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Ein vergessener Flüchtlingsstrom: Haitianer in Brasilien

Acre ist ein brasilianischer Bundesstaat in Westen Brasiliens. Seine Hauptstadt ist Rio Branco und der größte Teil des Staates wird vom Amazonas-Urwald bedeckt. Haiti liegt in der Karibik und von Acre eigentlich gefühlt soweit entfernt wie die Erde vom Mond. Und trotzdem drängen viele Haitianer nach Acre. Wie kann das passieren?

Die Webseite von Globo.com beschreibt die Vorgeschichte so: Die Einwanderer kommen nach Acre über die Stadt Assis Brasil (im Dreiländereck Brasilien, Bolivien, Peru). Die Mehrheit der Einwanderer sind Haitianer, die ihre Heimat 2010 verließen, nachdem das schwere Erdbeben für 300.000 Tote und verheerende Schäden sorgte. Gemäß den Angaben der Regierung von Acre sind seit 2010 mehr als 32.000 Haitianer über Acre nach Brasilien gekommen. Sie kommen nach Brasilien auf der Suche nach einem besseren Leben und um ihren Familien zu helfen, die sie zurück lassen mussten. Um nach Acre zu kommen, fährt die überwiegende Mehrzahl von ihnen mit dem Bus von Port-au-Prince, der haitianischen Hauptstadt, in die Dominikanische Republik. Dort kaufen sie ein Flugticket nach Panama. Von Panama-Stadt aus nehmen sie den Bus oder einen Flug nach Quito in Ecuador. Auf dem Landweg fahren sie dann an die peruanische Grenze nach Piura, Lima, Cuzco und Puerto Maldonado bis sie nach Iñapari, der peruanischen Grenzstadt zu Brasilien, in der Nähe von Assis Brasil kommen.

Warum das Sehnsuchtsziel Brasilien? Nach dem Erdbeben von Haiti wurden viele brasilianische Soldaten im Rahmen der Friedensstreitmacht der UNO in Haiti eingesetzt. Vielleicht haben sie den Haitianern zu viel von den paradiesischen Zuständen in ihrer Heimat vorgeschwärmt. Statt Paradies setzt sich in Acre jedoch die Misere für die Haitianer fort. In der Regel leben sie dort unter erbärmlichen Umständen. In Acre können sie einen Antrag stellen, als Flüchtling anerkannt zu werden. Eigentlich gelingt dies nur, wenn die Flüchtlinge aus ethnischen, religiösen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Im Jahr 2010 machte Brasilien aber eine Ausnahme und gewährte auch nicht Verfolgten aus humanitären Gründen ein Visum.

Acre will die Flüchtlinge nicht haben. Man fühlt sich überlaufen. Im April 2013 rief der Gouverneur in einigen Gemeinden den Notstand aus, weil der Flüchtlingsstrom überhand nahm. Die für die Flüchtlinge vorgesehen Unterkünfte waren völlig überlaufen. Ab diesem Zeitpunkt griff die Acre-Regierung zu einer radikalen Maßnahmen. Sie setzte die Flüchtlinge in Omnibusse, die in die westlichen brasilianischen Großstädte, vor allem São Paulo, fuhren. Der Aufschrei aus diesen verhältnismäßig reichen brasilianischen Regionen war groß. Für viele Brasilianer sind Haitianer Gesindel. “Sie nehmen den Brasilianern die Arbeit weg, bringen Krankheiten mit sich, sorgen für Gewalt. Das ist das Vorurteil, das immer mehr um sich greift”, erklärt ein katholischer Priester, der in der Flüchtlingsbetreuung arbeitet.

Und so beargwöhnt man in São Paulo wieder argwöhnisch, dass zur Zeit wieder vermehrt Busladungen mit Flüchtlingen aus Acre kommen. Die Aufnahmestellen in São Paulo sind wieder voll. São Paulo schimpft auf Acre, weil die ohne Konsultation die Flüchtlinge in Bussen nach São Paulo schicken. Acre dagegen fordert mehr Geld von der Bundesregierung, damit es die Busunternehmer für die Abschiebung bezahlen kann.

Informationsquelle
Sem avisar, Acre envia haitianos a SP e número de mulheres surpreende
Imigração haitiana no Brasil

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