Direkt zum Hauptbereich

Bukarest: Hilflos den Straßenhunden ausgeliefert

Im Jahr 2006 wurde in Bukarest ein 68 Jahre alter japanischer Diplomat vor seiner Wohnung von einem der zahlreichen durch die Stadt vagabundierenden Straßenhunden angefallen. Die Bisswunden waren so schwer, dass der Diplomat an starkem Blutverlustes verstarb. Das Geschehen schockierte die Stadt und die Stadtverwaltung schwor wieder einmal, dass man endlich die seit dem Ende der Diktatur herrschende Plage der durch Bukarest streunenden Straßenhunde lösen werde.

Leider wurde nichts daraus. Im Kleinkrieg zwischen Tierschützern und Verwaltung lief letztendlich gar nichts mehr und die Population der Straßenhunde verringerte sich nur wenig. Nachdem vor ein paar Tagen ein Kind in einem Park von Bukarest von Straßenhunden tot gebissen wurde, herrscht aber wieder Aufregung bei der Bevölkerung und bei den Behörden. Plötzlich schalten sich der Staatspräsident und der Ministerpräsident ein und helfen bei der Suche nach den Schuldigen. Ministerpräsident Ponta erklärte: "Selbstverständlich ist das ein großes Problem. Wir müssen den Stadtbehörden bei der Suche nach effizienten Lösungen helfen. Leider ist es in den letzten 20 Jahren niemandem gelungen, dieses Problem endgültig zu lösen. Es ist ein Problem, das wir äußerst ernst nehmen sollten. Niemandem ist es gelungen eine effektive Lösung zu finden. Jeder der zu einer guten Lösung beitragen kann, wird unsere Hilfe bekommen".

Scheinbar steht sogar der Ministerpräsident vor einem unlösbaren Rätsel. Jetzt soll das Volk entscheiden: Der Stadtrat von Bukarest hat am Freitag eine Volksabstimmung für den 6. Oktober beschlossen. Bei der soll das Volk ein Tötungsprogramm für Straßenhunde beschließen. Die Hürden dafür, dass eine Zustimmung in Kraft gesetzt wird, sind recht hoch. Mindestens 50% der Bevölkerung müssen an der Abstimmung teilnehmen.

Cristian Campeanu von der Zeitung Romania Libera hat zur derzeitigen Situation ein paar sarkastische Bemerkungen: "Fast in der ganzen zivilisierten Welt gibt es dieses Problem nicht: Es gibt keine Straßenhunde. Tiere, die auf der Straße leben, werden in ein Tierheim gebracht - das ist die einzige Aufgabe eines Tierheims und nicht jene, dass die Tiere dort bis zu ihrem natürlichen Tod verwahrt werden - und danach nach einer angemessenen Frist, wenn sie niemand haben will, werden sie eingeschläfert. Es gibt keine andere Option.... Das einzige Recht aggressiver Tier ist es, dass sie schnell sterben und ohne Schmerzen." Campeanu ist der Ansicht, dass die Behörden sich nicht mehr vor den Entscheidungen drücken sollten. Die von der Bukarester Stadtverwaltung in dieser Sache gezeigte Lässigkeit sei ein exemplarische Beispiel für Unvermögen, Inkompetenz und eine korrupten Regierungsstil in Rumänien. "Aus Angst vor den "Liebhabern der Tiere" wird eine ganze Stadt als Gefangene einer unverantwortlichen Verwaltung gehalten", fügt er hinzu.


Die Tierschützer, bei denen sich immer wieder auch die Alt-Filmschauspielerin Brigitte Bardot zu den Straßenhunden von Bukarest zu Wort meldet und die "Mordprogramme" geißelt, werden nun gespannt auf den 6. Oktober sehen. Die Stadtverwaltung hat die Verantwortung an die Bevölkerung verschoben und es wird mit Sicherheit eine sehr emotionale Debatte vor der Abstimmung geführt werden.

Siehe auch:
Was machen, wenn streunende Hunde 3.000 Kinder im Jahr beißen?
Gnadenfrist für streunende Hunde
Keine Euthanasie für Hunde!

Informationsquelle
Guvernare de „comunitari“ sau de maidanezi? - Romania Libera
Referendum pentru eutanasierea maidanezilor - care sunt conditiile sa fie validat

Beliebte Beiträge

Ikonen küssen kann tödlich sein

In rumänisch-orthodoxen Kirchen sind die Heiligenbilder im Ikonenstil ein fester Bestandteil des Inventars und die Bilder von besonders wunderwirkenden Heiligen haben einen herausragenden Platz. Zu ihnen pilgern alle, die sich etwas von Ihnen erhoffen und als besondere Verbindung zwischen Gläubigen und dem/der Heiligen gilt der Kuss auf die Ikone. Viele Ikonen sind an bestimmten Stellen dadurch schon ziemlich in Mitleidenschafft gezogen.

Das Orthodox-Wiki erklärt den Brauch so:

Der Kuss
Der Kuss ist ein in der Orthodoxie tief verwurzelter Brauch. Wenn man in die Kirche geht, gibt es die Gewohnheit der orthodoxen Christen die Ikonen zu verehren oder zu küssen. Durch diese Handlung zeigt der Christ Liebe und Respekt für die Geschenke und Taten Gottes für den Menschen.

Genauso küsst der Gläubige die rechte Hand des Priesters bei bestimmten Gelegenheiten. Mit der rechten Hand gibt der Priester den Wilkommensgruß, der nicht von ihm kommt, sondern von Gott. Durch diesen Akt der Verehrung e…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Der spanische Staat verteidigt den Zentralismus mit Händen und Füßen

"Barcelona en Comú" (spanisch: Barcelona en común) und für ganz Katalonien "Catalunya en Comú" ist eine Bürgerplattform, die in eine politische Partei umgewandelt wurde, um 2015 an den Kommunalwahlen in Barcelona teilnehmen zu können. Eine ihrer engagiertesten Aktivistinnen ist Ada Colau, frühere Sprecherin der Plattform für die Betroffenen von Hypotheken (Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH)). Sie wurde zur Oberbürgermeisterin von Barcelona gewählt. "Barcelona en Comú" ist ein Parteienbündnis, dem die Parteien "Iniciativa per Catalunya Verds", "Esquerra Unida i Alternativa", "Equo", "Procés Constituent" und "Podemos" angehören. Es handelt sich um Parteien aus dem linken und grünen Spektrum. Im Unabhängigkeitskonflikt Kataloniens mit der Zentralregierung nimmt dieses Parteienbündnis eine gemässigte Position sein. Es tritt nicht für die Unabhängigkeit ein, aber sehr wohl für eine erweiterte Autono…

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…