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Wo die neoliberalen Retter der Welt kläglich versagen

Schatzkanzler George Osborne gab vor kurzem seine Herbst-Erklärung im britischen Parlament zum aktuellen Stand der britischen Wirtschaft und die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Sicherung des Haushalts ab. Ein Hauptziel ist und bleibt, den Briten den Wohlfahrtsstaat völlig zu vergällen. Dies ist eine Politik, die bereits Margret Thatcher mit eiserner Faust begonnen hatte und die unter Tony Blair in etwas abgewandelter Form weiter geführt wurde. Die Zuflüsterer in Hintergrund sind die neoliberalen Wirtschaftsexperten, die von der USA unter Reagan ausgehend glaubten, die Weltwirtschaft mit ihren Rezepten von der freien Entwicklung der Märkte für alle zum Paradies werden zu lassen.

Dass auch diese wirtschaftwissenschaftliche Richtung krachend versagt hat, das beweist der Zustand des doch so hochgelobten Musterschülers Vereinigtes Königreich. Es geht einigen gut, aber sehr vielen sehr schlecht, das ist die Folge dieser Politik und Großbritannien ist weit davon entfernt eine wirtschaftliche Großmacht zu sein. Der Journalist Aditya Chakrabortty hat in der Zeitung “The Guardian” den Stand der Dinge auf der Grundlage der Schatzkanzler-Äußerungen unter dem Titel “Geben wir es doch zu: Britannien ist jetzt ein Entwicklungsland” zusammengefasst.

Die Rede des Schatzkanzlers bewertete er als ein zweimal im Jahr stattfindende Ritual, das so unklar und langweilig ausfiel, dass die meisten schon wieder vergessen hätten, was er gesagt habe. Die britischen Realitäten im Erziehungswesen sei, dass man in der kürzlich veröffentlichten Pisa-Studie in den Naturwissenschaften gleichauf mit Vietnam liege und noch hinter den Bewohnern von Macao bei Mathematik. In der Übersicht des Weltwirtschaftsforums (WEF) zur Wettbewerbsfähigkeit von 148 Ländern liege man hinter Chile und das öffentliche Verkehrssystem werde noch schlechter wie das von Barbados eingestuft. Britanniens Wirtschaft sei weit davon entfernt unangefochten auf der Überholspur dahin zu düsen, stattdessen werde man mit stotterndem Motor von den asiatischen Tigern wie Südkorea und Taiwan überholt.

Bei der Geschlechtergleichheit liege man nach der WEF-Übersicht hinter Nicaragua und Lesotho. Investitionen durch die Wirschaft? Die Zeitschrift “The Economist” denke, dass Britannien darum kämpfe nicht von Mali überholt zu werden. Osborne habe zwar vor kurzem mehrere Millionen in die Grundlagenforschung an den Universitäten gesteckt, aber diese Anstoß-Finanzierung wirke nur in Ländern mit einer Fertigungsindustrie wie in Deutschland, aber nicht in Britannien mit seiner entkernten Industrie und nicht mehr funktionierenden Versorgungskette. Die Zuschüsse hätten sich deshalb als Geldeinwurf in ein Fass ohne Boden erwiesen.

Die britischen Ressourcen würden von einer kleinen internationalen Elite abgeschöpft, die oft keinen Anlass sehe, dem britischen Steuerbeamten etwas zu hinterlassen. Man habe zwar iPads und Breitbandversorgung, aber auch völlig überlaufene Lebensmitteltafeln. Bei der sozialen Mobilität habe Britannien das schlechteste Resultat aller entwickelten Länder. Der Wohlstand sei konzentriert in den Händen weniger und die öffentlichen Ordnungskräfte würden nur noch als Miliz für die Reichen eingesetzt. Friedlicher Protest werde von diesen unterdrückt, deshalb finde man die Polizei inzwischen auch auf dem Campus der doch so wirtschaftsfreundlichen Universitäten.

Und er endet mit der Schlussfolgerung: Wenn wir unsere Richtung nicht ändern, werden wir im besten Fall in einer Ecke der Weltwirtschaft mit der Spezialität einer Schweine-Samen-Datenbank sitzen. Das Vereinigte Königreich des Spoink.

Informationsquelle
Let's admit it: Britain is now a developing country – The Guardian

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