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Rio de Janeiro: Kriminalität an touristischen Brennpunkten wächst

Da hat Rio schon auf mehr Ruhe und Frieden auf Grund der Aktionen der Polizei gehofft, aber schon flammt die Kriminalität von Neuem auf. Und das im Anblick der Fußball-WM im kommenden Jahr. Angestiegen sind die Delikte Raub und Diebstahl und die besonders betroffenen Gebiet sind die Viertel Lapa, Santa Teresa und Tijuca. Die Bandenüberfälle an den Stränden Rio’s nehmen zu, vor allem bei Einbruch der Nacht. Am gefährlichsten ist es zur Zeit im National Park von Tijuca, von wo die Wege zum Corcovado führen und wo die meisten Überfälle in letzter Zeit gezählt wurden.

Gegenüber 2012 haben z.B. im Stadtteil Santa Teresa die Überfälle um 39% zugenommen. Am Feiertag “Zumbi dos Palmares” (20. November) störten Banden die Strandbesucher erheblich. Es gab viel Unruhe und viele Verhaftungen. Eine Woche darauf kam es wegen der Überfälle am Strand von Copacabana zu panikartigen Szenen von Anwohnern und Touristen. Am 1. Dezember wurde bei einem Überfall ein 19-Jähriger erschossen und am folgenden Tag ein Obdachloser erstochen.

Am 3. Dezember begann die Stadtverwaltung mit der “Operation Sommer” (Operação Verão) an den Stränden. Deren Ziel ist die Unterdrückung des illegalen Handels, des Parkens an verbotenen Stellen, das Verbot sportlicher Betätigung, die die Badenden stören und die Mitnahme von Tieren an den Strand. Während sich also die Verwaltung um die Strände kümmern, sind im Stadtteil Lapa und im Zentrum die fehlende Sicherheit buchstäblich greifbar. Die Varietés und Restaurants im Lapa sind beliebte Touristenattraktionen. Durch die steigende Kriminalität meiden immer mehr Touristen den Ort und die Besitzer der Lokale beklagen sich über Einnahmeausfälle.

Die Praça Tiradentes (Tiradentes Platz), die zum öffentlichen Kulturerbe gehört und vor kurzem vollständig renoviert wurde, ist inzwischen gezeichnet von einer alarmierenden Zunahme von “Crack”-Konsumenten, Überfällen und neu entstandenen Bordellen. Die Polizei lässt sich dort so gut wie nicht blicken, obwohl an diesem Ort sich auch die bekanntesten Theater von Rio, das “Carlos Gomes” und “João Caetano” befinden. Ein Sicherheitsexperte erzählt, dass er in den letzten Monaten eine erhebliche Verschlechterung der Sicherheitssituation an der Praça Tiradentes feststellen konnte und das obwohl es in dem Viertel ein Bataillon der Militärpolizei, das Hauptquartier der Militärpolizei und eine Polizeidienststelle gebe. Aber es gebe kaum Patrouillen und die Schar der Drogenkonsumenten am Platz habe beängstigend zugenommen. Und bezüglich der Prostitution berichtet er: “Vor kurzem als ich über den Platz ging, drückte mir eine Frau einen Zettel in die Hand, auf dem stand “halbe Stunde für R$ 15” Er befragte die Prostituierte und erfuhr, dass der Ort von Drogenabhängigen übernommen worden war und sie berichtete: “Ich konnte noch nie eine solche Zunahme von Drogenabhängigen hier auf dem Platz beobachten. Das bringt nichts, wenn der Ort schön ist, aber ohne Sicherheit. Klar, dass das unsere Arbeit erheblich beeinträchtigt. Meine Klientel sind zum Beispiel ältere Männer und die wollen nichts riskieren bei der Gewalt, die hier vor kurzem geherrscht hat.”

Nachdem mehrere Favelas von der Polizei befriedet wurden, sind nach Ansicht von Sicherheitsexperten die Banditen zu einer neuen Taktik übergegangen. Die Art der Delikte, deren Zunahme zu beobachten ist, lassen auf Banditen aus der “zweiten Reihe” schließen, die nachts heimlich von den Favelas herabsteigen. Ein Wissenschaftler der Bundesuniversität von Rio fertigte eine umfassende Studie, die die Gründe für die wachsende Kriminalität an den touristischen Brennpunkten, benennt. Nach Meinung des Wissenschaftlers haben die Banditen die mit teuren Kameras, Schmuck und anderen Wertsachen ausgestatteten Touristen als günstige Opfer entdeckt. Der Staat habe zwar die kriminellen Zentren an der Peripherie befriedet, habe aber damit für eine Verstreuung der Kriminellen über die ganze Stadt gesorgt. Aus der Studie geht auch hervor, dass der Konsum von Crack in Rio beängstigende Ausmaße angenommen hat. Und das nicht zuletzt wegen der Auflösung der alten Drogenbanden, die früher mit anderen Drogen handelten.

Informationsquelle
Criminalidade cresce em pontos turísticos do Rio – Jornal do Brasil

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