Sonntag, 3. Juni 2012

Die Queen in Augenhöhe mit Kim Il Sung

Auch die Briten mokieren sich gerne über den Personenkult in Nordkorea, der dem Clan des Kim Il Sung und seinen Nachfolgern gewährt wird. Während in Nordkorea die Partei das Volk dazu orchestriert, ob des Todes ihres geliebten Führers öffentlich in Tränen auszubrechen, wird im Vereinigten Königreich das ganz subtil von den Hofschranzen und ihren Dienern in den Medien organisiert. Die “Queen” feiert ja derzeit ihre 60-jähriges Jubiläum der Thronbesteigung und dies ist Anlass genug ein überbordendes Spektakel zu inszenieren.

Der Journalistin Catherine Bennett geht das ziemlich auf den Wecker. In einem Kommentar für die Zeitung “The Guardian” fragt sie: “Ist die Queen eine Halbgöttin?” Und sie fährt fort: “Das scheint, nachdem nun im Umfeld ihres Jubiläums Lobreden auf ihre übernatürliche Beweglichkeit und Weisheit, Schönheit und Selbstverleugnung, Ausdauer und Hingabe geäußert wurden, die beste Erklärung für ihre Heldentaten zu sein.” Catherine Bennett zählt auch einige der übernatürliche Gaben die Königin auf. Zum Beispiel soll sie nicht schwitzen. “Sie errötet nicht”, meint ihr Schneider und “um genau zu sein, ihre Kleider knittern nicht”. Oder “Als schöne junge Frau, für ihr Alter äußerst klug, schien sie eher zu schweben als zu gehen”. Ihr Sohn ruft sich ihre “liebreizende Pose” und “natürlichen Charme” in Erinnerung. Die Königin hat man auch nie schnäuzen gesehen. Sie verfügt über wunderbare Heilkräfte, denn nach eigenen Aussagen kuriert sie sich und ihre Hunde selbst auf homöopathische Weise unter Nutzung einer speziellen Heilsalbe. Ihr Hut wurde ihr nie vom Kopf geblasen. Sie kommt nie zu spät. Ihre Kleidung harmoniert überproportional entweder mit ihrer Farbe oder dem Design. In ihrer wundersamen Kindheit war sie immer ehrerbietig und hat gehorcht. Ihr Kleider waren immer sorgfältig gefaltet.

In solchen Ergüssen ergehen sich die von der Propaganda durchtränkten Hofschreiber und sonstige im Glanz ihrer Majestät sonnenden Höflinge. Graham Smith von den britischen Republikanern beschreibt, warum man das ganze Jubiläumsgetöse nicht hinnehmen soll: “Die Königin besteht aus Fleisch und Blut wie der Rest von uns und sie hat ein Ergebnis in ihrem Amt, das man bewerten und in Frage stellen kann. Es reicht nicht einfach bei der Hype nach dem Motto “hat sie nicht gute Arbeit geleistet” mitzumachen, wenn wir uns selbst und dem Land eine intelligente und reife Debatte über die Form des Staatsoberhauptes leisten wollen. Diejenigen, die gegen eine Königin als Staatsoberhaupt sind, müssen frei sein, dies laut und erkennbar zu tun. Lasst uns nicht vergessen, dass die Königin nicht nur eine Monarchin ist, sondern eine Monarchistin und feurige Verfechterin einer Institution, die wir abschaffen wollen. Sie hat sich systematisch gegen alle Reformen gewandt, sie hat dafür gesorgt, dass ihre und die Finanzierung ihrer Familie mit öffentlichem Geld begünstigt wird. Und dies alles tut sie unter dem Deckmantel der Geheiminstuerei”.

Heute protestieren die Republikaner anlässlich des Schiffskorsos auf der Themse, der zu Ehren der Jubilarin abgehalten wird. Catherine S. twittert dazu: Scheint, dass viele Menschen zum “Jubileeprotest”  gekommen sind, das Gelände ist überfüllt. Vielleicht ist das Vereinigte Königreich doch viel republikanischer als wir gedacht hatten!”

Siehe auch:
Londoner Monarchie-Jubelorgien dank willfähriger Medien

Informationsquelle
Why we must protest at the pageant
New Elizabethans? No, our triumphs owe nothing to her – The Guardian