Sonntag, 17. Mai 2015

Der Erzbischof belieben zu exkommunizieren, aber die Gläubigen sind nicht mehr das, was sie einmal waren

Auch Rumänien und die Einstellung seiner Bevölkerung zu vielen Gesellschaftsfragen ändert sich mit großen Schritten. Das bekommt auch langsam eine Institution zu spüren, die meint ein Recht auf Bewegungsunfähigkeit zu haben. Es ist die orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR), eine Institution, die bisher nur Reformunfähigkeit bewiesen hat.

In der Stadt Focșani haben drei Frauen, Mitglieder der Pfarrgemeinde, auf der Straße gegen die Entscheidung des Erzbischofs, einen 16 Jahre in der Stadt tätigen Priester in eine weit entfernte Landgemeinde zu versetzen, protestiert. Dieser Protest hat Erzbischof Ciprian Spiridon, Leiter der Erzdiözese von Buzau und Vrancea, derart auf die Palme gebracht, dass er die 3 Frauen kurzerhand exkommunizierte. Begründung: “Die drei seien eine reale Bedrohung für die Einheit der Kirche” und “sie hätten schlimm gegen die Disziplin der Kirche verstoßen”, zudem hätten sie “eine schismatische Terrorgruppe mit sektiererischem Benehmen” gebildet. Zuvor hatten viele Gläubige vom Erzbischof verlangt, dass bei der Entscheidung über die Versetzung des Priesters, auch die Gläubigen gehört werden sollen. Soviel Demokratie ist natürlich den obersten orthodoxen Vertretern Gottes in höchstem Maße suspekt und so dürfen die engagierten Gläubigen in Zukunft keine Kommunion mehr empfangen.

Der zwangsversetzte Priester ist beim Erzbischof in Ungnade gefallen, weil er sich geweigert hat, ein Geschäft mit religiösen Objekten, die seine Familie in Focșani mit Genehmigung des früheren Erzbischofs unterhielt, zu schließen oder der Kirche zu übergeben. Die Gemeinde wollte den Streit schlichten und bot dem Bischof gratis ein Grundstück an, damit er das so begehrten Geschäft selbst bauen könne. Aber das beruhigte ihn nicht, denn nach den Regeln der Kirche dürften die Priester keine Geschäfte betreiben,die der Kirche Konkurrenz machen könnten. Es geht also ums Geld, nicht um den vom Erzbischof in den Vordergrund geschobenen bedrohten Glauben.

Statt dass mit der Exkommunizierung aber Ruhe wäre, geht es jetzt erst richtig los. Viele Menschen waren mit der Entscheidung des Diktator-Erzbischofs nicht einverstanden und gingen am vergangenen Samstag protestierend auf die Straße. Sie halten die Exkommunizierung für nicht nur eine Übertreibung, sondern auch illegal. Durch solche Entscheidung würden die kirchlichen Würdenträger die Gläubigen aus dem Herzen der Kirche vergraulen. In ihrer Protestschrift schreiben sie unter anderem: “Die Gemeinschaft, zu der wir gehören, hat diese Kirche aus dem Müll aufgebaut. Es geht nicht an, dass man unseren Priester einfach so weg schickt. Wir sind Seelen und nicht Bücher, die man in der Bibliothek einfach so umstellt, denn die Verbindung zwischen uns und unserem Priester ist sehr eng”. Die Demonstranten sagen auch, dass die Kirche mal besser diejenigen exkommuniziert hätte, die in der kommunistischen Zeit die Kirchen zerstört hätten, statt diejenigen zu bekämpfen, die mit ihren Händen eine geheiligten Ortes des Gebetes errichtet hätten. Sie werden deswegen an den kommenden Wochenenden weiter demonstrieren.

Der Erzbischof fühlt sich völlig im Recht: “Die Kirche ist weder eine Gewerkschaft, noch eine Partei”, erklärt er. Inzwischen spricht er von 11 Exkommunizierten, die mit ihren Handlungen “den Körper von Christus verletzt hätten, gegen das der Bischof eine Antwort mit Unterstützung Gottes gegeben habe”. Aber er gibt den Aufsässigen eine Chance: “Sie können zurück kommen, wenn sie gegenüber der Gemeinschaft, die sie derart gestört haben, Busse tun”. Denn, “die christliche Kirche wird nach dem Prinzip des absoluten Gehorsams der Priester und Gläubigen gegenüber den Bischöfen” geführt. Wer das nicht begreife, sei kein richtiger Christ.

Informationsquelle
Vinovați de ”libertate iresponsabilă”! La Focșani se protestează împotriva unei decizii a Arhiepiscopei, cu iz de Ev Mediu: excomunicarea a trei enoriași