebeten hatten irgendjemand zu suchen, der sie einmal pflegen könnte, wenn sie älter seien. Und den, den sie gefunden hatten, war ich". Liberia fühlte sich nie als Kind dieser Leute und diese behandelten sie auch nicht als ihr Kind. "Das war der Kaufvertrag", erklärt sie ironisch als sie den Adoptionsvertrag zeigt. Einer, der die Urkunde zeichnete, war Bernardo Acuña Dorta, ein hochdekorierter Faschist, der am Militärputsch von 1936 teilgenommen hatte und in Teneriffa Leiter der Kinderkrippe war. Liberia war in dieser Kinderkrippe und wurde mit 8 Jahren an Adoptiveltern in Alicante weitergegeben. Die Unterschrift der biologischen Mutter war in den Adoptionsunterlagen nicht vorhanden. Sie hätte auch nicht die Zustimmung zur Adoption gegeben. Noch Monate danach erschien sie in der Kinderkrippe und fragte nach ihrem Kind bis man ihr sagte, es würde sich jetzt "an einem besseren Ort" befinden. Danach wurde ihr das Betreten des Kinderhauses verboten. Geführt wurde das Kinderhaus von den "Schwestern der Mildtätigkeit" (Hermanas de la Caridad), einer katholischen Schwesternorganisation. Die Mutter musste ihre Tochter in das Kinderhaus abgeben, weil sie als Witwe erneut heiratete als sie noch schwanger war vom verstorbenen Mann. Der neue Ehemann wollte kein Kind im Haus haben, das nicht von ihm war.

Liberia erzählt von dem Kinderhaus: "Wir wurden von den Nonnen ständig terrorisiert. Es gab Kinder, die sich gegen die Wand schlugen wie es die Geisteskranken tun. Alles war ein nicht endender Alptraum. Wenn man ins Bett machte, wurde einem die Unterhose über den Kopf gezogen und man musste mit einem Schild durch die Gänge gehen, auf dem stand: "Ich habe ins Bett uriniert." Man wurde von den andern Kinder dann ausgelacht. Um uns zu bestrafen, sperrten sie uns auch in den Hühner- oder Kaninchenstall, sie sammelten Kot und klebten uns diesen mit Heftpflaster auf den Mund. Schwester Milagros hatte immer auf der einen Seite den Rosenkranz und auf der andern Seite die Schere, mit der sie die Heftpflaster zurechtschnitt. So liessen dich stehen bis sie sich wieder einmal deiner erinnerten und sagten, dass du dich waschen kannst..."

Sie erinnert sich, dass einige Kinder manchmal weiß angezogen wurde. "Dann wussten wir, dass der Tag der "Ausstellung" da war. Sie brachten uns ins Büro von Schwester Juana etwa 4 oder 6 Mädchen und stellten uns in Reihe auf. Es kamen dann Ehepaare, die unsere Zähne begutachteten und die Haut. Sie hoben dir den Rock, um nachzusehen, ob du krumme Beine hast. Es war wie wenn sie Pferde kaufen würden. Einige Tage später verschwand meistens eines der Kinder, meistens das Jüngste. Ich wurde nie ausgewählt. Durch Vermittlung einer Nonne wurde ich an deren Onkel in Alicante weitergegeben, der die Schwester um Vermittlung eines Kindes gebeten hatte. Die Nonne arbeitete damals bei einem Psychiater in Tenerifa. Sie brachten mich dorthin und sagten mir, dass ich jetzt nicht mehr Liberia Hernández Rodríguez sondern María Nácher Guerola heissen würde. Sie schlug mich solange auf den Kopf bis ich klar hatte, was mein neuer Name war."

Ein Kinderschicksal, bei dem sich buchtsäblich die Haare sträuben. Dabei hatte diese Art Kinderraub in Spanien lange Zeit Hochkonjunktur. Die Zeitung "El Pais", die jetzt dazu eine Reportageserie veröffentlichen wird, schreibt, dass während Jahrzehnte in Spanien tausende von Kindern ihren Eltern entzogen oder widerrechtlich von ihnen getrennt wurden. Die spanische Justiz ist jetzt gefordert. Sie wird in nächster Zeit versuchen, zumindest die gravierendsten Fällen aufzuklären. Bei diesen, etwa 750 Fällen, handelt es sich um Kinder, die nach der Geburt von Ärzten gegenüber den Eltern für tot erklärt worden waren, aber tatsächlich an Adoptiveltern verkauft wurden. Innerhalb von 20 bis 50 Jahren gab es in Spanien einen richtigen Kinderhandel. Es wird ein schwieriges Problem für die Polizei, diese Fälle beweisfest aufzuarbeiten.

Die Geschichte der "angeeigneten Kinder" schreibt der Blog "Niños desterrados en España" (Verstoßene Kinder in Spanien) hat seine Wurzeln in der Diktatur Franco's. Zu Beginn hatte der Raub ideologische Gründe - sie raubten die Kinder von politischen Gefangenen und republikanischen Frauen, um diese konservativen Familien zu geben - dann entwickelte sich aber eine Mafia, die nur aus wirtschaftlichen Motiven handelte und noch lange nach dem Ende der Diktatur agierte. Diese Mafia bestand aus Priestern, Nonnen, Ärzten und Beamten. Sie haben die Kinder Müttern gestohlen, die in der Regel mittellos waren. Es waren ledige, wehrlose Jugendliche, die resignierten als man ihnen sagte, dass das Kind tot geboren wurde.


Informationsquelle:
La policía investiga en el túnel del tiempo · ELPAÍS.com
"Venían matrimonios y nos miraban los dientes, las piernas.... como si compraran caballos"- El Pais

Beliebte Beiträge

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…