Freitag, 13. Januar 2012

Sevilla ist eine Stadt, wo man leicht betrogen und ausgetrickst wird

Das ist nicht meine Meinung, sondern die eines alten Hochschullehrers, der seit 47 Jahren in Sevilla lebt und sich an der Universität Sevilla einen Ruf als Spezialist für moderne Geschichte gemacht hat. Es handelt sich um Professor Álvarez Santaló. Er ist jetzt 73 Jahre alt und wurde in Jerez geboren. Er ist somit ein waschechter Andalusier. Eines seiner bekanntesten Werke ist eine Arbeit über “Soziale Marginalisierung und Mentalität in West-Andalusien (Marginación social y mentalidad en Andalucía Occidental).

In einem Interview mit dem Diario de Sevilla wurde er unter anderem gefragt, was seine Sicht von Sevilla sei. Seine Antwort lautete: “Es gibt zu viele Flaschenparties auf offener Strasse (botellones) und eine Decke von schlechter Erziehung, dieselbe, die es auch im Rest des Landes gibt. Überall gibt es Leute, die herumschreien. Was hier aber einzigartig ist, ist die Menge an Tricks, wir sind sehr geneigt über Tricks weiter zu kommen. Sevilla ist eine Stadt, die von Betrügereien lebt. Sevilla steht für keinerlei Avantgarde. Und wenn wir es auch einmal mit einer Geste von Avantgarde probieren, so haben wir zum Schluss genug Erfahrung, um zu wissen, dass die Sache passieren, weil sie halt passieren. Ich bin vom Sevillaner Stil nicht begeistert.”

Gefragt, ob das schon immer so war: “Hier gab es Leute, die diejenigen als “Glaubensmenschen” bezeichnet haben, die Anstoß zu freien Institutionen der Erziehung gegeben haben. Das ist technisch unmöglich, weil sie Intellektuelle des Verstandes und nicht des Glaubens waren. Denken wir einmal an einen Schlüsselmoment unserer Geschichte: Der Versuch im 16. Jahrhundert das freie Denken vom Kloster San Isidoro del Campo und von der Kathedrale von Sevilla aus zu fördern. Sie wurden von der Inquisition massakriert. Viele, die umgebracht wurden, waren Kanoniker, Prediger, Mönche. Im Gegensatz dazu setzte Holland darauf, die Türen für die Denker zu öffnen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Bücher in Freiheit zu verteilen. Sie wollten sie lieber haben als nicht haben. Zwei auseinandergehende Wege, die in den folgenden Jahren uns und sie getrennt haben.”

Auf diese heftige Kritik wurde er gefragt, welcher Trugschluss ihn am meisten ärgere und seine Antwort ist: “Der Spruch “wie haben jetzt eine besser ausgebildete Jugend” ist eine Beleidigung für diejenigen, die ihn lesen oder in der Kommunikationsmedien hören.” Da bleibt nur noch Resignation, die er mit seinem Schlusssatz auf die Frage “Was können sie jetzt noch für diese Stadt tun” zu erkennen gibt: “Ich kann Sevilla nicht ändern. Ich weiss auch nicht, ob ich dies gerne tun würde. Auch wenn ich glaube, dass im Laufe der Zeit Veränderungen kommen werden. Ich bin in Rente, in meinem Alter bleibt mir nur übrig zu lesen, nachzudenken, etwas zu schreiben, Fernsehkanäle zu zappen in Suche nach irgendeiner guten Sendung und das ist es dann auch.”

Siehe auch:
Das Botellódromo von Granada
Informationsquelle:
"Sevilla es ciudad tramposa y muy proclive a los trucos" – Diario de Sevilla