Direkt zum Hauptbereich

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in Frankreich vom überall vorhandenem und kostengünstigen Strom aus diesen Anlagen träumte, wurden die Menschen geradezu ermutigt auf Elektroheizungen zu setzen. Effizienz spielte dabei keine Rolle, denn die Atomenergie hielt man für unendlich. Seit 2012 gibt es ein Gesetz, das dem Einbau von Elektroheizungen entgegenwirken soll, aber der größte Teil des Gebäudebestandes im Land ist noch völlig unterversorgt mit Wärmedämmung und effizienten Heizsystemen.

Die Webseite “Reporterre” schreibt dazu:
“Wir zahlen heute für irrationale Entscheidungen”, schätzt Marc Jedliczka, Sprecher des Expertenverbandes für Energie, Negawatt. Frankreich hat einen sehr besonderen Energiemix. “Wir haben ein Strukturproblem: Man hat sich für die Atomkraft entschieden, eine Energie, die dazu gedacht ist so lange wie möglich im Jahr vorhanden zu sein, und zur selben Zeit haben wir Elektroheizungen, die für einen Spitzenverbrauch im Winter sorgen. Das ist irre!”, fährt er fort. Schon 2009 hat Negawatt festgestellt, dass der hohe Elektrizitätsverbrauch im Winter auf die Elektroheizungen zurückzuführen ist, und sie haben gleichzeitig darauf hingewiesen, dass von 1996 bis 2009 die Zahl der mit Elektroheizungen ausgestatteten Wohnungen sich fast verdoppelt hat und gleichzeitig hat. “Das Resultat ist, dass wir sobald es kalt ist, einen Basar haben” fasst Jedliczka zusammen.

Die Atombefürworter sehen das gerade als Grund, dass man noch mehr AKW’s bauen müsse. Die französische Gesellschaft der Nuklearenergie (SFEN) ist der Ansicht, dass die Kälte gerade zeige, dass wir noch mehr Atomkraft bräuchten. Damit würde man auch die klimaschädliche Kohlewirtschaft abschaffen. SFEN spricht sich auch weiterhin für die Elektroheizungen aus. Die Gegner halten deren Argumente für heuchlerisch, denn man kaufe jetzt für teures Geld Strom in Deutschland, der von Kohlekraftwerken stamme. Zugleich würden die fünf in Frankreich noch existierenden Kohlekraftwerke auf Hochtouren laufen. Ein Atomkraftwerk könne nicht schnell abgeschaltet und wieder hochgefahren werden.

“Reporterre” zieht folgende Schlussfolgerungen:
Die einzige Lösung nach Ansicht der Experten wäre, den Verbrauch von elektrischer Energie zu senken. Ein guter Anfang sei gemacht worden, dass man seit 2012 die Installation von Elektroanlagen in Neubauten nicht mehr fördere. Für die Altbauten, die überwiegende Mehrheit der bestehenden Gebäude, sieht das Gesetz zur Energiewende ein Programm energetischer Sanierung von Wohnungen vor. “Aber man muss hier wesentlich schneller vorgehen, mehr Mittel einsetzen und herausforderndere Kriterien haben”, fügt Mar Jedliczka hinzu.
Aus seiner Sicht erinnern die Unternehmen der erneuerbaren Energien daran, dass es auch andere Möglichkeiten des Heizens gebe. Zum einen der gute alte Holz-Kachelofen, die thermische Solarenergie und die Wärmepumpen. Diese Art des Heizens haben den Vorteil die Stromrechnung zu senken und auf mittlere Sicht zu Ersparnissen beizutragen. Und so könne man auch gegen die Energie-Armut vieler Haushalte kämpfen.

Informationsquelle
Face à la vague de froid, le nucléaire se révèle inadapté

Beliebte Beiträge

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Für was sich ein brasilianischer Präsident nicht alles hergibt

Am Montag hat der Generalstaatsanwalt der Republik, Rodrigo Janot, Anklage gegen den derzeitigen brasilianischen Präsidenten Michel Temer erhoben. Temer soll vom Schlachthof-Industriellen Joesley Batista, Besitzer des weltweit größten Fleisch-Verpackungskonzerns JBS, über den ehmaligen Abgeordneten und Sonderberater im Präsidentenbüro Rodrigo Rocha Loures 500.000 R$ verlangt und erhalten haben. Die Beweislage dazu ist laut Angaben des Generalstaatsanwalt erdrückend. "Es muss festgestellt werden, dass die von den Angeklagten rechtswidrigen Handlungen schwerwiegend sind. Die Untersuchungsberichte bezeugen, dass die Beschuldigten mit absoluter Verachtung und Respektlosigkeit gegenüber ihrer Funktion als Präsident der Republik und als Bundesabgeordneter, Funktionen, die Michel Temer und Rodrio Loures ausüben, handelten. Damit haben sie der öffentlichen Sache  und den republikanischen Werten geschadet", erklärte Janot.


Ein Präsident, der wegen Korruption angeklagt wird, ist noch…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Stierkampf subventionieren, aber kein Geld für Opfer häuslicher Gewalt

"Wir halten weiterhin an der Unterstützung der Stierkämpfe fest, wir verbessern den Haushaltsansatz im Vergleich zum letzten Jahr und wir reduzieren nicht die Hilfe", erklärte die Präsidentin der Comunidad de Madrid, Cristina Cifuentes, und erhöhte für dieses Jahr die Subventionen für die Stierkämpfe in der Region Madrid um satte 40%. Cifuentes ist Mitglied der Partido Popular, der derzeitigen Regierungspartei in Spanien. Unterstützt wird sie dabei von den Neokonservativen-Partei "Ciudadanos".

Ruth Toledano, spanische Journalistin und Tierschützerin, hat dazu diese Meinung:
Es ist ganz klar, dass die Entscheidung von Cifuentes, die Ausgaben für Gewalt gegen Tiere zu erhöhen, aber nicht dasselbe Geld zu nutzen im Kampf gegen die häusliche Gewalt, eine politische Entscheidung ist, sowohl von einem ethischen, wirtschaftlichen oder sozialen Standpunkt.... Diese Präsidentin der verrotteten Moral müsste wissen, um dem Niveau zu entsprechen, der ihrem Amt entspricht, dass…