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Wer bei der Fußball-WM Amazonas-Dschungel erwartet wird enttäuscht sein

Manaus ist ebenfalls Austragungsort von Spielen bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Die Stadt liegt im Herzen Amazoniens und ist Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. 4 Spiele der WM werden in Manaus ausgetragen, obwohl Manaus unter fußballerischen Gesichtspunkten in Brasilien keinerlei Rolle spielt. Die Lokalmannschaft spielt irgendwo in der dritten brasilianischen Liga.

In Brasilien hat deshalb erstaunt, dass Manaus als Austragungsort für Spiele der WM ausgesucht wurde. Manaus gewann die Auswahl gegen seinen Amazonas-Konkurrenten Belém do Pará. Die Stadt warb mit einer Marketing-Kampagne unter dem Titel “Grüne Weltmeisterschaft in der Hauptstadt des Amazonas-Waldes”. Da die Stadt im Amazonas-Gebiet liegt, geht der unbedarfte Beobachter davon aus, dass die Stadt tatsächlich mehr oder weniger im Dschungel zu finden sein dürfte. Da werden viele Besucher sehr enttäuscht werden. Die Journalistin Elaíze Farias schreibt in ihrem Bericht “Sem Copa verde / ohne grüne WM”: “Die Realität weicht erheblich vom vorgestellten Bild ab. Manaus ist eine Stadt mit wenig Bäumen (mit Ausnahme weniger Flächen, die gesetzlich geschützt sind). Dies ist das Ergebnis einer Besiedlungspolitik, die nie Wert auf die ursprüngliche Vegetation legte. Dies gilt auch für die Umgebung des neuen Stadions Arena Amazonia, wo man keine Bäume sehen kann.”

Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess.

Der öffentliche Nahverkehr lässt sehr zu wünschen übrig und die hochfliegenden Pläne, die man zuerst hatte, wurden bald wieder aufgegeben. Eines der Projekte war eine Art Schwebebahn, der die nördlichen Stadtteile mit dem Zentrum verbinden sollte. Kostenvoranschlag: 1,3 Milliarden Real (ca 400 Millionen Euro). Die Schwebebahn sollte von einer nur für den Omnibusverkehr reservierten Fahrbahn begleitet werden. Da dieses Projekt von umfangreichen Enteignungen und Zerstörung denkmalgeschützter Gebäude begleitet werden sollte, wurden die Pläne für die Schwebebahn bald aufs Eis gelegt, aber inzwischen klagen Firmen, die bei den Ausschreibungen für den Bau Zuteilungen erhalten hatten. Auch das Busprojekt wurde von einem Projekt mit eigener Spur in ein Schnellbus-Projekt umgewandelt. Inzwischen funktioniert das Schnellbus-System aber zu Lasten des übrigen Verkehrs. Das Volk ist über die dadurch verursachten noch umfangreicheren Verkehrsstaus sauer.

20 Jahre lang darf jetzt der Bundesstaat Amazonia die von der Bundesregierung gewährten Darlehen in Höhe von über 120 Millionen Euro abbezahlen. Wer profitiert nun von der WM: Sicher nicht die Bevölkerung, die so gut wie nichts von dem Geldsegen hat, der für den Stadionausbau und die Austragung der Spiele auf die Stadt hernieder kam. Die Bevölkerung hat in weiten Teilen schon eine Vermutung, wer die Profiteure sind: Die beteiligten Bauunternehmen und die FIFA!

Informationsquelle
Sem Copa verde – Blog Combate Racismo Ambiental

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