Samstag, 6. November 2010

Warum Herr Zapatero eigentlich Rodriguez heißen müsste

Der spanische Ministerpräsident heisst mit vollem Namen José Luis Rodríguez Zapatero. Spanier und Spanierinnen haben immer 2 Namen wie auch hier der Mininsterpräsident. Das spanische Namensrecht hat es sich und den Eltern bisher sehr einfach gemacht. Der Name wird in Spanien aus dem Familiennamen des Vaters und der Mutter zusammengesetzt. Der Vater von Herrn Zapatero hieß Rodríguez und seine Mutter Zapatero. "Zapatero" ist übrigens der spanische Begriff für "Schuster". Eigentlich ist immer der erste Name, also der des Vaters derjenige, der in den abgekürzten Version im Alltagsgebrauch benutzt wird. Warum heißt der Ministerpräsident nun Zapatero? Hier liegt eine von ihm gewollte Ausnahme von der Regel vor. Für die Wahlen von 2004 benutzte er die Abkürzung "ZP", die für "Zapatero Presidente" stand. "Presidente" ist der Titel für den spanischen Ministerpräsidenten, der voll ausgeschrieben "Presidente del Gobierno" heißt. Für den Wahlkampf 2008, den er erneut siegreich bestand, benutzte er als Wahlslogan "Con Z de Zapatero", was soviel heißt wie "Mit Z von Zapatero". Er betrieb somit einen richtigen Kult mit dem Namen der Mutter.

Damit war er ungewollt sehr fortschrittlich. Obwohl das spanische Namensrecht, was die Gleichberechtigung der Geschlechter betrifft, sehr fortschrittlich war, denn es gab immer auch den Namensbestandteil der weiblichen Linie, so war es in dieser Hinsicht doch nicht vollkommen. Denn in der nächsten Generation fiel der weibliche Name weg, seine beiden Töchter tragen den Namen seiner Mutter nicht mehr. Sie heißen jetzt Rodríguez Sonsoles, denn Zapatero ist mit Sonsoles Espinosa verheiratet.

Jetzt soll alles anders werden. Spanische Frauen finden die namensrechtliche Regelung, auch wenn sie fortschrittlicher und einfacher zu handhaben war als zum Beispiel deutsche Regelungen, inzwischen diskriminierend. Spanien plant jetzt ein neues Zivil-Register Gesetz, das die Namensgebung von einer Entscheidung der Eltern abhängig macht. Diese bezieht sich darauf, welcher Name an erster Stelle steht. Wenn die Eltern sich nicht einigen können, soll das Alphabet eintscheiden.

Die Regierungspartei PSOE, die den Gesetzentwurf in das Parlament eingebracht hat, begründet die Neuregelung wie folgt: "Die Entscheidung, die historische Präferenz für den Namen des Vaters bei einem Neugeborenen zu ändern, entspricht eher dem Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter und gibt den Eltern die Entscheidungsfreiheit über die Namensgebung". Wer überhaupt nicht mit dieser Neuregelung einverstanden ist, ist die konservative Oppositionspartei Partido Popular. Ihrer Ansicht nach schmeißt die Regierung Rauchbomben, um von den wahren Problemen der spanischen Gesellschaft abzulenken.

Ein Nachteil des spanischen Namensrechts bleibt: Was ist, wenn es keinen Vater gibt? Kinder haben dann nur einen Namen. Früher waren sie deswegen vor allem in den Augen von kirchlich-reaktionären Kreisen als "unehelich" gebrandmarkt. Man schreckte nicht davor zurück, Personen mit nur einem Familiennamen als Sohn oder Tochter einer "Hure" zu bezeichnen. Gottseidank hat sich Spanien in dieser Beziehung moralisch freigeschwommen, auch wenn der Papst heute in Santiago de Compostela wegen des Sittenzerfalls in diesem Land rumjammert.

Informationsquelle: Diario de Sevilla, PSOE y PP se pelean por el orden de los apellidos