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Der Schrei der Dürre – der Kampf ums Wasser

Der brasilianische Nordosten steht selten im Blickpunkt des Weltgeschehens. Aber gerade dort im semiariden Gebiet der Sertao spielt sich zur Zeit ein Drama ab. In einem UNO-Bericht vom 24. Mai wird unter dem Titel “Schlimmste Dürre der letzten 50 Jahre im brasilianischen Nordosten” festgestellt: Der brasilianische Nordosten erlebt 2013 die größte Trockenheit der letzten 50 Jahre, von der mehr als 1.400 Gemeinden betroffen sind. Die diesjährige Dürre übertrifft noch die bereits erschreckende Dürre des vergangenen Jahres.

6 brasilianische Bundesstaaten, in denen 10 Millionen Menschen wohnen, sind von der Dürre betroffen. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat Anfang April ein Hilfspaket von 9 Milliarden R$ (ca. 3,3 Milliarden Euro) zur Bekämpfung der Dürre angekündigt, nachdem bereits im vergangenen Jahr 7,6 Milliarden R$ zur Verfügung gestellt worden waren. Die Hilfen sind vor allem für die Landwirtschaft gedacht. Mit schönen Absichten, denn mit ihr soll die familiäre Landwirtschaft, die eine nachhaltige Produktionskette pflegt, gefördert werden, indem technische Hilfe und Vermarktungsunterstützung geboten werden. “Schöne Absichten, aber man hat das Gefühl sie kommen immer zu spät”, meinen Kenner. 17% der Landwirtschaftsbetriebe sollen inzwischen ihren Betrieb aufgegeben haben, 50% der Bevölkerung sind von der Belieferung von Wasser mit dem Wasser-Wagen, dem sogenannten “carro-pipa” abhängig. In Pernambuco sollen beispielweise die Viehherden wegen der Dürre halbiert worden sein: 200.000 starben, 300.000 wurde in andere Regionen gebracht und 500.000 wurden vorzeitig geschlachtet. Als eine “nationale Schande” beschreibt Professor Almeida Amaral Junior aus São Paulo die Situation und er fügt hinzu: “Die Dürre im Nordosten ist kein Schicksal. Es gibt Lösungen bereits seit dem vergangenen Jahrhundert.”

Die Dürre und die Art wie sie bekämpft wird, ist inzwischen auch Gegenstand einer Protestbewegung, die sich “Schrei der Dürre” (grito da seca) nennt. Sie wird vor allem von sozialen Bewegungen, Basispriestern und Studenten getragen. Als Ziel wird bezeichnet, Alternativen zu den Vorschlägen der Bundesregierung und der Einzelstaaten aufzuzeigen, die die Bekämpfung der Auswirkungen der Dürre zum Ziel haben. Der besondere Augenmerk wird auch hier auf dem “Dürre-Industriekomplex” gelegt. Dieser Industriekomplex ist nicht an der Bekämpfung der Ursachen interessiert, sondern daran möglichst viele Subventionen abzusahnen. Die Politik der Wasser-Wagen ist ein Instrument für korrupte Politiker, die zum Stimmenfang ihrer Klientel das Wasser tropfenweise zukommen lassen. Die Protestbewegung will gerade über die Wasserzuteilung mehr Autonomie für die Landbevölkerung erreichen.

Für die UNO ist aber die Dürre im brasilianischen Nordosten kein Einzelfall. In einem Zukunftsbericht geht sie davon aus, dass bis 2030 fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Regionen mit großem Wassermangel leben wird. “Wir haben eine Tendenz ausgemacht, dass die Temperaturen weltweit über das Normalmass steigen werden. Im November 2012 zählten wir 333 Monate, in denen die Temperaturen über den üblichen in diesem Jahrhundert lagen”, erklärt der Leiter der Unterstützungskommission der UNO zum Klimawandel.

Siehe auch:
Wasser-Festival in der Sertão zum Weltwassertag
Die Dürre quält den brasilianischen Nordosten

Informationsquelle
Pior seca dos últimos 50 anos no nordeste brasileiro confirma estatísticas da ONU sobre escassez
Seca no Nordeste: entre o problema climático e o abuso político – Mundo Lusíada
Grito da Seca e Revolta do Busão

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