Dienstag, 19. August 2014

Auf Kritik steht Todesstrafe, das sollte man in Brasiliens Hinterland wissen

Josias Paulino de Castro, wohnhaft in Guabira im Bundesstaat Mato Grosso, war Präsident der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft ASPRONU. In dieser Funktion kämpfte er auch um die Legalisierung des Eigentums an Grundstücken. Hand in Hand mit korrupten Behörden werden dort Besitztitel gefälscht, um Siedler vertreiben zu können. In der Region gibt es zudem viele Sägereien und Personen, die am illegalen Holzeinschlag interessiert sind. Hinter dieser Holzmafia stecken hochrangige Politiker und korrupte Mitglieder der Militärpolizei.

Eine brasilianische Zeitung beschreibt die Situation im Distrikt Guabira so: "Die harte Realität im Distrikt, einem Land ohne Gesetz, ist, dass der befiehlt, der die Macht hat und der gehorcht, der aus Einsicht kuscht."

Anfang August erklärte Josias de Castro den Behörden in Cuiabá, der Hauptstadt von Mato Grosso:  "Es gibt gemietete Mörder (Pistoleiros) in der Region, aber die Behörden tun nichts gegen sie. Wir werden sterben, wir werden bedroht, die Regierung von Mato Grosso tut nichts, die Militärpolizei von Guariba schützt die Mörder, die Bundesregierung ist abwesend. Ich werde es sein, der ermordet wird, damit ihr endlich glaubt und Maßnahmen ergreift".

Wie zum Beweis, dass die Voraussage von de Castro den Tatsachen entsprach, wurde er am 16. August von einem Killerkommando zusammen mit seiner Frau erschossen. Die Polizei fand die Leichen am Straßenrand. Die Körper waren von mehreren Kugeln durchsiebt worden, mit Geschossen aus Waffen, die nur die Armee besitzt.


Das lokale Internetportal "PantanalOnline" schreibt über die Hintergründe: "Ein herausgehobene Tatsache bei diesem Mord war, dass das Kaliber 9mm benutzt wurde, das exklusiv nur von der Armee genutzt wird, also muss man doch auch bei der Armee nach den Hintermännern dieser Exekution suchen? Welches sind die Interessierten? Wer hat in einem Wald etwa 20 km von Guariba entfernt auf Josias gewartet? Wir müssen aufpassen, dass die Regierung des Bundesstaates und die Bundesregierung umgehend eine Antwort geben, denn schließlich ist eine unschuldige Frau, die zufällig bei ihrem Ehemann war, erschossen worden. Die Behörden müssen die anderen Familien der Siedlung, die ihren Präsidenten verlor und jetzt verzweifelt auf eine Antwort warten, schützen. Wir haben die Versammlung mit dem Nationalen Ombudsman für Agrarfragen begleitet, die stattfand bevor Herr Josias ermordet wurde. Dieser Ombudsman hat gewarnt, dass keine Illegalität toleriert werde unter Bezugnahme auf der Suche nach Eigentumsrechten an Land, aber wir glauben, dass der Herr Gercino (der Ombudsman) diesen Doppelmord nicht tolerieren wird. Ein Doppelmord, der ein Schuss in das Gesicht aller Bewohner war. Wir hoffen, dass der Mord an Herrn Josias nicht vergeblich war".

Auch diesmal wieder erschüttert die Unverfrorenheit, mit der die Mörder und ihre Hintermänner gehandelt haben. Dies ist nur möglich, wenn man weiß, das solche Taten straflos bleiben. Das Konglomerat aus mörderischer Militärpolizei und landgierigen Lokalfürsten und korrupten Politikern wird schon verhindern, dass etwas bei der Suche nach den Tätern herauskommt. Bestenfalls werden die gedungenen Mörder verhaftet, aber die Hintermänner in Ruhe gelassen.

Siehe auch:
Ein Trauerspiel der Regenwaldzerstörung
Angekündigter Völkermord an den Guarani-Kaiowá


Informationsquelle

Disparos que executaram o presidente de Associação e esposa foram de uma arma de uso exclusivo das forças armadas.
“Duplo Homicídio em Guariba/MT” – Presidente e sua Esposa foram Executados a tiros de 9mm.