Direkt zum Hauptbereich

Brasilien denkt heute schwarz

Heute feiert Brasilien den "Dia da Consciência Negra". Es ist der Tag, an dem alle Brasilianer darüber nachdenken sollen, dass ihr Staat nicht nur aus der weissen Bevölkerung besteht, sondern fast die Hälfte afrikanische Wurzeln hat. Inzwischen gibt es ein grosses Rassengemisch und der echte schwarze Mensch ist selten. Aber Brasilien wird eindeutig von der weißen Rasse dominiert. Sie hat das Sagen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Gleichberechtigung der schwarzen und gemischtrassigen Bevölkerung steckt immer noch in den Kinderschuhen. Auf dem Gebiet der Integration geht mit leuchtendem Beispiel die Bundesuniversität von Brasilia vor. Sie hat inzwischen Quoten für die Zulassung nichtweißer Studenten erlassen. Sie war auch die erste Universität in Brasilien, die ein Zentrum für Afro-Brasilianische Studien (Núcleo de Estudos Afro-Brasileiros) eingerichtet hat. Hier können die Studenten Kurse über die Geschichte und Kunst der Afro-Brasilianer besuchen.

Der Leiter des Zentrums, Professor Nelson Olokofá Inocêncio, nahm in einem Gespräch zum heutigen Gedenktag Stellung und beschrieb den derzeitigen Stand der Rassengleichheit in Brasilien. Seiner Ansicht nach muss Brasilien sich ändern, es müsse den bestehenden Rassismus zur Kenntnis nehmen und eine öffentliche Politik betreiben, die nicht nur die bestehende Ungleichheit vermindere, sondern eine tatsächliche Gleichheit herstelle.

Zum derzeitigen Stand der Rassengleichheit in Brasilien führte er aus: " Ich kann nicht sagen, dass wir ideale Bedingungen haben, aber es wäre auch übertrieben zu sagen, dass es keinen Fortschritt gibt. Wenn man behaupten würde, dass es keinen Fortschritt gibt, würde man auch die Bedeutung der schwarzen Bewegung innerhalb der letzten 30 bis 40 Jahre im Kampf für soziale Änderungen nicht zur Kenntnis nehmen. Es gab einen bedeutenden Fortschritt. Erstens, ein Präsident der Republik erklärte öffentlich, dass es in Brasilien Rassismus gibt. Es war Präsident Fernande Henrique gegen Ende seiner zweiten Amtszeit. Dies war ein Markstein für die brasilianische Kultur. Bis zu diesem Zeitpunkt sah der Staat keine Notwendigkeit, sich für die Diskrimierung der schwarzen Bevölkerung verantwortlich zu zeigen. Danach kam Luiz Inácio [Lula da Silva], dem es gelang einige wichtige politische Entscheidungen zu treffen, wie die Gründung des Seppir (Secretaria Especial de Políticas de Promoção da Igualdade Racial; Staatssekretariat für die Förderung der Rassengleichheit) und die Inkraftsetzung des Gesetzes, das den Unterricht der Geschichte und Kultur der Schwarzen zur Pflicht machte. Und was noch wichtiger ist, es gelang ihm die Debatte über die Beziehungen zwischen den Rassen auf die Tagesordnung zu setzen. Das ist ein Erfolg. Wer die früheren Jahrzehnte erlebt hat, die Jahrzehnte zum Ende des 20. Jahrhundertts, der weiß wie schwierig es war, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Heute ist die Debatte über den Rassismus nicht mehr wegzudenken." Und er fügt hinzu: "Wir können den Rassismus nur als etwas schrechliches begreifen, wenn wir erkennen, dass es schwarzen Menschen nicht gelingt, wichtige öffentliche Ämter zu bekleiden. Eine der schrecklichsten Seiten des Rassismus war, zu behaupten, dass schwarze Menschen den Weissen intelektuell unterlegen sind. Das ist für mich eine vorrangige Angelegenheit, das Gebiet der Bildung und das der Macht. Es ist äusserst wichtig, dass die Schwarzen hier und jetzt zeigen, dass sie genauso sind wie andere auch und dass sie genauso auch respektiert werden müssen."

Wie sehr oft der Respekt vor den schwarzen bzw. farbigen Brasilianern noch fehlt, zeigt ein Vorfall an der Bundesuniversität von Brasilia vom heutigen Tag. In der Universität wurden Plakate zum heutigen Gedenktag beschmutzt und angespuckt. Der Vorfall sorgte für erhebliche Aufregung unter der Leitung der Universität und den Studenten. "Ein solche niedriges Niveau der Intoleranz ist ein Angriff auf uns alle“, erklärte ein Student.

Jornal do Brasil - País - Dia da Consciência Negra: equidade para superar desigualdade, afirma professor

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Rumänien und die Europäische Union

Rumänien ist jetzt seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Der Journalist und Politikwissenschaftler Cristian Preda hat auf der Webseite der Zeitung "Adevarul" unter dem Titel "Rumänien in der EU: Ein Jahrzehnt, drei Herausforderungen" eine Zusammenfassung des bisher Erreichten geschrieben, die ich anliegend in Auszügen wiedergebe:

Wir sind jetzt schon 10 Jahre in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Bilanz ist positiv: Das Bruttosozialprodukt hat sich verdoppelt, der Durchschnittslohn ist um 66% gestiegen, wir haben etwa 25 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Politisch stehen wir nicht so gut da. 

Ich gehe hier auf 3 Punkte ein.

Der erste Punkt ist der "Mechanismus der  Zusammenarbeit und Verifizierung" (MCV). Er wurde als Kompromiss eingerichtet, damit wir am 1. Januar 2007 der EU beitreten konnten. Bei diesem Mechanismus MCV ging es um das Funktionieren der Justiz. Im Lauf der 10 Jahre haben nur wenige geglaubt, dass die Reform dieses Bere…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …