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Ein Tempel des Größenwahns in São Paulo zum Eigenlob einer Sekte

Die “Universalkirche des Reiches Gottes” (Igreja Universal do Reino de Deus) in Brasilien hält sich beim Gotteslob  nicht mit Kleinigkeiten auf. Überall klotzt sie nach demselben Schema ihre “Tempel” hin und spart kein Geld dabei. Letzter Akt war die Einrichtung des “König-Salomon-Tempels” in São Paulo. Der sich Bischof nennende Edir Macedo, von dem Wikipedia schreibt, dass er ein Meister im Eintreiben von Spenden ist, hat für seinen mit Marmor und vielen Säulen ausgestatteten Tempel 680 Millionen R$ (ca. 224 Mio €) ausgegeben. Zur Einweihung des Tempels Ende Juli erschien die gesamte brasilianische Prominenz, unter anderem auch Staatspräsidentin Dilma Rousseff.

Der Blog “Outrosmidias” beschreibt das neue Werk wie folgt: “Der mythische König-Salomon-Tempel (Templo do Rei Salomão) übertrifft vieles bisher Gesehenes. Er stellt ein neues Moment der Kirche dar, voll mit judaisierenden Bezügen und Ehrenbezeugungen an den Staat Israel. Er umfasst eine biblische Wiege aus Abrahams Tradition. Evangelische Sekten aus den USA machen seit Jahrzehnten dasselbe, was auch schon als “neue christlicher Zionismus” bezeichnet wird.“ Die Blog-Journalisten erklären, dass sie keinen Zugang zur Einweihung erhielten. Dieser wurde nur Pressemedien der Sekte wie der Fernsehanstalt Rede Record TV (gehört dem Herrn Bischof), der Zeitung Folha Universal und Record News gewährt.

Die Journalisten Laura Capriglione hat deshalb Eingeladene nach der Einweihungsfeier befragt und hat einiges erfahren: Eine Menschenkette von Anhängern der Kirche in weißen T-Shirts habe den Tempel umrundet. Die üblichen Sprüche der Kirche, die in der Regel auf “Jesus Christus ist der Herr” reduziert und in gotischen Schriftzeichen gehalten wurden, bekamen diesmal eine Erweiterung mit dem Spruch “Heiligkeit dem Herrn”, der wiederum in hebräischen Schriftzeichen angebracht war. An den Masten hingen die Flaggen der Universalkirche, Brasiliens und Israels. Nicht weit vom Tempel steht die katholische Kirche, gebaut im Jahre 1908, und ein Befragter meint, dass diese gegenüber dem Tempel wie ein Playmobil-Spielzeug aussehe. Der Tempel ist bestens geschützt, außen steht die Polizei und der Innenraum ist ein Hochsicherheitstrakt. Nichts wird dem Zufall überlassen, es gibt kein Vandalismus. Alles ist äußerst sauber, geplant und organisiert. Man kommt aus dem Chaos und betritt einen Raum, in dem Ordnung herrscht. Der Tempel hat keine Fenster, man fühlt sich wie in einer Tiefgarage, aber der Tempel hat eine Kapazität von 10.000 Personen. Ein Besucher hat den Eindruck, er ist in Disneyland oder in einem Filmstudio. Der 10. Stock war mit großen Fotos von Jerusalem dekoriert. Die Fernsehleute von TV Record standen im Mittelpunkt, es waren aber auch viele Vertreter von Webeagenturen da. Das Buffet bestand aus koscherem Essen, die eingeladenen Juden verköstigten sich in einem besonderen Flügel des Tempels. Im Tempel ist auch ein Museum für religiöse, jüdische Geschichte. Ein Orchester spielte religiöse jüdische Lieder und Filmmusik von Filmen über die jüdische Saga wie “Exodus”. Eine Delegation der jüdischen Gemeinde sang die Nationalhymne Israels.

Soweit der äußere Rahmen. Die Einweihung lief dann so ab: Es erschien ein Bischof der Kirche, der scheinbar den Zeremonienmeister darstellte. Er sah aus wie ein jüdischer Rabbi und war auch so angezogen. Zur allgemeinen Überraschung forderte er nach Begrüßung der Anwesenden zum Stillschweigen für das Anhören der brasilianischen und israelischen Nationalhymne auf. Danach erschienen 6 als Leviten verkleidete Männer, die einen Schrein nach Beispiel des Moses hereinbrachten. Die Gläubigen begannen überwältigt zu heulen, in diesem Augenblick hob sich der Vorhang und der Altar wurde freigegeben. Dann kam ein Bischof, der bekannte, dass er ein Ex-Drogenabhängiger von Crack, Hasch, Kokain, Ecstasy, Prostitution, Alkohol und allem Schlechtem im Leben gewesen sei. Kurzum, er war an Schlechtigkeit nicht zu übertreffen. Er bezeuge, dass die Universalkirche ihm geholfen habe, von dieser Abhängigkeit frei zu werden, nachdem Ärzte, Psychiater, Psychologen seine Laster nicht hätten heilen können. Die Heilung komme nur mit dem Glauben. Er forderte dann alle Hirten auf, die ebenfalls einmal einem Laster gefrönt hätten, aufzustehen. Hunderte sollen danach aufgestanden sein, um das an ihnen vollbrachte Wunder zu bezeugen. Es schloss sich dann an eine Dokumentation über den Kampf des jüdischen Volkes um das versprochene Land. Daraufhin forderte Bischof Edir Macedo die Anwesenden auf die auf den Stühlen liegenden Umschläge zu nehmen und darauf ihre Gebete zu schreiben und am Altar abzulegen. Wer wolle könne eine Spende machen, aber das sei nicht verpflichtend.

Damit endete das Spektakel und die brasilianische Elite saß brav da. Die Manipulationsmacht der Sekte ist zu groß, um sie zu ignorieren. Vor allem ist sie in der Lage “braven” Politikern ihre Gläubigen als Wähler gesammelt zuzutreiben.

Informationsquelle
A nova fase da Igreja Universal

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