Donnerstag, 4. Februar 2010

Was kann Rumänien von Haiti lernen?

Im hochgradig erdbebengefährdeten Rumänien südlich und östlich der Karpaten klappern nach den Ereignissen in Haiti wieder die Zähne. Man erinnert sich des schweren Erdbebens von 1977 und fragt sich, was man daraus gelernt hat. Haiti hat diese bange Frage wieder an die Oberfläche gespült.

Die Zeitung Evenimentul Zilei zitiert in einem Artikel die amerikanischen Erdbebenexpertin Kathleen Tierney, die im Bezug auf Haiti für die Zukunft folgende Empfehlungen gab: "An Berghängen dürfen keine Häuser mehr gebaut werden wegen der Gefahr von Erdrutschen. Die Hauptstadt sollte neu aufgebaut werden, aber nach neuen Normen. In der Zwischenzeit müssen die Behörden ein Leistungsmanagement für Zeiten der Not vorsehen und die Gemeinschaft muss informiert werden, wie im Fall einer neuen Katastrophe vorgegangen werden soll. Es fehlt uns nicht an Informationen wie wir diese Katastrophen vermeiden können. Das was uns fehlt, ist eine Perspektive für die Zukunft und eine politische Initiative um zu handeln. Nicht einmal die USA oder auch andere Staaten haben bisher die Lektionen aus den einzelnen Katastrophen und wie ihren Auswirkungen begegnet werden kann gelernt. Die Investitionen in die vorbeugenden Massnahmen von heute, bedeuten eine Chance für die Zukunft".

Hat Rumänien etwas gelernt? Die beiden grössten Katastrophen, die Rumänien in der neueren Zeit getroffen haben sind das Erdbeben von 1977 und die Überschwemmungen von 2005. 1977 kamen nach einem Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richter-Skala ungefähr 1.500 Menschen ums Leben. Die Sachschäden wurden auf 2 Milliarden Dollar geschätzt, davon betrafen 70% die Hauptstadt Bukarest. Neue Baugesetze wurden erlassen und zwar schon damals zum Ärger der Russen angelehnt an amerikanische Vorschriften.

Trotzdem: 33 Jahre nach der Tragödie schätzt das Ministerium für regionale Entwicklung und Tourismus die Zahl der Gebäude, für die ein hochgradiges Risiko des Einsturzes im Falles eines Erdbebens auf der Richter-Skala von 7 Grad besteht, auf 800. Dies bezieht sich auf Gebäude, die bisher überprüft wurden. Es gibt eine grosse Anzahl von Gebäuden, die noch nicht überprüft wurden. Die am meisten gefährdeten Städte sind Bukarest, Iaşi (Jassy) und Galaţi (Galatz). Die Behörden haben angefangen einzelne Gebäude zu konsolidieren. Etwa 4 Gebäude pro Jahr haben das Glück auf diese Art und Weise erdbebensicherer gemacht zu werden.

Was macht man, wenn es anfängt zu beben? Der Erkenntnis eines amerikanischen Erdbebenexperten folgen und ein magisches Dreieck aufbauen. Das heisst Möbel so stellen, dass sie ein stabiles Dreieck bilden und sich unter diesem Dreieck in Sicherheit bringen. Erfahrungen hätten gezeigt, dass dies ein wirkungsvoller Schutz gegen Verschüttungen sei.

Woher droht die Gefahr für Rumänien? Es ist der Vrancea-Graben, der für Unruhe sorgt. Der Vrancea-Graben liegt am südöstlichen Karpaten-Knie. Am 27. Oktober 2004 machte er sich zum letzten Mal stärker bemerkbar mit einem Erdbeben der Stärke 5,9 Grad auf der Richter-Skala. Die Universität Karlsruhe schreibt dazu: Das Erdbeben, obwohl es keine grösseren Schäden verursachte, hat erneut gezeigt, dass man für zukünftige starke Erdbeben in Rumänien vorbereitet sein muss. Die Erdbebentätigkeit im Vrancea ist gekennzeichnet durch Tiefenbeben in einem abgegrenzten Raum. Das Epizentrum deckt ein Gebiet von etwa 40 mal 80 km ab. Die meisten Erdbeben ereignen sich zwischen 70 und 180 km Tiefe mit einer fast vertikalen Säule.

siehe auch Blogbeitrag:
Angst vor Erdbeben in Bukarest
Bukarest mit Erdbeben-Ängsten
Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Suntem pregătiţi de un dezastru precum cel din Haiti?