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Wie die Schweizer sich selbst feiern

Der 1. August ist der Schweizer Nationalfeiertag. Es war gestern ein sehr heißer Tag zum Feiern. Bundesrat Schneider-Amman erfreute sich bereits um 9 Uhr morgens an der heimeligen Atmosphäre auf dem Bauernhof. 400 Bauernfamilien hatten zum “Buure-Zmorgä” eingeladen, für viele eher denglisch gebildete Schweizer nannte sich das “Brunch beim Bauern”. Es gab knuspriges Brot, Rösti, Eier vom Hof und frische Milch.

Was wäre ein Feiertag ohne Poltiker-Reden: SVP-Bundesrat Ueli Maurer klagte in Biel, die Schweiz sei in letzter Zeit unter Druck gesetzt und erpresst worden, aber sie werde siegen wie “David gegen Goliath”. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf meinte dagegen, es bringe nichts, Feindbilder heraufzubeschwören. Die Schweiz stehe nicht am Abgrund. Bundesrätin Simonetta Sommaruga erinnerte daran, dass die Welt nicht untergeht, wenn einschneidende Veränderungen anstehen und erinnerte an die Einführung des Frauenstimmrechts 1971, wo zuvor auch Weltuntergangsstimmung herrschte. CVP-Präsident Christophe Darbellay rief in Saas-Balen zum Patriotismus auf und schimpfte Aussenminister Burkhalter einen «Nachgeber-Minister» gegenüber der EU. Der Super-Schweizer und SVP Nationalrat Christoph Blocher hat Angst vor fremden Richtern und sieht die Schweiz in einem Wirtschaftskrieg. Dabei greift er auf den Stand des Jahres 1291 zurück, wo die europäischen Großmächte den Schweizer Urkantonen ans Leder wollten. SP-Bundesrat Alain Berset war der Meinung, dass die Schweiz nicht von Feinden umzingelt sei und gab die Losung “Rückbesinnung und Fortschritt” aus. Maya Graf, Präsidentin des Nationalsrats und Grüne aus Basel, sprach sich für eine Demokratie aus, die von allen getragen werde und darum alle miteinbeziehe. In der Schweiz funktioniere die Demokratie sehr gut, in vielen Ländern sei sie aber nicht selbstverständlich.

Kommentarschreiber Alois mag sie nicht mehr hören, die Politiker: “Ja die Schweiz existiert für mich nicht mehr, sie hat sich schon abgeschafft ! Ich habe mir keine einzige Rede von unseren Bundesräten angehört, weil sie jedes Jahr über sogenannten Zusammenhalt redet, den es gar nicht mehr gibt !” Ein anderer hat eine Vision: “1. August 2035. Der Kt. BE und weite Teile der CH sind jetzt total globalisiert, keine eigenen Hotelbesitzer mehr, total verarmt und mit tausenden von Arbeitslosen. Die Zuschüsse an diejenigen haben sich von 1,2 Mia. verdreifacht. Die CH möchte jetzt der EU beitreten und hat ein Gesuch eingereicht. Die Aufnahme scheitert aber am Veto Kosovo. Von nun an gilt überall der 3. Land Status.”

Die Schweiz ist weiterhin zerrissen und der Hauptstreitpunkt ist immer noch die Stellung der Schweiz in oder außerhalb der Europäischen Union. Wenn man die Zeichen der Zeit richtig liest, dann zeichnet sich aber doch langsam ein Blick für mehr Realismus in der Europa-Politik bei der Schweizer Bevölkerung ab. Nachdem nun das Steuergeheimnis nur noch eine Ruine ist, kann man sich in der Tat auf sinnvollere Werte konzentrieren und dazu gehört, dass die Schweiz mitten in der Europäischen Union liegt und man mit ihr zusammen leben muss, ob man das will oder nicht. Dass man mit Ironie Politik machen kann, zeigte eine kleine Gruppe von Demonstranten beim Auftritt von Bundesrat Maurer, der sich in der Regierung ums Militär kümmert: “Sie trugen Militäruniformen und Clownnasen und waren mit Wasserpistolen bewaffnet. Sie stellten sich hinter Maurer auf und liessen ein paar Papierflieger steigen. Die Wasserpistolen kamen nicht zum Einsatz.” In der Schweiz steht eine Abstimmung zur Abschaffung der Milizarmee an. Für die Rechten ist diese Abstimmung ein Sakrileg, aber so funktioniert sie halt, die Schweizer Demokratie.

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