Direkt zum Hauptbereich

Spanien gibt im Ausweisungs-Krieg mit Brasilien klein bei

Spanien ist Mitglied des Schengener Abkommens. Dieses Abkommen der Europäischen Union beinhaltet rigide Regeln gegen die Einreise von nicht erwünschten Ausländern. Es beinhaltet die Visapflicht für Staaten, denen man nicht so richtig traut. Brasilianische Staatsangehörige sind in einer Liste enthalten, die für 3 Monate ohne Arbeitsaufnahme visumfrei in Länder der EU-Schengen einreisen dürfen. Trotzdem unterliegen sie Regeln, die verhindern sollen, dass sie nicht illegal bleiben oder dem Empfangsland auf der Tasche liegen wollen.

Die spanische Grenzpolizei muss letzteres als ein Freibrief für akribische Kontrollen und einer Entscheidung nach dem Motto “im Zweifel wir abgeschoben” ausgelegt haben. Und das insbesondere gegenüber Brasilianern. Im Jahr 2008 kam es zum großen Knall. Etwa ein Tausend Brasilianer wurden in diesem Jahr von den Spaniern nach Brasilien abgeschoben. Viele Brasilianer schafften gerade einmal den Flug nach Madrid-Barajas, wo sie wiederum von der Grenzpolizei umgehend in das nächste Flugzeug nach Brasilien gesetzt wurden. Dabei gingen die Spanier wohl in göttlicher Arroganz ziemlich wahllos vor. Unter den Abgeschobenen befanden sich Touristen, Geschäftsreisende und Wissenschaftler. Der Gipfelpunkt der Arroganz spanischer Grenzer sahen vor kurzem die brasilianischen Medien bei der Abschiebung einer alten Frau aus Brasilien, die im Rollstuhl saß und nach ihrer Ankunft in Madrid sofort in das Flugzeug zurück nach Brasilien geschoben wurde. Dann wurde auch der brasilianische Künstler Menelaw, der in Madrid zu einer Kulturveranstaltung war, von der spanischen Grenzpolizei verhaftet und an seinem Weiterflug nach Mailand gehindert. Stattdessen wurde er in das nächste Flugzeug nach Brasilien gesetzt.

Brasilien entschied sich darauf nach einem Sturm in den Medien zu dem Motto “Wie du mir, so ich dir” und verschärfte die Einreisebestimmungen gegen Spanier. Brasilianische Grenzer können, wenn man ihnen freie Leine lässt, zumindest genauso arrogant sein wie ihre spanischen Kollegen. Beiden gefällt es “Gott Allmächtig” zu spielen. Am Flughafen in Rio wurden also gesonderte Schalter für Spanier eingerichtet und daraufhin wurde akribisch geprüft, ob der/die Einreisende würdig war, das Land betreten zu dürfen. Einen drauf gelegt haben die Brasilianer im April dieses Jahres: Ab diesem Zeitpunkt gelten genau die gleichen Einreisebestimmungen für Spanier wie diejenigen, die die Spanier für Brasilianer für die Einreise in ihr Land bereit halten. So müssen Spanier bei Einreise ein Rückflugticket vorlegen, müssen genügend Geldmittel zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts in Brasilien, eine Hotelreservierungsbestätigung oder Einladung durch Brasilianer nachweisen.

2008 schwammen die Spanier noch oben auf. Dem Land stand die deprimierende Wirtschaftskrise noch bevor. Umgekehrt ging es mit Brasilien immer mehr bergauf. Das Land gewann als kommende Wirtschaftssupermacht immer mehr Prestige. Inzwischen suchen mehr Spanier in Brasilien eine Arbeit wie umgekehrt. Höchste Zeit für die spanische Diplomatie tätig zu werden. Zur Beendigung des Krieges begab sich der spanische Außenminister José Manuel García-Margallo am 16. Mai zu seinem Kollegen, Antonio Patriota, nach Brasilien. Der spanische Außenminister versprach dem Brasilianer, dass Spanien diesen “Grenz-Krieg” beenden wolle. Spanien werde die strengen Kontrollen für Brasilianer lockern, dies sei für sein Land “eine Verpflichtung und nicht nur ein Versprechen”. Bei soviel Wohlwollen versicherte der brasilianische Außenminister, dass in diesem Fall auch Brasilien die Maßnahmen gegen spanische Staatsangehörige aufheben werde. In Madrid soll es bereits eine neue Regelung geben, die die bisherigen Kontrollen bei Brasilianern mildern. Aus Kreisen der spanischen Verwaltung wird allerdings unter Hinweis auf die Schwerhörigkeit seiner Grenzbeamten darauf hingewiesen, dass die neue Regelung noch nicht zu 100% bei seinen Beamten angekommen ist.

Was den Brasilianern recht ist, scheinen inzwischen auch die Mexikaner zu wollen. Die mexikanische Regierung beschwert sich über die schlechte Behandlung seiner Staatsangehörigen bei der Ankunft in Spanien. Sie droht mit Gegenmaßnahmen. Irgendetwas scheint bei der spanischen Grenzwacht nicht zu stimmen: Wie wäre es, wenn man auch Ausländer einfach mal als Menschen behandeln würde? Oder wie es einmal ein deutscher Staatsminister formulierte, den Grundsatz “im Zweifel für die Reisefreiheit” anwendet?

Siehe auch:
Europa hat kein Herz für Brasilianer

Informationsquelle
España y Brasil negocian un fin a la ‘guerra de repatriaciones’ – El Pais

Beliebte Beiträge

Ikonen küssen kann tödlich sein

In rumänisch-orthodoxen Kirchen sind die Heiligenbilder im Ikonenstil ein fester Bestandteil des Inventars und die Bilder von besonders wunderwirkenden Heiligen haben einen herausragenden Platz. Zu ihnen pilgern alle, die sich etwas von Ihnen erhoffen und als besondere Verbindung zwischen Gläubigen und dem/der Heiligen gilt der Kuss auf die Ikone. Viele Ikonen sind an bestimmten Stellen dadurch schon ziemlich in Mitleidenschafft gezogen.

Das Orthodox-Wiki erklärt den Brauch so:

Der Kuss
Der Kuss ist ein in der Orthodoxie tief verwurzelter Brauch. Wenn man in die Kirche geht, gibt es die Gewohnheit der orthodoxen Christen die Ikonen zu verehren oder zu küssen. Durch diese Handlung zeigt der Christ Liebe und Respekt für die Geschenke und Taten Gottes für den Menschen.

Genauso küsst der Gläubige die rechte Hand des Priesters bei bestimmten Gelegenheiten. Mit der rechten Hand gibt der Priester den Wilkommensgruß, der nicht von ihm kommt, sondern von Gott. Durch diesen Akt der Verehrung e…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Spanien muss sich seiner Geschichte stellen, dann kann auch Katalonien seinen Platz finden

Spanien hatte mal einen blutigen Diktator, der als Sieger aus dem Bürgerkrieg (1936-1939) dank der Hilfe von Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien hervorging. Francisco Franco terrorisierte das Land im Verbund mit seinen Generälen und den spanischen Faschisten mit seiner Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1975.

"Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien", ist in Wikipedia zu lesen. Vor seinem Tod setzte Franco den König wieder als Staatsoberhaupt ein. Ein König der in den faschistischen Militärakademien ausgebildet wurde. Das Volk wurde zur Wiedereinführung der Monarchie nicht befragt. Spanien gab sich dann eine Verfassung, die im Rahmen der "Transition" keinen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit machte. Die Generäle drohten im Hintergrund, jede ihnen nicht passende…