Freitag, 6. Dezember 2013

Dacia Renault verschnupft über rumänische Autobahnpläne

Die rumänische Regierung hat vor kurzem ihre Planung zum Ausbau des rumänischen Autobahnnetzes vorgelegt. Danach sollen bis zum Jahr 2020 über 1.200 Autobahnkilometer neu gebaut werden. Die Zeitung “Romania Libera” schreibt dazu, dass es in Rumänien seit der Revolution 5 bis 10 solcher Ausbaupläne gab, aber kein einziger Plan erfüllt worden sei. Trotzdem wächst das rumänische Autobahnnetz, wenn auch sehr langsam. Zur Zeit stehen aus dem EU-Kohäsionsfonds dafür 3 Milliarden Euro zur Verfügung.

Ministerpräsident Ponta will mit diesem Geld erst einmal die Autobahn Bacău-Roman mit Abzweigungen nach Iaşi und Târgu Neamţ erstellen lassen. Wo das liegt? Östlich des Karpatenbogens, in der rumänischen Moldau-Region Richtung Grenze Moldawien. Als nächstes soll die Strecke Piteşti-Râmnicu Vâlcea ausgebaut werden. Von Piteşti bis Bukarest gibt es dann das lange Zeit einzig existierende Autobahnteilstück nach Bukarest. Weitere Ausbaupläne beziehen sich auf CraiovaCalafat an der rumänisch-bulgarischen Grenze und Bukarest – Alexandria (Richtung Donau). An Mittel- und Westeuropa sollte Rumänien über die Autobahn vom ungarisch-rumänischen Grenzort Nadlac über Arad, Sibiu / Hermannstadt nach Bukarest angeschlossen werden.

Vor allem die Autobahn von Nadlac nach Hermannstadt und weiter nach Bukarest ist von besonderer Bedeutung. Und ausgerechnet hier hat sich die Regierung eine neue Trassenführung überlegt. Die bisherige Streckenführung der entsprechenden stark befahrenen Nationalstraße querte die Karpaten von Hermannstadt nach Süden durch das Olt-Tal  und erreichte in Râmnicu Vâlcea die Walachei und führte dann nach Piteşti und Bukarest. Eine Abzweigung in Râmnicu Vâlcea verband auch die Stadt Craiova mit Straße durch das Olt-Tal. Die Regierung will jetzt, dass diese Autobahn von Hermannstadt Richtung Braşov / Kronstadt weitergeführt wird und von dort über den Pass bei Predeal durch das Prahova-Tal nach Ploieşti und weiter nach Bukarest führt.

Führt schon die neue Priorität für das Autobahnstück Bukarest nach Alexandria, wo das Verkehrsaufkommen keine Notwendigkeit für eine Autobahn erforderlich macht, zu einigem Kopfschütteln bei den Rumänen, so erregt die neue Streckenführung der Siebenbürgen-Autobahn nach Bukarest zu geharnischten Protesten eines wichtigen Industriezweiges, der Autoindustrie. Die Traditionsfirma “Dacia”, zum Renault-Konzern gehörend, hat nämlich ihren Sitz in Piteşti. Sie wünscht sich nichts dringender wie eine Autobahnverbindung durch das Olt-Tal nach Westeuropa, die die überlastete Nationalstraße ablösen sollte. Den Ausbau dieser Strecke hat die Regierung um 10 Jahre zugunsten der anderen Projekte verschoben, sie will stattdessen diesen Teil nur als “Weekend”-Autobahn ausbauen, was auch immer das bedeuten soll. Dacia stellt klar, dass das ganze Blödsinn ist. Ein Sprecher erklärte: “Es ist verrückt, dass man einen Wettbewerb zwischen den beiden Trassen aufbaut. Die Regierung ignoriert die Tatsache, dass die Strecke nach Kronstadt nicht die Zustimmung der EU hat und ignoriert die Tatsache, dass die Strecke Piteşti – Hermannstadt Teil eines internationalen Korridors ist. Die kürzlich im Parlament gemachte Verschiebung der Planung bezüglich des Ausbaus der Autobahn Piteşti – Râmnicu Vâlcea und von da nach Hermannstadt bis 2022 hat uns die Sprache verschlagen”. Dacia rechnet mit Mehrkosten von 10 Millionen Euro jährlich bezüglich der Exporttransportkosten, wenn die Autobahn über Bukarest – Kronstadt führen würde. Die durchschnittliche Geschwindigkeit der LKW’s durch das Olt-Tal beträgt zur Zeit 37 km/h. Von dieser Straße hängt auch Ford ab, die in Craiova ihre rumänische Produktionsstätte haben.

Informationsquelle
Şase motive pentru care autostrăzile lui Ponta vor rămâne pe hârtie –Romania Libera