Direkt zum Hauptbereich

50 Familien gegen Trump und das Großkapital, ein ungleicher Kampf

Der Milliardär Donald Trump hat gemeinsam mit dem Olympischen Komitee den Plan die Olympiastadt Rio de Janeiro zu einem Quell guter Profite zu machen. Am heruntergekommenen Hafen von Rio de Janeiro sollen die “Trump Towers” gebaut werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet in ihrem Wirtschaftsteil: “Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2016 will der amerikanische Immobilieninvestor Donald Trump fünf Hochhäuser im Hafenviertel der brasilianischen Großstadt errichten. Die Gebäude mit jeweils 38 Stockwerken sollen auf einer Fläche von 332000 Quadratmetern Büros und Wohnungen enthalten und zum Kern eines neuen Viertels im gegenwärtig heruntergekommenen Hafengebiet werden. Geplant sind auch Fußgängertunnels, Fahrradwege, Gas- und Stromversorgung und Fiberglasnetze für die Kommunikation.” Die FAZ verschweigt aber auch nicht, dass für diese Projekt 1.000 Menschen umgesiedelt werden müssen und bezeichnet dies als eine “politische Herausforderung”.

Die betroffenen Menschen wehren sich. Im Quilombo das Guerreiras haben 50 Familien im Jahr 2006 ein heruntergekommenes Gebäude besetzt, das bereits 20 Jahre leer stand. Sie haben das Gebäude gereinigt und in Selbstverwaltung übernommen, die Wohnungen verteilt und bilden seither einen Raum für öffentliches Wohnen, das für andere Hausbesetzungen in Rio beispielhaft wurde. In regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen wird über Organisation und Funktionieren des besetzten Gebäudes gesprochen. Alle Bewohner haben dabei ein Rederecht. Die Entscheidungen werden einvernehmlich getroffen und Arbeitsgruppen werden gebildet, um anstehende Aufgaben zu erledigen. Alle Bewohner beteiligen sich am Unterhalt des Gebäudes und weiterer Aktivitäten. Inzwischen ist das Gebäude auch zu einem Ort kultureller Ereignisse geworden. Bekannt sind die Juni-Feste mit Live-Musik, Jahrmarkt und Essensangebot. Am Jahrestag der Besetzung wird gefeiert und Besucher werden mit Musik, Fotoausstellungen und von den Bewohnern selbst hergestellten Speisen unterhalten. Von Unterstützern werden im Gebäude Kurse für Kinder und Jugendliche gegeben, es gibt Veranstaltungen mit Musik, bildender Kunst, Literatur, Kino und der Herstellung von Kinderspielzeug. Im Gebäude gibt es eine Bibliothek, die auch als Arbeitsplatz für die Bewohner dient.

Stadtnaher Wohnraum in Rio ist für viele Brasilianer nicht bezahlbar. Deshalb die Favelas, deshalb besetzte Häuser. Zusammen mit den olympischen Spielen kommt die Immobilienspekulation und das große Geschäft, da zählt das Schicksal einer kleinen Gruppe Menschen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen hat, wenig. Die Stadtverwaltung hat bereits mit der Umsiedlung von Menschen, die der Olympiade im Weg sind, begonnen. Neben Luxushotels müssen sie Schnellstraßen, Bahnhöfen, Golfplätzen und Einkaufszentren und Gewerbeparks weichen. Der Blog “Passa Palavra” schreibt dazu: “Der Hafenbereich ist jetzt ein heiß begehrter Ort und es gibt ein Projekt dafür: Porto Maravilha (wunderbarer Hafen). Das Ziel dieses Projektes ist es die Gegend in einem Prozess der Gentrifizierung aufzuwerten, indem die “unerwünschte” Bevölkerung, die dort wohnt – Arbeiter mit niedrigem Einkommen, Obdachlose – systematisch vertrieben wird, so dass die Gegend für die Immobilienspekulation “frei” und “sicher” verfügbar wird. Die Immobilienpreise sind bereits gestiegen. Damit wird verhindert, dass eine Gesellschaftsschicht, die traditionell in diesem Bereich gewohnt haben, dies nicht mehr tun kann und sie in Viertel weit außerhalb des Zentrums der Stadt verschoben wird, wo die Menschen weder Zugang zu Arbeit noch zu Dienstleistungen haben.”

Die brasilianischen Medien schreiben, dass die Bürger bei der Stadtplanung nicht beteiligt werden. Im Gegenteil, sie werden einfach ignoriert oder gegebenenfalls zum Schweigen gebracht. Vor drei Jahren wurde ein Wohnprojekt für die Bewohner des Quilombo das Guerreiras ins Spiel gebracht, das sich “Quilombo Gamboa” nannte. Dieses Projekt versickerte aber im Behördendschungel und kam nicht von der Stelle. Diese Probleme haben die Mächtigen der Wirtschaft nicht, ihre Projekt werden schnell und unbürokratisch abgesegnet.

Die Bewohner des Quilombo haben viele Unterstützer, aber ihr Kampf wird vermutlich aussichtslos sein. Das Recht auf Wohnen hat keinen Wert gegen das Recht reicher Milliardäre und des Finanzkapitals.

Siehe auch:
Steinreicher Trump sauer über Windräder an seinem Golfplatz

Informationsquelle
Quilombo das Guerreiras: futuros à deriva e a reivindicação de um porto – Passa Palavra
RJ - Abraço na Quilombo das Guerreiras – cmi brasil

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…