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Großbritannien's EU-Feinde: Lügen bis sich die Balken biegen

Das Vereinigte Königreich stimmt heute über seine Zugehörigkeit zur EU ab. Voran ging ein langer und quälender Streit, über das Für und Wider eines Austritts. Quälend, weil die Grundidee eines Vereinigten Europas kaum zur Sprache kam. Der weitaus größte Teil beschäftigte sich mit kleinkrämerischem Gegenrechnen des materiellen Vorteils einer Zugehörigkeit gegen eine des Ausscheidens. Dabei wurde kräftig mit Phantasiezahlen gearbeitet oder unverfroren Behauptungen aufgestellt, die frei erfunden waren. Hinzu kamen vor allem von Seiten der Ausstiegswilligen hanebüchene Hinweise, zu was die EU die armen Briten alles zwingen wolle, vom Verbot des Aufblasens von Luftballons bis zu Windeln für ihre Kühe. Gerade britische Presseprodukte halten die Briten für dumm genug, damit man sie auf diese Weise für eine Volksabstimmung manipulieren kann.


Die Zeitung “The Economist” hat sich noch einmal mit diesen Lügen beschäftigt, hier die Schilderung wie das funktioniert:

Britannien verfügt über eine lange und gut gepflegte Tradition in der Erfindung von Behauptungen über die EU - das ging soweit, dass die Europäische Kommission eine Webseite einrichtete, um diesen Behauptungen in den frühen 90er entgegenzutreten.

Seither ist die Kommission auf über 400 in den britischen Medien veröffentlichte Mythen eingegangen. Diese reichen von absurden Behauptungen (Fischerboote sollen gezwungen werden Kondome mitzuführen) bis zu lächerlichen Behauptungen (Reißverschlüsse an Hosen sollen verboten werden). Einige sind wahrscheinlich das Resultat eines gewollten Missverständnisses. Eine Story, die im Boulevardblatt Sun 1999 veröffentlicht wurde, behauptete, dass die Königin wegen neuer EU-Regelungen plötzlich ihren Tee selbst machen müsse. Das war nicht nur ungenau, wie geduldige EU-Vertreter ausführten, sondern ging auf ein Gesetz zurück, das Großbritannien 1993 selbst erlassen hatte. Ein anderer Artikel im Daily Star im Jahr 2004 meinte, dass die EU die Geschwindigkeit von Kreiseln auf Kinderspielplätzen begrenzen wolle. Der freiwillige Leitfaden dazu, war nicht von der EU vorgeschlagen worden, sondern von einer anderen Organisation, die auch die Bezeichnung “Europa” in ihrem Namen führte. Andere Mythen sind weit von der Realität entfernt wie solche, dass die EU Darts aus den Pubs verbannen und oder den Verkauf von unverpackten Süßigkeiten verbieten wolle.

Es überrascht nicht, dass der Daily Mail mehr solcher Lügen über die EU verbreitet als sonst wer. Aber es sind nicht nicht nur die rechtsgerichteten Boulevardblätter. Der Daily Telegraph ist auch sehr gut dabei und selbst die BBC greift gelegentlich daneben. Das Thema, das die Medien am meisten auf die Palme brachte, ist die Unterstellung, dass Brüssel sich mit dem “guten alten britischen Essen” anlegt. Französischer Senf, das typische britische Mittagessen, ist heilig. Eurokraten, die das ändern wollen, lernen den Zorn der britischen Presse und ihrer Leser kennen.


Bedauerlicherweise wird die Webseite der EU kaum gelesen. Durchschnittlich 1.000 Seitenzugriffe, beim Daily Mail sind es 225.000 Zugriffe pro Monat.




Informationsquelle
Euromyths A-Z index
Debunking years of tabloid claims about Europe

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