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Britischer Premierministers lässt seine Kinder beim Frühstück Kirchenlieder singen und will damit beweisen, dass Großbritannien christlich ist

Vor einiger Zeit erklärte Premierminister David Cameron, dass Großbritannien ohne Scham "evangelikal" bezüglich seines christlichen Glauben sein sollte und aktiv den Kirchen und anderen Glaubensgruppen eine größere Rolle in der Gesellschaft verschaffen sollte. Dabei führte er an, dass er selbst die "heilende Kraft" der Religion in seinem Leben gespürt habe und er betonte, dass die Christenheit den "spirituellen, physischen und moralischen" Zustand Britanniens und sogar der Welt verändern könne. In diesem Zusammenhang fragt man sich, ob Großbritannien auf dem Pfad der Evangelikalen der USA wandelt und anfängt einen sektiererischen Missionierungsdrang an den Tag zu legen.


Viele Briten teilen seine Meinung nicht. Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Schriftstellern schrieb dem Premierminister einen offenen Brief mit folgendem Wortlaut:
"Sir. Wir respektieren das Recht des Premierminister auf seine religiösen Ansichten und die Tatsache, dass diese notwendigerweise sein eigenes Leben als Politiker beeinflussen. Aber wir widersprechen seiner Charakterisierung von Britannien als ein "Christliches Land" und die negativen Konsequenzen für Politik und Gesellschaft, die damit verbunden sind. Abgesehen davon, dass wir in einem engeren verfassungsrechtlichen Sinn weiterhin eine Staatskirche haben, ist Britannien kein "Christliches Land". Wiederholt gemachte Untersuchungen, Umfragen und Studien zeigen, dass die meisten von uns als Individuen in unserem Glauben weder eine christliche noch sonst eine religiöse Identität haben. Britannien wurde im sozialen Bereich zu seinem Besseren von vielen vor-christlichen, nicht-christlichen und nach-christlichen Kräften gestaltet. Wir sind eine plurale Gesellschaft mit Bürgern mit einem weiten Spektrum an Perspektiven und wir sind weitgehend eine nicht religiöse Gesellschaft. Ständig etwas anders zu behaupten fördert Entfremdung und Streit in unserer Gesellschaft. Obwohl es richtig ist, die Beiträge, die von vielen Christen auf sozialem Gebiet beigesteuert wurden, anzuerkennen, so ist es doch falsch zu versuchen, deren Beitrag als einzigartig darzustellen, wenn es mit britischen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen verglichen wird. Das fördert entnervende sektiererische Diskussionen, die so das Leben der Briten bisher nicht belastet haben. Briten, die nicht wollen, dass ihre gewählten Vertreter aktiv bestimmten Religionen oder religiösen Überzeugungen einen Vorrang einräumen."


Die Äußerungen Cameron's haben generell eine Debatte in der britischen Öffentlichkeit angefacht. Dabei hat er aber mit seinen Äußerungen weder Christen von links noch von rechts zufrieden gestellt. So kritisierte die Lobby-Gruppe "Christian Concern", dass Cameron sich zwar für die christlichen Werte erkläre, aber auf der anderen Seite die Homo-Ehe unterstütze.


Vielleicht ist das auch einer der politischen Tricks, um bessere Chancen bei den nächsten Wahlen zu haben. Früher hatte er nämlich erklärt, dass er kein Kirchenbesucher ist und seine Neigung zur Religion mal so oder so ist. Seit neuestem müssen seine Kinder aber Kirchenlieder beim Frühstück singen und er bekundet ein Erweckungserlebnis gehabt zu haben. Zur Zeit wird er von den Rechten in seiner Partei wegen Homo-Ehe und ähnlichen Themen in die Zange genommen und vermutlich hofft Cameron damit diesen Flügel mit religiösem Gerede zu beruhigen. Für andere wiederum ist es beunruhigend, dass er damit den religiösen Frieden in der britischen Gesellschaft in Gefahr bringt.

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