Freitag, 23. Januar 2015

Palomares – Stellvertretend für nukleare Verantwortungslosigkeit

Am 17 Januar vor 49 Jahren kollidierte ein Tankflugzeug mit einem Superbomber B52 der US-Streitkräfte über der Region Palomares in der spanischen Provinz Almeria. 11 Besatzungsmitglieder starben und es gingen 4 Atombomben verloren. Zwei davon gerieten nach dem Aufschlag auf dem Boden in Brand und verteilten das in ihnen enthaltene Plutonium im Umfeld. Eine Bombe ging verloren und wurde erst viel später gefunden. Die durch den Unfall entstandene atomare Verseuchung hält bis heute an.

Nach dem Unfall wurde alles versucht, um die Tatsachen zu verschleiern. Diktator Franco erließ entsprechende Sprachregelungen und verbot jeden Bezug auf die Bestückung der Flugzeuge mit atomaren Waffen. Dieses Totschweigen funktionierte bis zum 19. Februar, danach hörten ein spanischer und britischer Journalist wie Dorfbewohner aufgefordert wurden sich unter dem Hinweis auf radioaktive Strahlung vom Gebiet des Absturzes fernzuhalten. Ein von den Journalisten befragter US-Militär gab dann unumwunden zu, dass in dem Flugzeug Atombomben waren. Die New York Times veröffentlichte dann den Bericht. Franco soll stinksauer gewesen sein und ließ Meldungen in der spanischen Presse zensieren sowie die Verteilung ausländischer Pressemedien mit Bezug auf das Unglück verbieten. Die US-Regierung brauchte dann 40 Tage, um das Geschehene zuzugeben und hatte alle Hände voll zu tun, den Diktator zu beruhigen.

Damals dachte niemand daran, die Bevölkerung im Umkreis der Unfallstelle zu evakuieren. Die US-Streitkräfte waren lediglich interessiert unter möglichst strikter Geheimhaltung die Reste der Bomben zu beseitigen. In einem Abkommen zwischen den USA und Spanien wurde 1966 das Institut CIEMAT gegründet, dass wissenschaftlich im Strahlenschutz forschen sollte. Dabei hatte es die Aufgabe den Gesundheitszustand möglicher Geschädigter zu überwachen. 2009 lief das Abkommen aus, seither ist CIEMAT in alleiniger spanischer Zuständigkeit verantwortlich. Ergebnis der Prüfungen: Alles ist bestens, die Strahlendosis liegt weit unter den Grenzwerten. Da beruhigt aber die Bevölkerung keineswegs.

Bis 2004 wurden keinerlei Schutzmaßnahmen oder Einschränkungen verfügt. Die belastete Erde wurde landwirtschaftlich genutzt, bewässert wurde mit verseuchtem Wasser. Erst 2004 wurde von CIEMAT eine dreidimensionale Karte erstellt und das betroffene Gebiet eingezäunt. Es bleibt jetzt nur noch die Dekontaminierung des betroffenen Erdreichs und hier ist bisher gar nichts passiert. Die spanische Umweltorganisation Ecologistas en Acción (EA) schreibt: “Je mehr Zeit vergeht, ohne dass diese Arbeiten durchgeführt werden, um so mehr verschlimmert sich die Situation, da sich das Plutonium einerseits in Americium verwandelt, das noch stärker radioaktiv ist und andererseits sich die Verseuchung stetig in einem weiteren Umkreis durch Wind und Regen verteilt.”

EA verlangt nun, dass die USA sich zu ihrer Verantwortung bekennen und die Dekontaminierung des Gebietes übernehmen solle. Spanien verfüge über keine Installation zur Verwahrung von verseuchten Erdreichs. “Die spanische Regierung für ihren Teil zeigt eine große Nachlässigkeit bei Erfüllung ihrer Aufgaben, da sie nicht im geringsten Druck auf die USA ausübt, ihren Verpflichtungen nachzukommen und auch keine Lösungen zur Beseitigung dieser Verseuchung zeigt”, schreibt EA. 

Wenn es um die Folgen eines nuklearen Unfalls geht, dann gilt für die Verursacher die Losung, möglichst schnell das Weite zu suchen. Schließlich wissen alle, die damit zu tun haben, dass eine Beseitigung der Schäden und Versorgung des Atommülls immens teuer und auf lange Sicht nicht bezahlbar ist. Trotzdem wird weitergemacht wie bisher.

Informationsquelle
49 años del accidente de Palomares