Direkt zum Hauptbereich

Von null auf hundert – ”Podemos”

In Spanien ist eine Partei wie aus dem Nichts entstanden und hat in der verkrusteten 2-Parteienlandschaft des Landes einen Donnerhall ausgelöst. Vier Monate vor den Europawahlen gegründet hat “Podemos” (Wir können) auf einen Schlag 1,2 Millionen Wählerstimmen bekommen und wird mit 5 Abgeordneten im Europaparlament vertreten sein. Der herausragende Kopf der jungen Partei ist Pablo Iglesias Turrión, geboren 1978, Schriftsteller und Professor für Politikwissenschaften an der Universidad Complutense von Madrid. Die Partei ist aus den durch die schwere Wirtschaftskrise Spaniens entstandenen Protestbewegungen der letzten Jahre hervorgegangen. Sowohl von den bisher dominierenden Konservativen der Partido Popular (PP), zur Zeit Regierungspartei, und der Sozialisten (PSOE: Partido Socialista Obrero Español) wird die neue Bewegung in die extreme Ecke gestellt, denn Podemos hat klar gemacht, dass es die alte Kaste der Politiker ablösen will.

Bereitwillig wird die Partei auch in anderen europäischen Ländern in die extreme Ecke gestellt. Sie will eine radikal andere Politik in Spanien, wo vor allem die PP, aber auch die PSOE in vielen Korruptionsaffären bewiesen haben, dass man ihnen nicht mehr vertrauen kann. Podemos ist aber nicht antieuropäisch, sie steht für Basisdemokratie. Pablo Iglesias erklärte nach den Europawahlen im Hinblick auf das Erstarken rechtsextremer Parteien: “Wenn wir etwas aus der Geschichte unseres Landes gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dass man beim Faschismus keine Toleranz zeigen darf. Deswegen verteidigen wir die Demokratie und die Werte, auf denen Europa aufgebaut wurde. Und wir verteidigen diese gegen den Faschismus wo auch immer es notwendig ist.” Spanien hat eine leidvolle Erfahrung mit einer faschistischen Diktatur, deren Auswirkungen noch bis heute
zu spüren sind.

Was will die Partei nun, bei der auch erstmalig für Spanien ein behinderter Mensch als Abgeordneter in das Europaparlament einziehen wird? Hier sind die wichtigsten Forderungen von Podemos:
1. Eine öffentliche Anhörung über die Schulden und bei ungesetzlichem Handeln Strafverfolgung gegen die Verantwortlichen sowie Gründung einer Bank, die im Dienst der Bürger steht.
2. Eine stärkere Bestrafung von Betrug und Kampf gegen die Steuerparadiese.
3. Bedingungslose Grundeinkommen für alle und ein gerechtes Steuersystem.
4. Ende der “Drehtür” (für Politiker) und Beschränkung des Gehalts der Abgeordneten des Europaparlaments.
5. Ausweitung der Möglichkeiten von Volksbegehren zur Gesetzgebung und Haushaltsplanung in der EU.
6. Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationen, eine würdige Wohnung und die Möglichkeit selbst über den eigenen Köper entscheiden zu können.
7. Radikaler Aktionsplan gegen die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.
8. Abänderung des Bologna-Prozesses unter Beibehaltung der Anerkennung von Abschlüssen und Bildungsplänen. Absenkung der Studiengebühren und Gründung eines europäischen Hilfsfonds, um die Mobilität des Lehrpersonals und der Studenten zu ermöglichen.
9. Abschaffung der Internierungszentren für asylsuchende und illegale Ausländer. Beendigung des FRONTEX-Programms und von EUROSUR sowie der Befestigungsanlagen von Melilla und Ceuta.
10. Abänderung des Lissabon-Vertrages und der Verträge zum Freihandel. Verzicht auf ein Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der EU sowie eine Revision der Verträge mit Lateinamerika. Eine Handelspolitik, die die Menschenrechte respektiert.

Vieles scheint noch utopisch. Aber es ist das erste Mal, dass in Spanien eine Bewegung von unten entsteht. Eine Bewegung getragen von Bürgerinnen und Bürgern, die die bittere Erfahrung der Schulden-, Finanz- und Wirtschaftskrise machen mussten. Es ist der Mut auf Grund dieser Erfahrungen etwas zu ändern, was bei “Podemos” fasziniert. Abgehalfterte Politikersprüche der herrschenden Parteien haben so keine Zukunft mehr.

Informationsquelle
Pero, ¿qué propone Podemos? 10 propuestas de su programa electoral
Pablo Iglesias: "Mañana seguirá gobernando la casta"

Beliebte Beiträge

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

Irland hat zu kuschen, wenn es nach Brexit-Britannien geht

Irland und Großbritannien verbindet eine schwierige Geschichte, bei der bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts Irland in der Rolle einer britischen Kolonie steckte. Einer Kolonie, die von den Okkupanten nach Strich und Faden ausgebeutet wurde. Iren hege keine Sympathie für ihre britischen Nachbarn. Letztere hingegen pflegen weiterhin gerne ihren Hochmut gegenüber dem ehemaligen Kolonialvolk. 
Beide Länder gehören der EU an und über die EU konnte auch der langjährige blutige Bürgerkrieg in Nordirland befriedet werden. Der Brexit reißt den Graben wieder auf. Da in Großbritannien, vor allem in England - in Schottland sieht die Lage anders aus - der Brexit auch die Rückkehr zum alten Hochmut der Kolonialherrschaft bedeutet, taucht sie wieder auf am Horizont: Die Feindschaft zwischen dem Herrenvolk und seinem Sklavenvolk. 
Der aus Irland berichtende britische Journalist Chris Johns beschreibt in der Zeitung Irish Times wie er die Situation empfindet:

Ich habe von Michael Collins gehört, be…

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…