Mittwoch, 13. März 2013

50 Familien gegen Trump und das Großkapital, ein ungleicher Kampf

Der Milliardär Donald Trump hat gemeinsam mit dem Olympischen Komitee den Plan die Olympiastadt Rio de Janeiro zu einem Quell guter Profite zu machen. Am heruntergekommenen Hafen von Rio de Janeiro sollen die “Trump Towers” gebaut werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet in ihrem Wirtschaftsteil: “Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2016 will der amerikanische Immobilieninvestor Donald Trump fünf Hochhäuser im Hafenviertel der brasilianischen Großstadt errichten. Die Gebäude mit jeweils 38 Stockwerken sollen auf einer Fläche von 332000 Quadratmetern Büros und Wohnungen enthalten und zum Kern eines neuen Viertels im gegenwärtig heruntergekommenen Hafengebiet werden. Geplant sind auch Fußgängertunnels, Fahrradwege, Gas- und Stromversorgung und Fiberglasnetze für die Kommunikation.” Die FAZ verschweigt aber auch nicht, dass für diese Projekt 1.000 Menschen umgesiedelt werden müssen und bezeichnet dies als eine “politische Herausforderung”.

Die betroffenen Menschen wehren sich. Im Quilombo das Guerreiras haben 50 Familien im Jahr 2006 ein heruntergekommenes Gebäude besetzt, das bereits 20 Jahre leer stand. Sie haben das Gebäude gereinigt und in Selbstverwaltung übernommen, die Wohnungen verteilt und bilden seither einen Raum für öffentliches Wohnen, das für andere Hausbesetzungen in Rio beispielhaft wurde. In regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen wird über Organisation und Funktionieren des besetzten Gebäudes gesprochen. Alle Bewohner haben dabei ein Rederecht. Die Entscheidungen werden einvernehmlich getroffen und Arbeitsgruppen werden gebildet, um anstehende Aufgaben zu erledigen. Alle Bewohner beteiligen sich am Unterhalt des Gebäudes und weiterer Aktivitäten. Inzwischen ist das Gebäude auch zu einem Ort kultureller Ereignisse geworden. Bekannt sind die Juni-Feste mit Live-Musik, Jahrmarkt und Essensangebot. Am Jahrestag der Besetzung wird gefeiert und Besucher werden mit Musik, Fotoausstellungen und von den Bewohnern selbst hergestellten Speisen unterhalten. Von Unterstützern werden im Gebäude Kurse für Kinder und Jugendliche gegeben, es gibt Veranstaltungen mit Musik, bildender Kunst, Literatur, Kino und der Herstellung von Kinderspielzeug. Im Gebäude gibt es eine Bibliothek, die auch als Arbeitsplatz für die Bewohner dient.

Stadtnaher Wohnraum in Rio ist für viele Brasilianer nicht bezahlbar. Deshalb die Favelas, deshalb besetzte Häuser. Zusammen mit den olympischen Spielen kommt die Immobilienspekulation und das große Geschäft, da zählt das Schicksal einer kleinen Gruppe Menschen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen hat, wenig. Die Stadtverwaltung hat bereits mit der Umsiedlung von Menschen, die der Olympiade im Weg sind, begonnen. Neben Luxushotels müssen sie Schnellstraßen, Bahnhöfen, Golfplätzen und Einkaufszentren und Gewerbeparks weichen. Der Blog “Passa Palavra” schreibt dazu: “Der Hafenbereich ist jetzt ein heiß begehrter Ort und es gibt ein Projekt dafür: Porto Maravilha (wunderbarer Hafen). Das Ziel dieses Projektes ist es die Gegend in einem Prozess der Gentrifizierung aufzuwerten, indem die “unerwünschte” Bevölkerung, die dort wohnt – Arbeiter mit niedrigem Einkommen, Obdachlose – systematisch vertrieben wird, so dass die Gegend für die Immobilienspekulation “frei” und “sicher” verfügbar wird. Die Immobilienpreise sind bereits gestiegen. Damit wird verhindert, dass eine Gesellschaftsschicht, die traditionell in diesem Bereich gewohnt haben, dies nicht mehr tun kann und sie in Viertel weit außerhalb des Zentrums der Stadt verschoben wird, wo die Menschen weder Zugang zu Arbeit noch zu Dienstleistungen haben.”

Die brasilianischen Medien schreiben, dass die Bürger bei der Stadtplanung nicht beteiligt werden. Im Gegenteil, sie werden einfach ignoriert oder gegebenenfalls zum Schweigen gebracht. Vor drei Jahren wurde ein Wohnprojekt für die Bewohner des Quilombo das Guerreiras ins Spiel gebracht, das sich “Quilombo Gamboa” nannte. Dieses Projekt versickerte aber im Behördendschungel und kam nicht von der Stelle. Diese Probleme haben die Mächtigen der Wirtschaft nicht, ihre Projekt werden schnell und unbürokratisch abgesegnet.

Die Bewohner des Quilombo haben viele Unterstützer, aber ihr Kampf wird vermutlich aussichtslos sein. Das Recht auf Wohnen hat keinen Wert gegen das Recht reicher Milliardäre und des Finanzkapitals.

Siehe auch:
Steinreicher Trump sauer über Windräder an seinem Golfplatz

Informationsquelle
Quilombo das Guerreiras: futuros à deriva e a reivindicação de um porto – Passa Palavra
RJ - Abraço na Quilombo das Guerreiras – cmi brasil