Sonntag, 8. September 2013

Bukarest: Hilflos den Straßenhunden ausgeliefert

Im Jahr 2006 wurde in Bukarest ein 68 Jahre alter japanischer Diplomat vor seiner Wohnung von einem der zahlreichen durch die Stadt vagabundierenden Straßenhunden angefallen. Die Bisswunden waren so schwer, dass der Diplomat an starkem Blutverlustes verstarb. Das Geschehen schockierte die Stadt und die Stadtverwaltung schwor wieder einmal, dass man endlich die seit dem Ende der Diktatur herrschende Plage der durch Bukarest streunenden Straßenhunde lösen werde.

Leider wurde nichts daraus. Im Kleinkrieg zwischen Tierschützern und Verwaltung lief letztendlich gar nichts mehr und die Population der Straßenhunde verringerte sich nur wenig. Nachdem vor ein paar Tagen ein Kind in einem Park von Bukarest von Straßenhunden tot gebissen wurde, herrscht aber wieder Aufregung bei der Bevölkerung und bei den Behörden. Plötzlich schalten sich der Staatspräsident und der Ministerpräsident ein und helfen bei der Suche nach den Schuldigen. Ministerpräsident Ponta erklärte: "Selbstverständlich ist das ein großes Problem. Wir müssen den Stadtbehörden bei der Suche nach effizienten Lösungen helfen. Leider ist es in den letzten 20 Jahren niemandem gelungen, dieses Problem endgültig zu lösen. Es ist ein Problem, das wir äußerst ernst nehmen sollten. Niemandem ist es gelungen eine effektive Lösung zu finden. Jeder der zu einer guten Lösung beitragen kann, wird unsere Hilfe bekommen".

Scheinbar steht sogar der Ministerpräsident vor einem unlösbaren Rätsel. Jetzt soll das Volk entscheiden: Der Stadtrat von Bukarest hat am Freitag eine Volksabstimmung für den 6. Oktober beschlossen. Bei der soll das Volk ein Tötungsprogramm für Straßenhunde beschließen. Die Hürden dafür, dass eine Zustimmung in Kraft gesetzt wird, sind recht hoch. Mindestens 50% der Bevölkerung müssen an der Abstimmung teilnehmen.

Cristian Campeanu von der Zeitung Romania Libera hat zur derzeitigen Situation ein paar sarkastische Bemerkungen: "Fast in der ganzen zivilisierten Welt gibt es dieses Problem nicht: Es gibt keine Straßenhunde. Tiere, die auf der Straße leben, werden in ein Tierheim gebracht - das ist die einzige Aufgabe eines Tierheims und nicht jene, dass die Tiere dort bis zu ihrem natürlichen Tod verwahrt werden - und danach nach einer angemessenen Frist, wenn sie niemand haben will, werden sie eingeschläfert. Es gibt keine andere Option.... Das einzige Recht aggressiver Tier ist es, dass sie schnell sterben und ohne Schmerzen." Campeanu ist der Ansicht, dass die Behörden sich nicht mehr vor den Entscheidungen drücken sollten. Die von der Bukarester Stadtverwaltung in dieser Sache gezeigte Lässigkeit sei ein exemplarische Beispiel für Unvermögen, Inkompetenz und eine korrupten Regierungsstil in Rumänien. "Aus Angst vor den "Liebhabern der Tiere" wird eine ganze Stadt als Gefangene einer unverantwortlichen Verwaltung gehalten", fügt er hinzu.


Die Tierschützer, bei denen sich immer wieder auch die Alt-Filmschauspielerin Brigitte Bardot zu den Straßenhunden von Bukarest zu Wort meldet und die "Mordprogramme" geißelt, werden nun gespannt auf den 6. Oktober sehen. Die Stadtverwaltung hat die Verantwortung an die Bevölkerung verschoben und es wird mit Sicherheit eine sehr emotionale Debatte vor der Abstimmung geführt werden.

Siehe auch:
Was machen, wenn streunende Hunde 3.000 Kinder im Jahr beißen?
Gnadenfrist für streunende Hunde
Keine Euthanasie für Hunde!

Informationsquelle
Guvernare de „comunitari“ sau de maidanezi? - Romania Libera
Referendum pentru eutanasierea maidanezilor - care sunt conditiile sa fie validat