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Spanische Tabakindustrie legt mehr wert auf Profit als auf Gesundheit

Eigentlich ist die Tabakherstellung in Spanien kein bedeutender Produktionszweig. 2010 hatte er einen Anteil von 0,05% an der Agrarproduktion in Spanien. Trotzdem steht Spanien bei der Tabakproduktion in Europa hinter Italien, Bulgarien und Polen an 4. Stelle. Spanien importiert mehr Tabak als es exportiert. Die Hauptanbaugebiete liegen in der Region Extremadura (90%). Der Rest verteilt sich auf Andalusien, Kastilien, Navarra und das Baskenland. 2011 verdienten 2.191 Produzenten mit dem Tabakanbau ihren Lebensunterhalt. Der spanische Staat nahm über den Tabakverkauf 2012 7 Milliarden Euro ein, dazu kommen noch Einnahmen über die Mehrwertsteuer.

Seit Beginn der Anti-Tabak-Aktion der Europäischen Gemeinschaft ist der Tabakkonsum in Spanien zwischen 2005 und 2011 um 14% gesunken. Das reicht aber der EU nicht. Nach dem neuen Richtlinien-Entwurf sollen noch schrecklichere Bilder auf die Zigarettenpackungen und die Produktion parfümierter Zigaretten ganz verboten werden. Das gefällt der Tabak-Lobby gar nicht. Deshalb setzt Sie alles daran die neue Richtlinie so abzuschwächen, dass sie möglichst all ihrer Schärfe verliert.

Die spanischen Tabak-Produzenten und Vermarkter sind eifrig am Werke, um über ihre Regierung Druck auf die EU auszuüben. Fünf spanische Regionen haben sich mit ihnen zu einer Tabak-Lobby zusammengetan. Es sind dies Kantabrien, La Rioja, Extremadura, die Kanaren und Navarra. Wobei die Extremadura als größter Produzent und Navarra, wo eine der größten Zigarettenfabriken Spaniens beheimatet ist,  die Gruppe anführen. Der Präsident der Region Extremadura erklärt in rührender Art und Weise das Ziel seiner Lobby-Gruppe: "Die neue Richtlinie muss das Recht auf Gesundheit mit den Interessen von tausenden Bürgern versöhnen, die von der Tabakindustrie abhängig seien."


Taktgeber und Zuflüsterer für die Politik ist die Tabakindustrie. Sie sind vereinigt im "Runden Tisch des Tabaks" (La Mesa del Tabaco). Diese Gruppe behauptet, dass die EU-Kommission ihre Vorschläge nicht ausreichend wissenschaftlich begründet habe. Es sei nicht erwiesen, dass sie wirksam seien, um den Konsum zu vermindern und den Zugang von Jugendlichen zu Zigaretten zu unterbinden.

Man fragt sich, weshalb die Tabak-Lobby sich so aufregt über die Richtlinie, wenn die Massnahmen doch ohnehin unwirksam sind. Der Grund liegt darin, dass die Zigarettenschachteln überwiegend nur noch mit teerverseuchten Lungen und ähnlichen Schreckensbildern gestaltet werden können und keine Marken-Reklame mehr enthalten dürfen. Deshalb würden die Kunden nach Meinung der Tabak-Lobby nur noch über den Preis kaufen, was zum Konsum von importiertem Tabak schlechter Qualität führen würde. Zudem würde der Schmuggel gefördert.


Diese Argumente hält der Präsident der Nationalen Kommission zu Vermeidung der Tabaksucht (CNPT) Paco Rodriguez für überzogen und falsch. Die Richtlinie wäre ohnehin viel zu zurückhaltend, sie würde zum Beispiel gar nicht Punkte wie den dem Tabak beigefügten Zucker berühren. Die spanische Regierung hat ihre Haltung noch nicht festgelegt. Sie hat erst einmal eine Arbeitsgruppe gegründet.


Informationsquelle
Ofensiva contra la directiva europea que endurece la ley antitabaco - El Pais

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