Dienstag, 6. Januar 2015

Wenn Wasser zum kostbaren Gut wird

Die Stadt Itu liegt im Innern des brasilianischen Bundesstaates Sao Paulo. Die Stadt hat 155.000 Einwohner. Ihre größte Bedeutung hatte Sie im vergangenen Jahrhundert als Zentrum der Kaffee- und Zuckerrohrindustrie. Inzwischen gibt die Keramikindustrie den Ton an. Wegen der riesigen Souvenirs, die man dort kaufen kann, wird Itu auch Stadt der Übertreibung genannt.
 
Itu hat zur Zeit ein riesiges Problem: Der Stadt geht das Wasser aus. Die in der Region São Paulo herrschende Trockenheit hat die Stadt voll getroffen. Hinzu kommt, dass die Wasserversorgungsgesellschaft der Stadt sich Investitionen in die Wasserversorgung gespart hat. Deswegen wurde sie auch mit hohen Strafen belegt. Die Stadtverwaltung verfügte im September letzten Jahres eine Wasserrationierung und erlaubte das Bohren von Brunnen. Trotzdem blieben seither viele Wasserhähne trocken. Die Bewohner verschwenden viel Geld auf der Suche nach Wasser. Die Preise für Wasser sind erheblich gestiegen. Da aus den Wasserleitungen nur noch selten etwas kommt, haben Lastwagen mit Zisternen Hochkonjunktur. Aber auch die erscheinen nur selten in vielen Stadtvierteln.
 
Die Folgen: Die Bewohner der Stadt sind durch das Fehlen des Wassers schweren nervlichen Belastungen ausgesetzt. “Man schläft nicht mehr. Wir sind in ständiger Erwartung, dass Wasser aus den Wasserhähnen kommt und wir es verpassen. Wer tagsüber arbeitet muss in der Nacht ständig bereit sein. Wer kein Auto hat, ist auf das Wohlwollen der anderen angewiesen”, erklärt die Hausfrau Solange Rodrigues Belon. Sie weist auch daraufhin, dass es sehr schwierig ist Lastwagen mit Wasser-Zisternen zu finden, da die Wassergesellschaft nicht informiert, wo und wann diese auftachen. Die Notlage macht aber auch erfinderisch: Garagen werden ausgeräumt und Wassertanks eingebaut, Wasser wird getrennt nach solchem zum Trinken, Waschen oder für die Reinigung. Das wenige Wasser, das noch geliefert wird ist von schlechter Qualität und kaum mehr genießbar. Ladengeschäfte und Restaurant müssen teilweise schließen.
 
Kurz vor Weihnachten erklärte der Bürgermeister die Rationierung für beendet. Leider ist es ihm aber nicht gelungen mit diesem Machtwort die Wasserkrise zu beenden. Trotz des bürgermeisterlichen Problembeseitigung geht der Wassermangel weiter. In bis zu 12 Vierteln soll über Weihnachten oder Neujahr bis zu 6 Tagen Wasser gefehlt haben. “Es ist eine Schande. Ich bin seit 3 Tagen ohne Wasser”, erklärt der Frisör Caetano Silva und weist daraufhin, dass er deswegen immer mehr Kunden verliert. “Der Bürgermeister ist ein Lügner. Der weiß doch nicht, was in seiner Stadt passiert. Mal haben wir Wasser, mal haben wir keines und wenn welches kommt, dann kommt es nicht bis zum Wassertank auf dem Dach”, erklärt eine Hausfrau.
 
Itu steht für die generelle Wassernot im Bundesstaat São Paulo und die düsteren Aussichten, falls sich nicht bald etwas grundlegend ändern sollte. Und es gibt schon viele, die ein apokalyptisches Szenario wie sie in einigen Hollywood-Filmen geschildert wird, für möglich halten: Auseinanderbrechen des sozialen Zusammenhaltes in der Gesellschaft, die Polizeikräfte ziehen sich zurück und überlassen die Region ihrem Schicksal: Es wird ein Heulen und Zähneknirschen herrschen, schreibt ein Kommentarschreiber der Zeitung Folha de São Paulo.
 
Informationsquelle
Após fim do racionamento, cidade de Itu volta a enfrentar falta de água
Itu, interior de São Paulo: seca e descaso sem tamanho