Donnerstag, 5. Februar 2009

Vom Ministerpräsidenten zur Lachnummer

José María Aznar, ehemaliger Ministerpräsident Spaniens, entwickelt sich vom ehemaligen konservativen Politiker mit einem gewissen Ansehen und engsten Bundesgenossen des amerikanischen Präsidenten Bush, immer mehr zu einer Lachnummer.

Eine Rückblende: Aznar wurde 1996 zum spanischen Ministerpräsidenten gewählt. In der ersten Legislaturperiode war er auf Unterstützung durch die Regionalparteien angewiesen. 2000 wurde wiedergewählt, diesmal mit absoluter Mehrheit. 2004 wurde er nach den Attentaten von Madrid abgewählt.

In der zweiten Regierungsperiode zeigte er deutliche Anzeichen von Grössenwahn. Im Schatten von US-Präsident Bush wollte er zum grossen Weltpolitiker werden und zog Spanien gegen den Willen des überwiegenden Teils der Bevölkerung in den Irak-Krieg. In Spanien begann er sich wie ein Ersatz-König zu gebärden. Die Hochzeit seiner Tochter wurde mit monarchischem Pomp gefeiert, Blair und Berlusconi traten als Trauzeugen auf.

Der Fall war tief: Zwar hat er noch von den konservativen Amerikanern einen Lehrstuhl an der katholischen Universität von Georgetown zugeschanzt bekommen, aber seine Lehrtätigkeit scheint Anreiz für weiteren Spott zu geben. Bei YouTube gibt es Videos über seine Lehrtätigkeit in Georgetown zu sehen, wo er in miserablem Englisch versucht den Terrorismus mit der Zeit der Besetzung Spaniens durch die Araber zu erklären. Ein anderes Video zeigt ihn angetrunken - seine Partei wollte das Video aus dem Verkehr ziehen. Ein Scherzbold versuchte ihm die Vaterschaft über das vor kurzem geborene Kind der fanzösischen Justizministerin Dati anzudichten. Die Meldung ging rund um die Welt, der konservativ katholische Aznar musste sich heftigst wehren.

Jetzt hat ein Spanier bei Facebook eine Wette ins Internet gestellt mit folgender Frage: Ich wette, dass ich 100.000 Personen finden werde, die José María Aznar verachten (“Apuesto a que encuentro 100.000 personas que detestan a José María Aznar”). Der Blog "Netoratón" gratuliert jetzt dem Wetter, er hat es geschafft, ca. 101.000 Personen haben sich bis heute gemeldet.

Wie geht es wohl weiter mit José María?

Bild: José María Aznar; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jose_Maria_Aznar_DF-SD-05-00920.jpg