Donnerstag, 22. September 2011

Entente cordiale gegen die Griechen

Griechenland ist hochverschuldet und bereitet Europa nun schon seit Monaten Kopfzerbrechen. Mit viel Geld muss / will man dem Land helfen. Manche der EU-Staaten eher widerwillig, andere erwecken zumindest den Eindruck, dass man sich ganz der Solidarität verpflichtet fühlt und zur Rettung Griechenland bereit ist,  sein letztes Hemd zu geben.

So Frankreich. Die französischen Medien und Politiker haben sich bisher über die widerspenstigen Länder mokiert. Auf der einen Seite wurde das Bild der Mittelmeerländer mit Frankreich an der Spitze gezeichnet, ein Frankreich, das generös, solidarisch und visionär ist und die kapiert haben, dass man in der Krise ausgabefreudiger sein muss und auf der andern Seite des Rheins die Germanen, egoistisch, berechnend und ohne Verständnis für die Feinheiten der Finanzmärkte.

An der Basis sieht es allerdings ganz anders aus. Die französischen Bürger und Bürgerinnen unterscheiden sich in nichts von deutschen, wenn es um die Angst um den eigenen Geldbeutel geht. Nach einer Umfrage des Insituts Ifop für die Zeitung “Dimanche Ouest France”, die am 18. September veröffentlicht wurde sind 68% der Befragten gegen eine Erhöhung des finanziellen Beitrags Frankreichs zur Griechenlandrettung. Nur 32% sind einverstanden. Von denen die einverstanden sind, sind allerdings nur 5% uneingeschränkt mit den Zahlungen einverstanden. Der Anteil derjenigen,  die vollständig gegen jede finanzielle Beteiligung sind liegt dagegen bei 30%.

Blogger “Le Taulier” erklärt uns das Resultat:
68% der Personen die gegen die Entscheidung zur Erhöhung der Griechenland-Hilfe sind, bedeuten eine klare und massive Verweigerung. Aber ich habe einige Besonderheiten entdeckt, die mich amüsiert haben:
  • 58% der Männer und 76% der Frauen sind gegen diesen Plan! Wer sagt hier, dass die Frauen Politik mit mehr Desinteresse betreiben?
  • 67% der 18-24-jährigen und 51% die älter als 65 Jahre sind sind gegen den Hilfeplan! Wer hat gesagt, dass die Jugend solidarisch empfindet. Vielleicht sagen sich die Alten, dass sie im Falle eines Konkurses Griechenlands diese 15 Milliarden nicht zurück bekommen und dass ihre Lebensversicherungen vollgestopft mit griechischen Anleihen sind.
  • 81% der Arbeiter und 49% der leitenden Angestellten sind gegen die Hilfe! Das Volk mag es gerne sozial, aber nur wenn es zu seinem Vorteil ist. Sie denken weniger daran, dass sie nichts zu verlieren haben für den Fall, dass die Banken bankrott gehen, was bei den leitenden Angestellten nicht der Fall ist.
  • 90% der Wähler der FN (Front National) und 83% der LO (Lutte ouvrière) und NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste) sind gegen die Hilfe. Die Extremisten treffen sich. Sicherlich aus demselben Grund, die Ersten, weil sie xenophob sind und die Zweiten, weil dann der große Abend, von dem sie träumen, schneller kommen wird, wenn ein Staat der Eurozone bankrott geht. Um ehrlich zu sein darf man die Überzeugung vieler Wähler nicht unterschätzen (und nicht nur die von der extremen Linken), dass dieser Hilfeplan weniger zur Rettung Griechenlands als zur Rettung der Banken dienen soll”.
  
Informationsquelle:
Grèce: Les Français aussi égoïstes que les Allemands?
Les Français et l’aide à la Grèce