Samstag, 17. September 2011

Spanische Banken und der Verbraucherschutz


Spanische Banken haben sich zwar globalisiert, aber im eigenen Land gewisse Verhaltensweisen noch nicht abgelegt, die in die Zeit der Diktatur zurückreichen. Eines der wesentlichen Elemente dieser Zeit war die Geheimnistuerei der Obrigkeit, die in weite Teile der Wirtschaft ausstrahlte. Der Bürger hatte dem Machthabern zu dienen und nicht umgekehrt. Seine Majestät der Beamte konnte vom Volk nur über Mittelsmänner für teures Geld zu Aktionen bewegt werden.

Ähnlich verhielt es sich bei Banken, die man möglichst nur in gebeugter Haltung betreten haben sollte und sich in lange Schlangen vor der Kasse einstellen musste. Und wehe die Visage des Kunden passte dem Kassierer nicht, dann kam es vor, dass er von plötzlichem Unwohlsein geplagt, die Kasse für einige Zeit zumachte.

Nun, die schlimmsten Zeiten sind auch in den spanischen Banken vorbei, aber geblieben ist die Geheimniskrämerei bei der Gebührenberechnung. Der Kunde hat zu zahlen, was die allmächtige Bank in ihrer Weisheit von ihm verlangt. Eine transparente Gebührenberechnung gibt es nicht und da der spanische Staat den Verbraucherschutz nicht so ernst nimmt, musste erst die EU-Kommission in Brüssel energisch werden. Sie verlangt nun von der spanischen Regierung, dass sie für Transparenz im Bankenwesen sorgt.

Der spanische Journalist José Aguilar von der Zeitung "Diario de Sevilla" begrüßt das mit zorniger Ironie: „Wenn das zuständige Ministerium von den Banken verlangt, dass sie ihre Gebühren und Kommissionen öffentlich machen müssen, dann bedeutet das auch, dass jeder sie verstehen kann. Es darf nichts versteckt werden, von dem, was sie dem Kunden abverlangen, nur um mit seinem eigenen Geld Geschäfte machen zu können. Der Kunde soll im vorn hinein wissen, was auf ihn zukommt, damit er entweder auf ein Bankgeschäft verzichten oder gleich die Bank wechseln kann. Der Text soll so sein, dass es jeder versteht und nicht so platziert werden, dass er unter einer Menge Reklame und Kleingedrucktem nicht entdeckt werden kann. Die Liste der Gebühren muss öffentlich zugänglich ausgehängt werden. Bisher war das der Willkür eines jeden Filialdirektors überlassen worden, mit einem fatalen Resultat. Das Ministerium, das die Richtlinien ausarbeiten wird, sei gesegnet, aber nur wenn es darauf achtet, dass die Vorschriften eingehalten werden. Sicher werden auch damit die spanischen Banken weiterhin die teuersten Europas bleiben. Sie kassieren ja für Alles, aber wenigstens wissen wir dann wofür und womit sie uns quälen. Für manche sind das nur ein paar Euro, aber da wir ca. 20 Millionen sind, kommt da eine ganze Menge zusammen, die von den Banken kaltblütig abkassiert werden. Und man glaube ja nicht, dass sie im Laufe der Wirtschaftskrise ihren Griff auf den Kunden abgemildert haben. Da das Darlehensgeschäft völlig in die Binsen ging, haben sie ihre Gebühren zum Ausgleich kräftig erhöht. Nach Aussagen der Nationalbank von Spanien (Banco de España) wurden die Bankgebühren die letzten 6 Monaten zwischen 8% und 35% erhöht. Die Banco de Espana ist wenigstens die einzige Bank, die uns – wenn auch mit schlechten – Informationen versorgt. Die anderen provozieren uns nur.“