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Das Elsass darf weiterhin zweisprachig lernen

Vor kurzem erschreckte eine Entscheidung der Pariser Schulbürokratie die deutsch-französische Gemütlichkeit. Die Ministerin für nationale Erziehung, Najat Vallaud-Belkacem, verkündet den Plan, bilinguale Klassen aufzulösen. Betroffen waren vor allem Klassen mit deutsch-französischem Unterricht. Dies betraf etwa 15% der Schüler und Schülerinnen in Frankreich. Nur im Elsass war das Verhältnis anders: Hier besuchen 60% der Schüler eine bilinguale Klasse. Aber Deutsch ist im Elsass nicht nur eine Fremdsprache. Die deutsche Sprache und der elsässische Dialekt sind ein Bestandteil der Kultur des elsässischen Volkes. Nach den Wirren zweier Weltkriege hatte die Zentralregierung in Paris die Lust verloren, die Elsässer wenigstens ein deutschsprachiges Gnadenbrot zukommen zu lassen. Erst Ende des vergangenen Jahrhunderts dämmerte die Erkenntnis, dass die Zweisprachigkeit eigentlich ein großer Vorteil nicht nur in kultureller Hinsicht ist, sondern auch in wirtschaftlicher. Denn im Badischen und in der Schweiz, vor allem in Basel, fanden viele Elsässer Arbeit. In der Regel wurden aber dafür Deutschkenntnisse gefordert. Gleichzeitig siedelten sich Schweizer und deutsche Betriebe im Elsass an, weil sie die Zweisprachigkeit der Bevölkerung nutzen wollten.

Seit einiger Zeit regt sich zudem Widerstand in der Bevölkerung gegen die völlige kulturelle Auslöschung des elsässischen Kulturgutes, bei dem ein wichtige Bestandteil die Sprache war. Um die Sprachausbildung im Elsass kümmert sich die Académie de Strasbourg, deren Leiter der Rektor Jacques-Pierre Gougeon ist. Er hat jetzt auf erste Proteste Entwarnung gegeben: “Jeder Rektor ist Herr im eigenen Haus. Im Elsass wird die bisherige Politik zu Gunsten der Zweisprachigkeit und des Erlernens von Sprachen fortgeführt. Dafür habe ich gekämpft”. Die Reform soll demnach die Schulen im Elsass nicht betreffen. Das heißt, dass es bereits Unterricht in deutsch und französisch ab dem Kindergarten geben kann. “Für das Elsass wäre die Reform kompletter Unsinn. Wir hoffen, dass der Rektor der Akademie in Straßburg auch von seiner Behörde unterstützt wird”, erklärt der Sprecher des Vereins “Eltern Alsasce”, Claude Froehlicher, der schon lange für den bilingualen Unterricht in Colmar kämpft. Froehlicher begrüßt deshalb, dass die Reform nicht auf das Elsass angewandt werden soll und verlangt, dass der Zugang zur deutschen Sprache noch stärker entwickelt werden muss. “Im nationalen Maßstab ist dies trotzdem ein hinterhältiger Schlag gegen das Erlernen der deutschen Sprache, da die beiden Länder sich ja schließlich als die hauptsächlichen Partner und europäischen Motor sehen”, erklärt Froehlicher.

Ein Stolperstein wurde bereits erwähnt: Wird der Unterbau der Académie seinem Rektor folgen oder die Reform trotzdem für einen Abbau des bilingualen Unterricht nutzen? Viele, die hier das Sagen haben, sind noch dem alten Denken verhaftet, der das deutsch-affine Denken der Elsässer mit Stumpf und Stil ausrotten möchten. Sie sehen ihre Aufgabe nicht so, wie es die Mutter von Schülern formuliert: “Im Elsass ist dies ein Reichtum, weil die deutsche Sprache die geschriebene Sprache der regionalen Sprache, des Dialektes, ist. 70% der Unternehmen im Elsass verlangen solide Kenntnisse bei der Einstellung von Arbeitskräften”. Es ist auch viel von Brückenfunktionen des Elsass zwischen der französischen und deutschen Sprachwelt die Rede. Rektor Gougeon ist der festen Überzeugung: “Die deutsche Sprache, Regionalsprache und Sprache des Nachbarn, muss im Herzen unseres Sprachprojektes in unserer Grenzregion stehen. Die ganze Sprachpolitik der Akademie von Straßburg baut auf einer fortschreitenden und vernünftigen Entwicklung der Bilingualismus hin zur Mehrsprachigkeit auf.”


Informationsquelle
EXCLU | Réforme des collèges: l'Alsace garde ses classes bilangues

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