Mittwoch, 10. November 2010

Adrian Păunescu wühlt die Rumänen eine letztes Mal auf

In Rumänien ist vor kurzem der Poet und Politiker Adrian Păunescu gestorben. Nach seinem Tod zeigt eine überwältigende Berichterstattung in den Medien wie beliebt und zugleich umstritten dieser Mann war. Er ist ein wichtiger Bestandteil der rumänischen Kulturgeschichte und Jugendkultur der Ceausescu-Zeit.

Adrian Păunescu wurde 1943 in Bessarabien (heute Republik Moldau) geboren. Gestorben ist er am 5. November diesen Jahres in Bukarest. Er war Dichter, Publizist, Textschreiber und Politiker und gilt als der profilitierste Künstler der rumänischen Gegenwart. Bekannt wurde er durch die von ihm gegründete Musik- und Literaturveranstaltung "Cenaclul Flacăra" im Jahr 1973. Eine Art Show, bei der Dichter ihre Werke vorstellen und junge, unbekannte Musiker ihre Musik vor einem zahlreichen Publikum aufführen konnten. Er begeisterte damit vor allem das junge Publikum sehr gut und eckte damit aber auch bei den kommunistischen Machthabern an. Er hat die Schlagworte "generația în blugi" (Generation in Blue Jeans) und "muzică tânără" (junge Musik) geprägt, um junge Zuschauer zu gewinnen, die einen Hang zu nonkonformistischer Kleidung und eine Vorliebe für Folk und Rock-Musik hatten. 1973 wurde er in die Redaktion der Zeitschrift "Flacăra" aufgenommen. 1985 wurde er aus der Redaktion wieder entfernt, nachdem es auf einem Konzert seiner "Cenaclul Flacăra" in demselben Jahr in Ploiesti während der Aufführung nach einem Blitzeinschlag zu Unruhen gekommen war. Damit fiel er bei Nicolae Ceausescu und der Staatsmacht in Ungnade. Diese erteilte dem Partei-Mitglied Păunescu einen Tadel mit einer Warnung. Das wollte er wieder "ausbügeln" und profilierte sich jetzt mit Hymnen an den "geliebten Sohn des Volkes" Nicolae Ceausescu und verhielt sich bis zur Revolution 1989 regimetreu.

Nach der Revolution betätigte er sich ab 1992 politisch bei der "Sozialistischen Partei der Arbeit" (Partidului Socialist al Muncii), kandidierte 1996 bei den rumänischen Präsidentschaftswahlen und erhielt nur 0,69% der Stimmen. 1998 wechselte er zur sozialdemokratischen Partei (Partidul Social Democrat) und wurde in den Senat gewählt.

Sein Tod hat die Rumänen sehr aufgewühlt. Er war ein Stück ihrer Geschichte, ihrer Jugend, aber auch eine Geschichte der Opportunität und Anpassung an das Regime Ceausescu. Ein paar Stimmen:

Lucian Ionescu: "Meister Adrian Păunescu, du sollst wissen, dass die Sterne weiterhin über deinen Gedichten scheinen werden. Die Menschheit hat ein Genie verloren, aber das Universum eine Zeus gewonnen!".

Marin: "Er war einer der Büttel der Ceauşescu-Diktatur, er war einverstanden mit dem Fehlen der Freiheit für das Volk, dem Fehlen von Nahrung, von Kultur, einem Fernsehprogramm von 2 Stunden am Tag. VC Tudor (rechtsextremer rumänischer Politiker) gibt sich jetzt als sein grosser Bruder aus, obwohl er ihn seinen Publikationen nach Belieben mit Schmutz beworfen hat."

Octavian Petrescu:
"Meister, du bist zu gross für uns!
Wir verdienen dich nicht so wie du bist!
Jetzt mögen wir dich, Meister,
jetzt, wo du verschwunden bist."

Und der bekannteste rumänische Fußballspieler aller Zeiten,  Gică Hagi, weint ihm auch nach, denn seiner Meinung nach ist "Rumänien ärmer ohne Adrian Păunescu".

Der bereits erwähnte VC Tudor war ebenfalls unter grossem Getöse bei der Beerdigung anwesend, wo er die längste Rede hielt und mit den Worten endete: "Heute steigt am Himmel dein Stern auf, auf Wiedersehen mein lieber Bruder".

Bei soviel Heuchelei kann einem schlecht werden! Adrian Păunescu wurde am Sonntag mit militärischen Ehren in der Allee der Schriftsteller des Friedhofs Bellu von Bukarest beerdigt.


Informationsquelle: Wikipedia rumänisch, Adrian Păunescu; Evenimentul Zilei, Adrian Păunescu, la "judecata" contemporanilor