Dienstag, 24. Mai 2016

Zittern um’s Leben, eine vorolympische Erfahrung in Rio

Bis zum Beginn der Olympiade in Rio de Janeiro sind es noch etwa 2 Monate. Einige Sportler trainieren bereits vor Ort auf das große Ereignis, unter anderem auch Mitglieder der spanischen Seglermannschaft. Fernando Echávarri, Goldmedaillengewinner von Peking hatte dabei ein Erlebnis, das ihm und anderen Sportlern Angst macht vor dem, was sie an den Olympischen Spielen erwartet.

“In Rio wird zuerst geschossen und dann gefragt. Es ist nicht das erste Mal, dass wir in Rio überfallen werden, aber es ist das erste Mal, dass mir eine Pistole auf die  Brust gesetzt wurde”, berichtete Echávarri der spanischen Presse. Was war passiert? “Die Angreifer waren Jugendliche und sie standen unter Drogeneinfluss und waren sehr nervös. Es ist eine Schande, das Jugendliche, die eigentlich in einer Schule sein müssten, mit einer Pistole rumrennen”, schilderte Echávarri den Vorfall.

Die Zeitung “El Periodico” berichtet, dass es dabei zu keinen Personenschäden kam, aber ein Teil der Ausrüstung der Segler geraubt wurde. Diese Erfahrung zeige, wie schwierig es für die Athleten sei, ihr Training vor den Spielen durchzuführen. “Sich im olympischen Dorf mit Sportgeräten von tausenden von Euro zu bewegen ist eine Einladung für Vorfälle dieser Art”, berichtet die Zeitung.

Geradezu entsetzt berichtet die Zeitung, dass in Brasilien zur Zeit angesichts der politischen Lage nichts mehr normal sei. Es habe einen spektakulären Anstieg der Gewalt in Rio gegeben, eine Rückfall in vergangen geglaubte Zeiten. Nach einer neuesten statistischen Erhebung hat sich die Zahl der Tötungsdelikte in Rio in diesem Jahr um 15,4% erhöht, in Zahlen ausgedrückt “unglaubliche” 1.715 Fälle oder 11 Morde pro Tag. Die Zahl der Überfälle soll um 23,7% gestiegen sein. “38.641 Überfälle bis April, ohne zu berücksichtigen, dass in Rio de Janeiro ein großer Teil der Überfälle angesichts der geringen Effektivität der Militärpolizei gar nicht angezeigt würden. In den meisten der Fälle kann man nach stundenlangem Warten eine Anzeige abgeben. Von den angezeigten Fällen werden nach Daten des Justizministeriums aber höchstens 5% aufgeklärt”, berichtet El Periodico weiter.

Zum Schluss wird noch einmal Echavárri zitiert: “In Rio darfst du nicht angeben, man darf nur wenig Geld mitnehmen, denn wenn sie dich überfallen, dann gilt dein Leben hier sehr wenig”.

Der Sicherheitsbeauftragte des Olympischen Organisationskomitees, Oberst Roberval Frerreira França, bestätigte vor kurzem, dass das größte Risiko für die Spiele die städtische Kriminalität sein. Deswegen werden auch 80.000 öffentliche Sicherheitskräfte und 9.000 private Sicherheitsmenschen die Spiele schützen oder den Menschen die Lust an fröhlichen Spielen verderben.

Auch die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes diesbezüglich sind sehr deutlich. Hier die einleitende Beschreibung der Sicherheitssituation:
Die Gefahr, Opfer eines Raubüberfalls oder eines anderen Gewaltverbrechens zu werden, ist in Brasilien erheblich höher als in Westeuropa. Besonders Großstädte wie Belém, Porto Alegre, Recife, Salvador, Fortaleza, São Luiz, Maceio, Rio de Janeiro und São Paulo weisen hohe Kriminalitätsraten auf. Grundsätzlich ist Vorsicht angebracht, auch in als sicher geltenden Landes- oder Stadtteilen. Besonders stark von Kriminalität und Gewalt betroffen sind Armensiedlungen (Favelas). Von Favela-Besuchen wird daher dringend abgeraten. Diese Gebiete werden teilweise von Kriminellen und Drogenbanden kontrolliert. Bewaffneten Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei, fallen häufig auch Unbeteiligte zum Opfer.

Es lohnt sich den – langen – Rest der Reisehinweise auch noch zu lesen, wenn man hoffentlich ungeschoren als Zuschauer oder Sportler die Olympiade überstehen will. Es gibt natürlich einen heißen Tipp, um das Risiko erheblich zu minimieren: Schließen Sie sich in ihr hochgesichertes Luxushotel ein, gehen sie in kein Kneipenviertel, bewegen sie sich nur in geschlossenen Limousinen mit vertrauenswürdigen Fahrern und wenn alles daneben geht, dann geben sie alles her, was sie an sich tragen. Das Leben ist wichtiger! Aber macht das dann noch Spaß?

Informationsquelle
Criminalidade urbana é o maior risco para os Jogos, diz gerente do Comitê Rio
La sombra de las pistolas asusta al Río olímpico