Donnerstag, 5. Januar 2012

Milliardär erpresst Rumänien mit Bulgarien

Ioan Niculae, geboren 1954, ist ein rumänischer Geschäftsmann. Ihm gehört die Firmengruppe “InterAgro”. Wikipedia (rumänisch) beschreibt seine Situation wie folgt: “Er besitzt Unternehmen mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (Zahlen von 2007). Er besitzt ungefähr 50.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche und ist einer größten Getreideanbauer Rumäniens. InterAgro verfügt über eine Silo-Lagerkapazität von 700.000 Getreide sowie 450.000 Tonnen in Lagerhallen. Des weiteren besitzt er 170 Hektar Weinberge. Die von Nicuale seit 2004 in der Landwirtschaft realisierten Investitionen in Rumänien werden auf 100 Millionen Euro geschätzt.” Niculae soll ehemaliger Securitate-Offizier sein. Auf der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt im Jahr 2010 belegt er den 880. Platz und ist damit der dritte Rumäne, der auf dieser Liste erscheint. Einem rumänischen Journalisten hatte er einmal erzählt, dass er sein Vermögen dadurch gemacht habe, dass er die vor der Revolution 1989 gemachten Erkenntnisse, die er im rumänischen Außenhandel erworben habe, für Spekulationen genutzt habe.

Niculae’s Geschäfte haben mehrfach Fragen aufgeworfen. Vor allem im Erdöl-Geschäft soll er mit unsauberen Praktiken aufgefallen sein. Auch im Zigarettengeschäft soll er mit der Firma “Galaxy Tobaco” Steuer hinterzogen haben. Und jetzt steht er im Verdacht, mit korrupten Angestellten der staatlichen Gas-Gesellschaft Romgaz seine Firma InterAgro begünstigende Verträge ausgehandelt zu haben. Romgaz-Angestelle sollen das Gas demzufolge unter dem Marktpreis verkauft haben. Zur Firmengruppe von InterAgro gehören auch die Chemiefirmen Amurco, DonauChem, GaProChemical und Amonil, die zu den größten Gasverbrauchern Rumäniens gehören. Es wurde in diesen Tagen ein Strafverfahren gegen 40 Personen eröffnet unter anderem auch gegen Niculae. Der Schaden für Romgaz und damit für den rumänischen Staat wird auf 126 Millionen Dollar beziffert.

Niculae ist jetzt unsterblich beleidigt und droht mit Abwanderung nach Bulgarien: “Die fast täglich neuen Maßnahmen der Regierung überraschen mich nicht. Im September werden ich den sozialen Sitz meiner Gesellschaft InterAgro nach Bulgarien verlegen. Ab dann unterliegen wir der bulgarischen Gesetzgebung und ich werde dort einen Sitz für die Firma suchen. Ich ziehe es vor die 10 % Vermögenssteuer und die sonstigen Steuern dem bulgarischen Staat zu zahlen und hier werde ich nur noch die Grund- und Gebäudesteuer bezahlen. Ich habe die Schnauze voll von den Maßnahmen der Regierung und auch auch von den fantastischen Aggressionen der Geheimdienste gegen die Geschäftsleute. Ich möchte nicht mehr zu jeder Tages- und Nachtzeit verhört werden, nur weil ich rumänischer Unternehmer bin.”

Der rumänische Staatspräsident, Traian Basescu, schlägt zurück: “Ich habe in den vergangenen Tagen einen Herrn getroffen. Er nennt sich Niculae, ein Herr aus Braşov / Kronstadt, Milliardär, der sagt, dass er nach Bulgarien umziehen werden, weil da die Steuern niedriger sind als die 10% Vermögenssteuer bei uns. Er scheint eine impertinente Person zu sein, dass er solche Erklärungen abgibt. Gut, Herr Niculae, jahrelang haben sie Gas zu Vorzugspreisen bekommen, schämen sie sich nicht? Willst du das billige Gas mit nach Bulgarien nehmen? Dort musst du 380 Dollar pro Kubikmeter bezahlen”.

Blufft Herr Niculae? Will er mit seiner Drohung den Staat gefügig machen? Sind 10% Vermögenssteuer für einen armen Milliardär wirklich zuviel des Guten?

Siehe auch:
Rumänischer Mais für unsere Autos

Informationsquelle:
Războiul declaraţiilor. Ioan Niculae: "Îmi mut afacerile în Bulgaria". Traian Băsescu: "Nu ţi-e ruşine?" – Adevarul