Montag, 23. Mai 2016

Der französische Staat ignoriert die Hundeverrücktheit seines Volkes

Die Franzosen sind hundeverrückt. Darin haben sie viele Gemeinsamkeiten mit uns Deutschen. Manche Paare verzichten bewusst auf Kinder und legen sich lieber einen Hund zu. Hier die Meinung eines französischen Paares: “Der Vorteil (von Hunden) ist, dass sie immer glücklich sind, Dich zu sehen. Wenn sie Dummheiten machen und man sie anschreit, dann sind sie nicht wütend. Sie schlagen nicht die Türe zu und machen keine Szene”. Nach Ansicht eines Erziehungswissenschaftler ist der Hund seit einigen Jahren vom nützlichen Objekt zum Subjekt geworden.

Leider nimmt der französische Staat auf diese Hundeliebe keine Rücksicht. Die Anwesenheit von so vielen Hunden im Staatsgebiet wird ignoriert. In den Städten gibt es keine Auslaufmöglichkeiten für die Hunde. In den meisten Parks ist ihr Zutritt nicht erlaubt, auch nicht an der Leine. Sie haben meist nur den Asphalt, um ihr Geschäft zu erledigen. Kein Wunder, dass deshalb die Hundepopulation stagniert, die Zahl der französischen “Köter” liegt bei 7,2 Millionen Exemplaren. Nach einer alle zwei Jahre durchgeführten Hundezählung ist ihre Zahl zuletzt sogar gesunken. Die Franzosen verlegen sich dafür mehr auf Katzen. Davon soll es 12,6 Millionen geben. An der Spitze stehen allerdings die Goldfische. Sie sind mit 34,2 Millionen Exemplaren in französischen Haushalten vertreten.

Die Zeitschrift “Marianne” hat folgende Erkenntnisse, warum es diesen Rückgang bei der französischen Hundepopulation gibt:
Für einen Teil der Halter sind die Einschränkungen zu belastend. Für ihre Begleiter, die vom öffentlichen Raum ausgeschlossen werden und für sie selbst, die beim kleinsten Ausrutscher auf dem Bürgersteig beschimpft werden. Zu dreckig, zu lärmig, zu unvorhersehbar mit den Kindern … hat der Hund an Popularität das verloren, was er an Zuwendung innerhalb der Haushalte gewonnen hat. Die Verbundenheit mit dem Menschen habe eine erstaunliche Intensität erreicht, meint der Wissenschaftler Philippe Hofmann.

In den großen Stadtzentren, wo es viel Anonymität gibt, bilden die Hunde nach Ansicht des Hochschullehrers Christophe Blanchard eine soziale Stütze. Er erlaube es den Menschen der Unsichtbarkeit zu entkommen. 38% der Franzosen sind nach einer Umfrage überzeugt, dass die Einsamkeit in der Gesellschaft ein großes Problem ist und 76% meinen, dass sich dieses Problem noch verschärfen wird. 2001 meinten 76% der Franzosen, dass Hunde “eins der strukturell stärksten Bande in unserer Gesellschaft” seien.

Dieses Phänomen sorgt dafür, dass die Vermenschlichung des Hundes in Frankreich stark voranschreitet. Die Vierbeiner werden immer mehr vergöttert, teure Accessoires werden für sie gekauft und eigene Kurse für ihre kulturelle Weiterbildung (z.B. Tanzkurse für Hunde) gebucht.

Informationsquelle
Pourquoi les Français sont-ils fous de leurs chiens ?