Donnerstag, 16. Juni 2016

Die Brasilianer, ein apathisches Volk

Was die Brasilianer in letzter Zeit alles schlucken müssen an Zumutungen, die ihnen ihre politischen Eliten verabreichen, geht auf keine Kuhhaut und würde vermutlich in anderen Ländern schon zu gefährlichen Aufständen geführt haben. Ausländer stehen etwas ratlos gegenüber dem gebotenen Schauspiel, in der eine korrupte Politiker-Clique mit windigen Argumenten und jämmerlicher Unterstützung der Justiz und eines monopolartigen Medienkonzerns eine demokratisch gewählte Präsidentin vorläufig des Amtes enthebt. Die gleichen Herren, die das Spiel betrieben haben und noch betreiben, laufen aber jetzt in Gefahr, nachdem die Korruptionsvorwürfe gegen sie selbst sich immer mehr erhärten, jetzt in Strafprozesse verwickelt zu werden, die das Ende ihrer Karriere bedeuten könnten. So hat die parlamentarische Ethikkommission für die Aufhebung der Immunität eines des größten Strippenziehers mit vielen schwarzen Flecken auf der Weste, des Abgeordnete Eduardo Cunha, gestimmt. Es wird allerdings noch ein langer Wege sein, bis die Aufhebung tatsächlich erfolgt. Noch muss die Mehrheit des Parlamentes dem Beschluss zustimmen. Und in diesem Parlament sitzen genügend Leute, die sich gegenseitig Flankenschutz geben müssen. Solange geht das Trauerspiel, dass offensichtlich kriminelle Politiker weiterhin die Politik des Landes bestimmen, weiter.

Wer versteht da noch, dass das brasilianische Volk dem Schauspiel zuschaut und sich nur mäßig darüber aufregt? Der Journalist Tico Santa Cruz versucht dieses Phänomen zu erklären:

Brasilien ist gefangen in den Händen von Menschen, die nicht Brasilien retten wollen, sondern denen es nur darum geht ihr Haut und die der ihrigen zu retten.
Es beeindruckt mich nicht, dass der Beschluss zu Eduardo Cunha im Ethikrat, der am längsten verhandelte Fall im Nationalkongress war. Was mich beeindruckt ist die Apathie des brasilianischen Volkes, von Teilen der Linken und Rechten, von Zentrum bis zu den Extremen, die das alles hinnehmen ohne stärker und zusammenhängender darauf zu reagieren.

Es erschreckt mich nicht, dass für Renan Calheiros, José Sarney, Romero Jucá und Eduardo Cunha Haftbefehle vom Generalstaatsanwalt vorliegen. Was mich erschreckt ist, dass diese Männer noch frei herumlaufen.

Es war keine Lügen, als sie in einem Protestbrief geschrieben haben: “Wir sind Millionen Cunhas”. Das ist hundertprozentige Wahrheit. Wir sind eine Gesellschaft von Korrupten. Wir genießen es, Vorteile zu ergattern und wir legen unsere schützende Hand auf die unsrigen, wenn sie etwas tun, was auch uns nützt.

Jeder versucht sich mit dem gut zu stellen, was für ihn erreichbar ist. Betrügen in der Prüfung oder falsch herausgegebenes Wechselgeld. Eine Kleinigkeit, um sich von einer Strafe zu befreien oder ein erkaufter Vorteil gegenüber der Bürokratie des Alltags. Die Steuererklärung oder eine Arbeit mit getürkter Rechnung. Jeder sucht seinen Vorteil.

Wir stehen vor einem großen Spiegel und der zeigt uns sehr klar, dass wir nicht wissen wie wir dieses Dilemma lösen können, einfach deshalb, weil wir nicht wissen wie man anders leben kann.
Denke mit Sorgfalt über diese Frage nach und frage dich, auf welcher Seite dieses Systems du dich einordnest. Du wirst sehen, dass die Korruption nur funktioniert, weil wir daran teilnehmen und es ohne Gewissensbisse im Alltag akzeptieren.

Informationsquelle
O que me impressiona é a apatia do povo brasileiro