Donnerstag, 30. April 2015

Das Genozid am lothringischen Volk

Die Gruppe engagierter Blogger aus Lothringen (BLE) hat ein überraschendes Thema: Sie verlangt aus Anlass der französischen Bestätigung des Genozids der Türken an den Armeniern die Anerkennung des Genozids am lothringischen Volk durch Frankreich. Das Genozid passierte 1645 – 1648 im dreißigjährigen Krieg. Damals wurden von den Söldnertruppen des Kardinals Richelieu über 250.000 Lothringer getötet, ungefähr 60% der damaligen Bevölkerung Lothringens. BLE schildert die Vorgänge wie folgt: “Nachdem bereits alle Schlösser, Festungen und befestigte Gebäude auf Befehl von Richelieu zerstört worden waren, wurden die Einwohner vieler Orte wie in Kischeidt, im Bitcherland an den Bäumen aufgehängt. Eine Stadt wurde komplett zerstört, die von La Mothe. Diese ehemalige befestigte Stadt ist heute noch das Symbol des lothringischen Widerstandes gegen den französischen Eindringling.”

Was bezweckten damals die Franzosen mit dieser Vernichtungsstrategie? “Die Franzosen haben in Lothringen nur ein vorgelagertes Glacis zum Schutz gegen die germanische Welt gesehen. Da die sehr gut befestigte Stadt von La Mothe eine echte Gefahr für die französischen Truppen bedeutete, wurde sie geschleift. Dadurch dass der Ort in Schutt und Asche gelegt wurde, wollten die Franzosen nicht nur die militärische Gefahr auslöschen, sondern jede Form von lothringischem Patriotismus und Identität zerstören”, schreiben die Blogger.

Warum kommt das jetzt wieder auf den Tisch? Nach Ansicht der BLE wurde die Geschichte bisher nur aus der Sicht der Franzosen geschrieben: “Offensichtlich wird diese, unsere Geschichte in unseren Schulen nicht gelehrt. Die Geschichte hat immer der Sieger geschrieben. Nur dem Neugierigen und Freiweilligen liegt es die Wahrheit zu suchen, sich eine eigene Meinung zu bilden und die offizielle Version durch die unzweifelhaften Tatsachen in Frage stellen. Jede gegenteilige Auffassung zur herrschenden Meinung, das ist die durch die jakobinische Zentralregierung diktierte, wird stigmatisiert und marginalisiert. Alles wurde getan, damit der Einzelne sich allein angesichts des Staates befindet. Dieser lange zerstörerische Prozess, auf menschlicher und kultureller Ebene, hat kein anderes Ziel als die Konzentration der Staatsgewalt und der Reichtümer in Paris, indem es die Provinzen als Satelliten behandelt und ausbeutet.”

Die Folge: “Von Paris aus gesehen erscheint unser Land nur als ein Gebiet, das von einer gehorsamen Bevölkerung bewohnt und dessen einzige Bestimmung es sein wird, die nukleare Müllhalde Frankreichs und Europas zu werden. Es gibt kein einziges Denkmal, das an die 250.000 massakrierten Lotrhringer erinnert. Diese Zahl der Getöteten haben wir nicht erfunden. Sie wurden von Historikern der Académie de Stanislas zusammengestellt, die auch ohne Zögern in ihren Studien vom “lothringischen Genozid” sprechen. Aus all diesen Gründen wird die Gruppe BLE nicht aufhören, die Errichtung und die Konservierung von Monumenten und Gedenkstätten, die an das von Frankreich und seinen Alliierten im dreißigjährigen Krieg begangene lothringische Genozid erinnern, zu verlangen. Und das an allen Orten und den Märtyrer-Städten Lothringens.”

Informationsquelle
Pour la reconnaissance du génocide lorrain par la France