Direkt zum Hauptbereich

Ein männlicher Kuss und seine Folgen

Der Fußballer Emerson Sheik, Stürmer des Clubs Corinthians von São Paulo, sorgte vor kurzem für Aufregung in Brasilien. Nach einem gewonnen Spiel seines Clubs über Curitiba begab er sich in das Restaurant seines Freundes Isaac Azar. Dort kam er auf eine Idee, die sein Freund Isaac wie folgt beschrieb:

"Gestern war Emerson mit seiner Verlobten bei mir. Ich und einige Freunde waren da und wir haben vereinbart: Wir werden einmal provozieren. Wir wollen doch mal sehen wie groß die Vorurteile noch sind". Gesagt getan, die beiden setzten sich gegenüber und küssten sich intensiv auf die Lippen. Per Handy wurde das aufgenommen und über Instagram in der brasilianischen Internet-Welt verbreitet. Es war also eine Provokation, um die Vorurteile in der Gesellschaft gegen Homosexuelle zu testen. Der Versuch war gelungen, denn vor allem die Fußball-Fans reagierten in einer aggressiven Weise mit homophoben Vorurteilen gegen den küssenden Fußballer.

Im Grunde hat sich im brasilianischen Fußball bezüglich der Toleranz gegenüber Homosexuellen nicht viel getan. Der brasilianische Fußballverband sieht kein Problem und die Profi-Clubs zeichnen sich auch durch Passivität aus. Emerson Sheik beschreibt die Situation:
"Man muss sehr mutig sein, um seine Freundschaft ohne Angst vor den Vorurteilen der anderen zu feiern. Man muss schon sehr locker sein, um seinen Sieg so zu feiern, mit einem entschlossenen Gesicht, mit einem Freund, der dich immer unterstützt hat. Heute ist ein spezieller Tag.  Wir haben gewonnen, wir sind einen Schritt näher an den führenden Mannschaften. Es ist ein Tag, den man im besten Restaurant São Paulo's mit dem besten Freund der Welt, Isaac, feiern sollte. Ach ja, ich hab's schon fast vergessen, falls ihr wieder dumme Scherze wegen des Fotos machen wollt, schaut es im Internet vorher noch einmal an, damit ihr keine Zweifel habt".


Der Erzieher und Autor einer Dissertation mit dem Titel "Ich singe, trinke und streite ..... Freude meines Herzens: Männliche Lebensläufe in den Fußballstadien", Gustavo Andrada Bandeira, erklärt den Stand der Dinge in Brasiliens Stadien wie folgt: "Die Fußballclubs, die Sportpresse und andere Aktivisten, die mit dem Fußball zu tun haben, legitimieren die Homophobie, indem sie seine Existenz totschweigen. Weil die homophoben Beschimpfungen nicht getadelt werden, werden sie für selbstverständlich gehalten. Unsere großen Clubs habe alle etwa die gleiche Geschichte. Ich sehe im Moment keinen brasilianischen Fußball-Club, der politisch Flagge zeigt, dass er anders denkt."


Vielleicht gibt dieser herzhafte Kuss tatsächlich einen Anstoß zum Nachdenken.


Informationsquelle:
Sheik comemora vitória do Corinthians com selinho em amigo
É hora de discutir a homofobia no futebol - BrasilAtual

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …