Mittwoch, 10. September 2014

Den Briten laufen die Kosten für die Atommüllbeseitigung davon

In Großbritannien gibt es ein “Büro für Haushalts-Verantwortung” (Office for Budget Responsibility), dessen Aufgabe es ist, die öffentlichen Finanzen im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu überprüfen und entsprechende Berichte zu erstellen. Dieses Büro hat jetzt festgestellt, dass die Atommüll-Entsorgung dem Land noch teuer zu stehen kommen wird. Nach den neuesten Berechnungen werden es 6 Milliarden £ (ca. 7,5 Mrd €) mehr sein als eigentlich geplant. Bisher wurde von 2011-12 noch mit 63,8 £ Mrd gerechnet, nach der  Schätzung für 2012-13 steigt dieser Betrag auf 69,8 Mrd £.

Für die Labour-Opposition ein klarer Fall von Pflichtvergessenheit der Regierung, die sich über Europa und die Homosexuellen-Heirat streite und dabei die großen öffentlichen Planungen vergesse. Die Kostensteigerung ist überwiegend auf die “Aufräumung” der Wiederaufarbeitungsauflage in Sellafield zurückzuführen. Wie die Zeitung “The Independent” schreibt, ist Sellafield eine der gefährlichsten und kompliziertesten außer Betrieb zu nehmenden Anlagen überhaupt.

Ohne dass die Regierung dagegen eingeschritten war, hatte die Nationale Behörde für Stillegung (NDA) in einem umstrittenen Verfahren das private Betreiber-Konsortium von Sellafield im Oktober vergangenen Jahres für weitere 5 Jahre mit diesen Aufgaben betraut. Bisher war das Konsortium “Nuclear Management Partners” der Betreiber mit dem Konsortialführer URS Corporation aus den USA an der Spitze. Eigentlich wurde angenommen, dass wegen grober Management-Fehler der Vertrag mit dem Konsortium nicht mehr verlängert würde.

Die Opposition ist der Meinung, dass diese Kostenentwicklung auch darauf zurückzuführen ist, dass die Mittel für die NDA im Jahr 2010 gekürzt wurden und diese Behörde damit nicht mehr in der Lage war, den privaten Sektor korrekt zu überwachen. “Dies ist eine außerordentliche Verschwendung, die die zuständigen Minister erklären müssen. Schließlich haben die Verantwortlichen nicht nur hohe Vergütungen für ein Versagen zugesagt, sondern sie sind auch verantwortlich für Verzögerungen bei den Projekten, die die Kosten in astronomische Höhen treiben werden. Es gibt auch ernsthafte Fragen über die Sicherheit der Anlage von Sellafield und  die Atommüllagerung, aber auch wie es durch Inkompetenz der Regierung möglich wurde, dass Milliarden durch das Netz fielen”, erklärte ein Labour-Sprecher.

Ein Sprecher der Behörde für Energie erklärt das Dilemma: “Diese Regierung ist verpflichtet sicher mit dem nuklearen Erbe des Vereinigten Königreichs umzugehen. Bei diesen Kostensteigerungen handelt es sich um geschätzte Kosten für die Entsorgung in den nächsten 120 Jahre und sie sind ein Resultat erheblicher Unsicherheit und der Komplexität wie sie mit einem solchen Projekt verbunden sind”. Schöner kann man es eigentlich nicht sagen: “Wir haben den Dreck und es ist sehr kompliziert den zu entsorgen. Was noch auf uns zukommt, wissen wir nicht, weil halt alles so unsicher und kompliziert ist.” Nach dieser fatalistischen Sicht ist das Ende der Fahnenstange bei den Kostensteigerungen noch lange nicht erreicht. Aber was soll’s, schließlich muss in 120 Jahren jemand ganz anderes zahlen, während die Verantwortlichen von heute schon längst in Frieden ruhen.

Kann eine solche Technologie eigentlich noch verantwortungsbewusst betrieben werden? Die britische Regierung ist wohl dieser Meinung, sonst würde sie nicht auf neue Atomkraftwerke setzen.

Informationsquelle
Britain's nuclear clean-up bill to soar by billions 'because of Government incompetence'