Donnerstag, 9. Mai 2013

Müll, den keiner haben will, der aber fleissig weiter produziert wird


Die unendliche Geschichte des Atommülls: Keiner will ihn vor seiner Haustür haben, aber wird deswegen von der Produktion dieses Mülls Abstand genommen? Nein, Augen zu und das Problem nicht erkennen wollen, scheint die weltweite Antwort der verantwortlichen Politiker zu sein. Ein besonderes Drama spielt sich zur Zeit an den Grenzen zur Schweiz ab. Die Stadt Genf ist zur Zeit äußerst besorgt, weil Frankreich plant in Bugey in 70 km Entfernung zur Schweizer Grenze bei Genf ein Atommüller-Lager einzurichten. Im Norden der Schweiz ist Deutschland besorgt, weil die Schweizer beabsichtigen in direkter Nähe zur deutschen Grenze ihr Atommüll-Endlager - diesmal ohne einen Sicherheitsstreifen von 70 km - einzurichten.


Der Bürgermeister von Genf, Rémy Pagani, ist am Montag nach Paris gereist, um den französischen Atomaufsichtsbehörden die Besorgnis der Stadt wegen des geplanten Atommüll-Lagers mitzuteilen. "Diese Planung macht uns Sorge. Wir hatten Tschernobyl, Fukushima, wir können überhaupt nicht sicher sein", erklärte er den Grund seiner Reise. In Bugey befindet sich auch ein französische Uralt-AKW, dessen Sicherheit in Frage gestellt wird. Gegen das AKW agiert auch die französische Gruppe "Collectif STOP BUGEY", die mit ihren Protesten die sofortige Abschaltung des AKW verlangt. Genf kann also mit Recht besorgt sein, denn das inzwischen bekannte Ausmaß von Nuklearkatastrophen würden bei einem Unfall in Bugey totz 70 km Sicherheitsstreifen auch Genf treffen.

Die Schweiz weiß im übrigen, dass sie ihrer Bevölkerung vor der Haustür kein Endlager anbieten darf. Sonst wird der Schweizer Stimmbürger zum Ungeheuer. Trotzdem wird fleißig weiterhin Müll produziert, die AKW's laufen weiter wie wenn nichts geschehen wäre und da die Schweiz langfristig aus der Atomstromproduktion aussteigen will, werden einfach die Laufzeiten auch der unsichersten Meiler verlängert. Das Endlager, na ja, es muss ja kommen, irgendwohin muss der strahlende Dreck. Also sucht man sich "geeignete Endlager" an einer Grenze, wo der Widerstand der lokalen Bevölkerung durch diejenigen überstimmt werden kann, die damit meinen, dass das Zeug weit weg von ihnen liegt. Der BUND Regionalverband Hochrhein schreibt dazu: "Gorleben am Hochrhein?
Der weltbekannte Rheinfall bei Schaffhausen entstand vor ca. 14 000 - 17 000 Jahren während der letzten Eiszeit. Im kleinen Schweizer Dorf Benken, direkt am Rheinfall und der Grenze gelegen, könnte das Schweizer Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen, denn Benken ist bisher der beste aller geologisch schlechten Standorte in der Schweiz" und "ein undichtes Atommülllager in Benken am Rheinfall wäre eine Katastrophe für alle Menschen der Region und insbesondere die vielen Millionen Menschen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland, die ihr Trinkwasser aus dem Uferfiltrat des Rheins beziehen."


Der deutsch-französische Fernsehsender Arte wird uns am 21. Mai in einer Sendung unter dem Titel "AKW-Rückbau - Zu welchem Preis?" noch einmal anschaulich vor Augen führen, welche Herkules-Aufgabe den zukünftigen Generationen bevorsteht, denn "vor 40 Jahren hatten die Erbauer der Atomkraftwerke in ihrer Planung nicht vorgesehen, dass die Meiler, wenn sie eines Tages zu alt und zu gefährlich sein würden, abgerissen werden müssten. Und bis heute gibt es keine wirklich sichere Lagerung für radioaktive Abfälle, die zum Teil über Hunderttausende Jahre eine Gefahr darstellen werden." Arte beendet seine Vorschau mit der Aufforderung: "Aber der Mensch wird diese Probleme lösen müssen, damit die abgeschalteten Meiler nicht eines Tages gefährlicher werden als die Anlagen, die noch am Netz sind."

Wie blind müssen die Verantwortlichen sein, wenn sie trotzdem noch die Atomkraft fördern und damit auch eine fortgesetzte Müllproduktion?


Informationsquelle
Le maire de Genève monte à Paris pour contrer le site de stockage nucléaire du Bugey