Dienstag, 4. Februar 2014

Politischer Schneesturm in der rumänischen Provinz

“Rumänien Im räuberischen Griff der Gesellschaften mit beschränkter Haftung (SRL) – das Land wo die Schneeräumung mehr kostet wie am Nordpol. Eine Schätzung der Kosten in Höhe von fast 100 Millionen Euro macht unser Land zum Gauner-Weltmeister. Alaska, mit 22.500 km Autostraßen gibt dafür nur 80 Millionen Euro aus”. So empört sich die Internet Seite “Sud-Est Forum” aus dem rumänischen Südosten über die Folgen eines Wintereinbruchs.

Rumänien erlebte in der letzten Januarhälfte nach einem milden Winter vor allem südlich und östlich der Karpaten einen plötzlichen Wettereinbruch mit heftigem Schneefall, Eis und Schneesturm. Viele Dörfer waren eingeschlossen, Straßen über mehrere Tage blockiert. Dabei sind Winter mit Schnee und Eis in Rumänien nichts ungewöhnliches. Es gibt selbstverständlich auch Straßen- und Winterdienste. Das Problem ist, dass diese Dienste und damit auch die Schneeräumung von staatlichen Stellen an private Firmen nach angeblicher Ausschreibung vergeben werden. Sicher im Sinne der Privatisierungsgläubigkeit des IWF. Die Folge ist, dass in Rumänien jeder halbseidene Geschäftsmann / -frau und vor allem auch korrupte Politiker Gesellschaften mit beschränkter Haftung gründen und sich aufs fleißigste an den Ausschreibungen beteiligen.

Leider lässt dann aber auch die entsprechende Gegenleistung zu wünschen übrig. Unnötige Investitionen für besondere Wetterlagen sind da nicht vorgesehen, das könnte ja den Gewinn schmälern. Also kam wie es kommen musste. Die Rumänen konnten sich richtig schön über die nicht durchgeführte Schneeräumung ärgern. Ganz toll hat es der Kreisrat des Donau-Kreises Braila getrieben, der über ein Heer kleiner Aktiengesellschaften und GmbH’s verfügt, denen er in seiner Funktion als Kreisrat öffentliche Aufträge zuschanzte. Er steht deshalb schon seit 2012 im Visier der Antikorruptionsbehörde ANI und hat mehrere Verfahren am Hals. Während Braila im Schnee versank, war das Anwesen des Kreisrats von seinen rührigen Angestellten schneefrei geräumt. Wem schwillt da nicht der Kamm!

Die Journalistin Alina Mungiu-Pippidi, die auch in Deutschland tätig ist, sieht das etwas gelassener. Auf dem Flughafen Otopeni von Bukarest hat sie sich von dem “bisschen Wind und Schnee” nicht beeindrucken lassen. Sie meint in Boston oder Berlin-Tegel habe sie erlebt, dass der Flughafen wegen weit weniger Schnee blockiert war und sie fährt im Bezug auf rumänische Verhältnisse fort: “Was nicht normal war, war, dass man im Fernsehen einige unverantwortliche Autofahrer zu Wort kommen ließ, die rumpöbelten, dass man sie aus dem Schnee holen solle. Diese Leute sind vor Eisregen und Schnee gewarnt worden und sie sind trotzdem nicht zu Hause geblieben. Jetzt erwarten sie, dass der schlecht bezahlte öffentliche Räumungsdienst oder der Armee kommen, um den Schnee vor ihrer Haustür wegzufegen. Dann jammern sie, dass man ihre Steuergelder verschwende, obwohl vermutlich viele von ihnen gar keine Steuern bezahlen. Die Fernsehsender haben das größte Vergnügen daran alles noch mehr zu dramatisieren.” Und dann liest sie ihren Landsleuten die Leviten: “Krisensituationen verlangen nach Zusammenarbeit und Koordination, mit anderen Worten wir brauchen kollektive Taten und man soll nicht gleich wie gelähmt sein, wenn man daran denkt, dass es nur um die Ziege des Nachbars geht”.

Auch nicht ohne. Der Gemeinsinn, das fehlt noch an allen Ecken und Enden in Rumänien.

Informationsquelle
Ajunge cu isteria – Romania Libera
Bunea-Stancu : scandalurile de corupție si conflictele de interese! – Evenimentul Zilei