Dienstag, 17. Dezember 2013

Rumänisches oder vietnamesisches Schwein als Weihnachtsbraten?

Diese Frage bewegt die Zeitung Adevarul. Rumänen sind große Fleischesser und beim Konsum spielt das Schweinefleisch eine große Rolle. Die Fleisch- und Wursttheken der Lebensmittelmärkte quellen über. Bis zur Jahrtausendwende war die Haus- oder besser gesagt Straßenschlachtung sehr beliebt in Rumänien. Im Herbst hingen an den laublosen Bäumen zwischen Bukarest und der Donaustadt Giurgiu Schweinehälften. Geschlachtet wurden die armen Tiere auf offener Straße und zur besseren Bearbeitung in die Bäume gehängt. Nur an Ostern wurden sie von Lämmern abgelöst. Dem hat die EU mit ihren Hygiene-Richtlinien einen Riegel vorgeschoben.

Wir nahen uns Weihnachten und da spielt der Weihnachtsbraten eine wichtige Rolle. Dem rumänischen Schwein macht jetzt das Schwein einer vietnamesischen Rasse Konkurrenz. Der Einkauf der Ferkel ist billig, aber bei Schlachtreife bekommt man für die vietnamesische Version das vierfache oder mehr eines rumänischen Schweines. Zudem gelten die Vietnamesen-Schweine als ökologisch, weil sie nur Gemüse fressen. Wer aus Patriotismus trotzdem ein rumänisches Schwein essen möchte, der sollte das “Marele Alb” (das große Weiße) nehmen, denn es wird der Tradition entsprechend von den Bauern nur mit Mais, Weizenschrot und Grünfutter gefüttert.

Aber gegen die Vorzüge des vietnamesischen Schweins hat es auch das Große Weiße aus Rumänien schwer. Adevarul berichtet von einem Schweinezüchter, der diese Schweineart in den höchsten Tönen lobt: Es wird nicht schwerer wie 80 kg, enthält kein Cholesterol und kann auch von solchen Menschen gegessen werden, denen der Doktor das Schweinefleisch verboten hat. Da atmet die Welt der am Genuss von zu viel Schweinefleisch erkrankten Menschen in Rumänien auf. Hier verspricht jemand Genuss ohne Reue.

Es gibt auch noch viele kleine Schweinezüchter in Rumänien. Das Ehepaar Ioana und Ionel hat Adevarul zu Wort kommen lassen. Die beiden ziehen jedes Jahr 2 Schweine auf. Eines wird ihrem Haushalt geopfert und das zweite wird verkauft. Die beiden sind überzeugt, dass ihre Schweine gesund sind und sie schwören darauf, dass diese nur mit Mais, Weizenschrot und Grünfutter gefüttert wurden. Frau Ioana erzählt. “Ich habe sie alleine groß gezogen, denn unser Opa ist krank. Ich habe das ganze Jahr schwer gearbeitet, um sie groß zu bekommen und nun muss ich eins weggeben. Eines schlachten und das andere verkaufen wir. Der Preis ist nicht gerade gut, aber so ist es halt”, meint sie. Ihre Ehemann ist da anderer Meinung: “Wir bekommen jedes Jahr etwas mehr dafür, Wir sind zufrieden. Eines schlachten wir und das andere wird verkauft. Wir geben es mit 10 Lei (2,25 €) pro Kilo ab. Es ist nicht schwer Kunden zu finden, Jetzt ist ja die Saison dafür. Die Leute müssen wissen, dass die Schweine, die hierzulande hochgezogen werden, besser sind. Ich zum Beispiel gebe ihnen Mais, Grünzeug, Hülfsenfrüchte und Schrot.”

Aber wird da nicht wieder entgegen den Vorschriften der hygieneversessenen EU privat geschlachtet? Manches deutet daraufhin. Ein Tierarzt weist daraufhin, dass auf jeden Fall eine Überprüfung der Schweine auf Trichinen vorgeschrieben sei. Die Trichinenschau koste auch nur 10-12 Lei. Das wäre nicht teuer und es sei wichtig, dass man das Fleisch eines gesunden Schweines esse. Die rumänischen Märkte füllen sich in den letzten Tagen mit Angeboten an schlachtreifen Schweinen, sogar im Internet kam man sie inzwischen kaufen. Die Rumänen sind überzeugt, dass die Schweine die ideale Grundlage sind, um die traditionellen Schweinefleischgerichte an Weihnachten auf den Tisch stellen zu können.

Informationsquelle
Porcul românesc vs. porcul vietnamez: plusuri şi minusuri – Adevarul