Samstag, 2. Juni 2012

Zwergschulen haben in Spanien keine Zukunft

Vor 10 Jahren gab es in Spanien noch 91.000 Schüler im ländlichen Bereich. Im Schuljahr 2009-2010 waren es nur noch 54.000. Die Gründe dafür sind nicht nur in der Landflucht zu suchen, sondern auch bei der Wirtschaftskrise und in ihrem Gefolge bei den Kürzungen im Bildungsbereich.

Im ländlichen Spanien gibt es immer noch Schulen, die man nach deutschen Maßstäben als Zwergschulen einstufen würde. In ihnen unterrichtet in einem Raum ein Lehrer/in Schüler zwischen 3 und 12 Jahren. Er oder sie wird unterstützt von "fliegenden" Lehrern, die den Unterricht in den Fächern Musik, Englisch und Sport ergänzen.

Die autonome Region Castilla- La Mancha hat bereits die Schließung von 71 Zwergschulen angekündigt. Angeblich nicht um Geld zu sparen, der Einspareffekt sei zu gering, sondern, weil an den größeren Schulzentren die Schüler besser gefördert werden können.

Während in Castilla-La Mancha das so hingenommen wird, formiert sich in anderen Regionen der Widerstand. In der Provinz Teruel, eine Region mit sehr vielen Zwergschulen, kam es zu ersten Protesten von Seiten des Lehrpersonals. Die Protestierenden fürchten die sozialen Folgen für die kleinen Dörfer. Dörfer, in denen man bereits früher kleine Schulen geschlossen habe, wären inzwischen tot, ist die Argumentation. “Ein Dorf ohne Kinder ist ein totes Dorf”, erklärt eine betroffene Lehrerin. Die Wissenschaftlerin von der Universität Barcelona, Roser Boix meint dazu: "Vielleicht ist die Beibehaltung dieser Schulen teurer, aber wir sprechen hier von Personen, Kindern, Familien und auf lange Sicht von sozialer und kultureller Entwurzelung, die sehr hoch sein wird bei Wegfall einer Landschule.”

Befürworter der Zwergschulen verweisen auf gute Erfahrungen in der Region Castilla-Leon, wo die Schüler im PISA-Test besser abgeschnitten haben sollen wie deutsche Schüler. Roser Boix verweist auf die Vorzüge einer Landschule: “In Schulen mit einem Unterrichtsraum hört man und sieht man alles, das heißt, die Schüler der unteren Klassen hören und teilen in vielen Gelegenheiten Wissen, dass für die älteren Schüler bestimmt ist. Diese Tatsache ist für die Entwicklung der Schüler wichtig, die jüngeren lernen von den älteren und umgekehrt, “ Befürworter weisen auch daraufhin, dass an solchen Schulen ein individueller Unterricht eher möglich sei, ein Erfordernis, das die OECD, die für die Erstellung der PISA-Studie verantwortlich ist, für sehr wichtig hält. 

Die Landflucht ist in Spanien ein sehr drängendes Problem. Die Dörfer liegen zum Teil weit von größeren Zentren weg. In vielen von ihnen leben nur noch alte Leute und es ist abzusehen, dass die Dörfer immer mehr verschwinden werden. Die Schließung von Dorfschulen würde das Problem der sterbenden Dörfer noch verstärken.
 
Informationsquelle
Escuela rural en peligro de extinción – El Pais