Mittwoch, 4. Dezember 2013

Unbefleckte Empfängnis wird zur ewigen Bürgermeisterin ernannt

La Linea de Concepción ist die Grenzstadt Spaniens zu Gibraltar. Seit 1870 trägt die Stadt den Beinamen “de la Concepción”, was soviel wie “La Linea von der Empfängnis” bedeutet. Maria, die Mutter Gottes, gibt es vor allem in Spanien in vielfältiger Ausfertigung, Zeugnis davon legen Mädchennamen ab, deren erster Bestandteil “Maria” ist, deren zweiter Teil sich aber im Laufe der Zeit verselbständigt hat. Davon zeugen “Socorro (Mariahilf), Concepción (Maria Empfängnis), Dolores (Maria von den Schmerzen) oder Mercedes (Maria von der Gnade)” und einige andere. So erklärte auch die Stadt La Linea “Maria de la Concepción” zu seiner Patronin und fügte den zweiten Teil seinem eigenen Namen hinzu.

Inzwischen leben wir im 21. Jahrhundert, aber La Linea hat bewiesen, dass man durchaus in der Lage ist, das Rad noch einmal zurück zu drehen. Der Stadtrat, regiert von den Sozialisten der Partei PSOE, hat beschlossen die “Immaculada Concepción” nicht nur als Stadtpatronin zu verehren, sondern sie zur “ewigen Bürgermeisterin” der Stadt zu erklären und ihr als Insignien der Stadt den “Dirigentenstab” in die Hand zu drücken und eine “Erinnerungsmedaille” um den Hals zu hängen. Damit hatte die derzeitige leibhaftige Bürgermeisterin eine Gipsfigur bei der Verwaltung ihrer Stadt zur Seite. Diese Bürgermeisterin erklärte, dass die Ernennung der Jungfrau einer Forderung der Bürger entspreche. Für der Ernennung musste die städtische Satzung für Auszeichnungen und Ehrungen geändert werden, da diese die Verleihung eines Amtes der Bürgermeisterin auf Lebenszeit nicht vorsah. An der “historischen” Sitzung des Stadtrates, in der die Ernennung erfolgte, nahm der Bischof von Cádiz und lokale Vertreter der katholischen Kirche teil.

Die Initiatoren der Ernennung war der Vorsitzende der Pfarrgemeinde Immaculada Concepción und der Priester Juan Enrique Sánchez. Letzterer hatte den Mut, die Ernennung mit der spanischen Verfassung zu begründen und zu behaupten: “Das bedeutet keinerlei Einmischung der Religion in die Politik und umgekehrt, da es ja nur ein Ehrentitel ist, der die unbestreitbare Verbindung von La Linea de la Concepción mit seiner Patronin anerkennt.” Anschließend sah er sich zu einem Solidaritätsaufruf an die Bürger veranlasst: “Ich ich möchte in Demut hier beim Akt der Ernennung unserer Patronin und zu ihren Füßen darum bitten, dass dies eine Herausforderung für uns sei, damit wir solidarischer in Zeiten werden, die unsere menschlicher Antwort herausfordern, und mehr Mitgefühl zeigen und uns christlicher verhalten”. Die eine Maria, die mit der “unbefleckten Empfängnis”, eine Behauptung, die auch ein Großteil der Katholiken nicht versteht, für Solidarität heranzuziehen, ist doch eine sehr gewagte Finte.

Nicht verwunderlich ist, dass auch die konservative Partei PP und die Andalusierpartei PA für die Ernennung stimmten. Nur die Vereinigte Linke (Izquierda Unida) hatte den Mut den Mummenschanz als eine “Beleidigung der Intelligenz und der Religionsneutralität des Staates” zu bezeichnen. Ihre Vertreterin im Stadtrat erklärte: “Das ist ein Mangel an Respekt. Nicht nur gegenüber den Personen, die keiner Konfession angehören, sondern auch gegenüber den Bürgern anderen Glaubens. Was mich am meisten schockiert ist, dass die PSOE das voran gebracht hat. Vor 2 Wochen haben sie noch erklärt, dass die Partei wieder linker wird”.

Ja, warum machen da die spanischen Sozialisten von der PSOE sogar federführend mit? Vor kurzem hatte die Partei, die die größte Oppositionspartei in Spanien ist, auf ihrem Parteitag beschlossen, dass man gegenüber der katholischen Kirche vorsichtiger vorgehen werde. Während der Regierungszeit hatte sich die spanische Kirchenleitung zu Drohungen jeder Art gegen die Sozialisten verstiegen. Und in Andalusien ticken die Uhren anders, der Götzenkult um die “Marias” jeder Provenienz ist weit verbreitet. Dabei werden auch die Marias gegeneinander ausgespielt. Den Theologen stehen da die Haare zu Berge, aber der Folklore ist es dienlich und die Kirche will da auch nicht so genau werden, denn über den Kult hat man ja auch die Bevölkerung mit Manipulationen jeder Art zur Hand. Sie muss sich nur auf die “Virgen” berufen, je nach Bedarf holt man eine der vielen aus der Kiste.

Ein Blogger der Zeitung “El Pais” beschreibt die Verzweiflung, die einen modern denkenden Spanier angesichts solcher Aktionen befällt: “Das ständige Gefühl des “déja vu”, das wir, die wir uns bereits in einem respektablen Alter befinden, haben, ist der Tatsache geschuldet, dass das vergangene Jahrhundert angehalten wurde und dass die Zeit sogar noch mehr zurückgedreht wird. Eine kuriose aber deprimierende Erfahrung, von der wir gedacht haben, dass wir sie nicht mehr erleben werden. Unsere Enkel haben bereits im Garten gebuddelt und spielen jetzt zwischen Halluzinationen und Ergötzlichkeiten, von denen wir gedacht haben, dass sie längst begraben wurden. ¡Porca miseria!”

Informationsquelle
El Ayuntamiento socialista de La Línea nombra a una virgen alcaldesa perpetua – andaluces.es