Samstag, 24. August 2013

Ein männlicher Kuss und seine Folgen

Der Fußballer Emerson Sheik, Stürmer des Clubs Corinthians von São Paulo, sorgte vor kurzem für Aufregung in Brasilien. Nach einem gewonnen Spiel seines Clubs über Curitiba begab er sich in das Restaurant seines Freundes Isaac Azar. Dort kam er auf eine Idee, die sein Freund Isaac wie folgt beschrieb:

"Gestern war Emerson mit seiner Verlobten bei mir. Ich und einige Freunde waren da und wir haben vereinbart: Wir werden einmal provozieren. Wir wollen doch mal sehen wie groß die Vorurteile noch sind". Gesagt getan, die beiden setzten sich gegenüber und küssten sich intensiv auf die Lippen. Per Handy wurde das aufgenommen und über Instagram in der brasilianischen Internet-Welt verbreitet. Es war also eine Provokation, um die Vorurteile in der Gesellschaft gegen Homosexuelle zu testen. Der Versuch war gelungen, denn vor allem die Fußball-Fans reagierten in einer aggressiven Weise mit homophoben Vorurteilen gegen den küssenden Fußballer.

Im Grunde hat sich im brasilianischen Fußball bezüglich der Toleranz gegenüber Homosexuellen nicht viel getan. Der brasilianische Fußballverband sieht kein Problem und die Profi-Clubs zeichnen sich auch durch Passivität aus. Emerson Sheik beschreibt die Situation:
"Man muss sehr mutig sein, um seine Freundschaft ohne Angst vor den Vorurteilen der anderen zu feiern. Man muss schon sehr locker sein, um seinen Sieg so zu feiern, mit einem entschlossenen Gesicht, mit einem Freund, der dich immer unterstützt hat. Heute ist ein spezieller Tag.  Wir haben gewonnen, wir sind einen Schritt näher an den führenden Mannschaften. Es ist ein Tag, den man im besten Restaurant São Paulo's mit dem besten Freund der Welt, Isaac, feiern sollte. Ach ja, ich hab's schon fast vergessen, falls ihr wieder dumme Scherze wegen des Fotos machen wollt, schaut es im Internet vorher noch einmal an, damit ihr keine Zweifel habt".


Der Erzieher und Autor einer Dissertation mit dem Titel "Ich singe, trinke und streite ..... Freude meines Herzens: Männliche Lebensläufe in den Fußballstadien", Gustavo Andrada Bandeira, erklärt den Stand der Dinge in Brasiliens Stadien wie folgt: "Die Fußballclubs, die Sportpresse und andere Aktivisten, die mit dem Fußball zu tun haben, legitimieren die Homophobie, indem sie seine Existenz totschweigen. Weil die homophoben Beschimpfungen nicht getadelt werden, werden sie für selbstverständlich gehalten. Unsere großen Clubs habe alle etwa die gleiche Geschichte. Ich sehe im Moment keinen brasilianischen Fußball-Club, der politisch Flagge zeigt, dass er anders denkt."


Vielleicht gibt dieser herzhafte Kuss tatsächlich einen Anstoß zum Nachdenken.


Informationsquelle:
Sheik comemora vitória do Corinthians com selinho em amigo
É hora de discutir a homofobia no futebol - BrasilAtual